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Wirtschaft Riesengeschäft: Implenia schluckt deutschen Konkurrenten

Der Baukonzern expandiert. Er übernimmt einen Teil der deutschen Bilfinger-Gruppe und will sich so international als Spezialist für komplizierte Infrastrukturprojekte hervortun. Der Kauf sei vermutlich ein «Schnäppchen», sagt Finanzanalyst Patrick Appenzeller zur Akquisition.

Bild der Durchmesserlinie
Legende: Bei Grossprojekten wie der Zürcher Durchmesserlinie haben die beiden Unternehmen bereits zusammengearbeitet. Keystone

Der Baukonzern Implenia expandiert im europäischen Infrastrukturgeschäft. Der Schweizer Marktführer übernimmt von der deutschen Bilfinger-Gruppe die Sparte Bilfinger Construction.

Die Einheit mit einer Produktionsleistung von rund 780 Millionen Franken und 1850 Mitarbeitenden bietet im deutschsprachigen Europa und in Skandinavien umfassende Dienstleistungen im Bereich Infrastrukturbau, wie Implenia mitteilte.

«Megaprojekte in der Schweiz» abgeschlossen

Der Zukauf soll die Position des Unternehmens ausserhalb der Schweiz stärken. Implenia-CEO Anton Affentranger will damit zu einem «Schlüsselplayer im Infrastrukturmarkt» in Nordeuropa werden. Denn die Wachstumsmöglichkeiten in der Schweiz sind begrenzt, deshalb der Schritt nach Europa.

«Wir wussten, dass die grossen Megaprojekte, die wir in der Schweiz hatten, einmal fertig werden.» Zum Beispiel die Durchmesserlinie in Zürich oder die Arbeiten beim Gotthard. «Wir wollen dieses Know-how behalten und weiterentwickeln», so Affentranger.

Patrick Appenzeller, Finanzanalyst bei Helvea, findet den Kauf und den Einstieg in Europa richtig. Die Staaten wollen die Wirtschaft mit Bauinvestitionen ankurbeln. «Es besteht ein gewisser Nachholbedarf, weil eben in den letzten Jahren auf die Sparbremse gedrückt wurde. Und es besteht natürlich ein enormer Renovationsbedarf.»

Wettbewerbsbehörden müssen Übernahme absegnen

Zum Kaufpreis erklärte Implenia, Bilfinger Construction werde, abhängig vom Jahresabschluss 2014, auf rund 110 Millionen Euro bewertet (Equity Value). Die Transaktion soll zwischen Anfang Februar und Anfang März abgeschlossen werden. Das Zustandekommen ist von der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden abhängig.

Bilfinger Construction ist laut den Angaben führend in Spezialtief-, Ingenieur- und Tunnelbau. Das Unternehmen sei in Deutschland, Österreich, Norwegen und Schweden regional gut verankert.

Wahrscheinlich habe Implenia ein Schnäppchen gemacht, sagt Analyst Appenzeller. «Man weiss nie, was zum Vorschein kommt. Aber es ist durchaus möglich, dass daraus in zwei, drei Jahren ein substanzieller Ergebnisbeitrag resultieren wird.»

Implenia-Chef Affentranger betont das kleine Risiko: «Unsere Kunden sind finanziell gesund. Es sind Länder, welche starke Finanzierungsmöglichkeiten haben und vom Verschuldungsgrad her gesund sind.» Man habe auch für wenig Geld viel Kompetenz einkaufen können: gut ausgebildete Ingenieure und Techniker für den europäischen Markt. So sei die Übernahme weniger ein Risiko als eine grosse Chance.

Kritische Grösse erreicht

Durch die Übernahme werde Implenia künftig in Deutschland, Österreich und Skandinavien über die kritische Grösse verfügen, um vermehrt komplexe Projekte akquirieren und ausführen zu können.

Die Schweizer Baudienstleisterin mache einen wichtigen Schritt in der Umsetzung ihrer Strategie, sich international als Expertin für anspruchsvolle Infrastrukturprojekte zu etablieren, hiess es.

Dies ist auch nötig, wenn der Konzern weiter wachsen will. Bisher macht die Implenia 80 Prozent seines Umsatzes in der Schweiz. Wenn im nächsten Jahr der lange Boom der Schweizer Bauwirtschaft zu Ende geht und der Neat-Auftrag ausläuft, müssen neue Märkte erschlossen werden.

Das sagt die Börse

Die Aktien des Baukonzerns Implenia sind im frühen Handel gesucht worden. Nach Bekanntgabe der Übernahme der Sparte Bilfinger Construction vom deutschen Bilfinger-Konzern stieg der Kurs um 3,9 Prozent auf 57,40 Franken.

4 Kommentare

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  • Kommentar von P.Meier, Zürich
    Das ist ein gutes Beispiel, dass die Franken-Euro Interventionen der SNB falsch sind. Weil würde die SNB nicht künstlich den Franken tief halten, dann könnten Schweizer Firmen viel günstiger Rohstoffe, Maschienen, Produkte oder wie in diesem Fall sogar ganze Firmen im Ausland kaufen. Die Implenia zahlt hier mehr für den Kauf als sie eigenltich müsste.
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    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Die Produktion und Dienstleistungsanbieter würden bei einem überteuerten Franken dennoch allesamt auswandern oder pleite gehen. Im Klartext, die Arbeitslosigkeit würde massiv zunehmen.
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    2. Antwort von A. Moser, Interlaken
      @Kunz: würden sie nicht! Vielleicht ein paar grosse Multis - aber die KMU, die immer noch die Stütze unserer Wirtschaft sind (mit Betonung auf NOCH - die Linken setzen zur Zeit alles daran, diese langfristig zu reduzieren) haben diese Möglichkeit erst gar nicht!
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    3. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Herr Moser, es werden gerade die kleineren in's Gras beissen ... wie etwa z.B. der Maschinen-und Werkzeugbau, welcher dann nicht mehr konkurrenzfähig sein wird. Die Grossen sind eh hauptsächlich bereits im Ausland tätig.
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