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Wirtschaft Robert Shiller: «Halbwissen wird zur vermeintlichen Wahrheit»

Drei US-Ökonomen gewinnen den Wirtschaftsnobelpreis. Einer von ihnen ist Robert Shiller. Er möchte mit seinem Case-Shiller-Index dazu beitragen, dass Immobilienkrisen in Zukunft früher erkannt werden.

Portrait von Robert Shiller auf einem blauen Sessel, im Hintergrund Blätter einer Pflanze.
Legende: Shiller warnte schon früh vor dem Platzen der Immobilienblase. Reuters

Robert Shiller liebt Sportveranstaltungen. Doch es ist nicht die Action auf dem Spielfeld, die den Verhaltensökonomen an der renommierten Yale-Universität interessiert. Seine Augen seien stets auf das Publikum gerichtet, sagt er.

Es fasziniere ihn, wie die Zuschauer sich verhielten. Wie sich die Köpfe der Leute alle in die gleiche Richtung bewegten, dorthin, wo der Spieler mit dem Ball hinsteuert. «Fast so, als ob sie auf diese Weise auf den Spieler Einfluss nehmen könnten», erzählt Shiller, der oft schneller denkt als er spricht. Deshalb formuliert er seine Sätze selten zu Ende.

Negative Folgen kollektiver Fehleinschätzung

Dieses Verhalten sei typisch für die Menschen, sagt der neue Nobelpreisträger. Ein Herdentrieb, der auch ausserhalb der Sportarena anzutreffen ist: «Die Menschen tendieren dazu, ähnlich zu denken und zu handeln. Sie konstruieren sich ihre Realität mit Halbwissen. Und dieses Halbwissen wird, wenn es die Mitmenschen bestätigen, zur Wahrheit – einer vermeintlichen Wahrheit.» Das sei auch beim Geldanlegen so.

«Vor Ausbruch der jüngsten Finanzkrise hat man gedacht, die Häuserpreise könnten nur steigen. Keine ökonomische Theorie unterstützt diese These. Und doch haben die Leute blindlings in Immobilien investiert», sagt Shiller. Das sei der Zeitgeist gewesen.

Dass Immobilienpreise auch sinken können, ist seit der Finanzkrise wieder in den Köpfen der Menschen. Die Folgen dieser kollektiven Fehleinschätzung waren allerdings verheerend, in den USA und anderswo. Viele verloren viel Geld oder gar ihr Haus.

Die Märkte sind nicht absolut effizient

Robert Shiller ist kein klassischer Mainstream-Ökonom. Im Gegensatz zu Eugene Fama, der heute ebenfalls mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, glaubt er nicht an die absolute Effizienz der Märkte. Darum seien Spekulationsblasen möglich, sagt der 67-Jährige. Er hat etwas Spitzbübisches und wirkt deshalb viel jünger.

Übertreibungen liessen sich nie ganz verhindern. Doch es gebe Möglichkeiten, diese etwas weniger gross – und damit weniger schädlich – werden zu lassen, sagt der Uni-Professor. Der Staat subventioniere schon heute das Bildungswesen. Er müsse dafür sorgen, dass die Menschen mehr wüssten über Finanzmärkte, und zwar nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene.

Shiller hat den richtigen Riecher für Krisen

Dazu gehört, dass es öffentliche Daten gibt, die den Wert verschiedener Güter aufzeigen. Shiller hat deshalb den bekanntesten Immobilienindex mitentwickelt, den Case-Shiller-Index. Dieser zeigt, wie sehr Liegenschaften in den USA über- oder unterbewertet sind – sprich: der Index warnt vor Immobilienblasen.

Shiller scheint auf der richtigen Spur zu sein. Er hat nicht nur eine, sondern zwei Blasen auf den Finanzmärkten richtig vorausgesagt: Die Dotcom-Blase Ende der Neunzigerjahre und dann die Immobilienblase.

Offenbar kann er sich dem Herdentrieb entziehen. Doch wie schafft er das? Sein Vater habe ihm immer gesagt, er solle unabhängig denken. Deshalb habe er ihm auch nicht erlaubt, fernzusehen. Das mache er bis heute nicht, fügt er an. Er hätte Angst, dass er dadurch zu denken beginne wie alle anderen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Vor Ausbruch der jüngsten Finanzkrise habe man gedacht, die Häuserpreise könnten nur steigen - wenn ich daran denke, dass sich der Preis eines simplen Chalet-Typ EF-Hauses, die mein Grossvater in den 50'er Jahren für rund 27'000.- CHF inkl. Land erbaut und verkauft hat, mittlerweile im Handelsegment der 350'000.- CHF Klasse befindet, und damit zu den eigentlich zu den Schnäppchen-Angeboten gehört, frage ich mich, wie lange es bei uns wohl noch geht, mit Häusern, die ja leicht das Doppelte kosten
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    1. Antwort von Mike Brunner, Lachen
      Wir sind hier ja überheblich geworden, denken der EU-Raum wird sich nie mehr erholen und wir sind die Kings. Ich sehe es etwas anders, sobald sich der Euroraum erholt, werden hier Leute abgezogen (die Bewegung hat ja bereits begonnen wenn auch noch netto ins Land einwandern), zusammen mit der Bau-Euphorie wird es spätestens 3-4 Jahren zu einem Crash kommen, wie immer verzögert in der Schweiz. Hochmut kommt vor dem Fall...
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    2. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      Wenn nicht so viel Schwarzgeld auf Schweizer Bankenkonten noch hätte 'legalisiert' werden müssen, bevor es aufgrund neuer Gesetze auffliegt, würde auch nicht gebaut wie wahnsinnig, aber alle versuchen halt, ihre Schäfchen noch ins Trockene zu bringen, solange es geht. Uns solange die EU serbelt und anderorts Krieg herrscht, wird die Schweiz von davon profitieren, wie früher schon. Nachher wird sie sowieso 'eingegliedert', die Frage ist nur, zu welchem Wechselkurs um wieviel wem übrigbleiben wird
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