Rohstoffhändler für Transparenz – solange es sie nicht betrifft

Die Rohstoffbranche steht wegen Fällen von Korruption, Geldwäscherei und Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Doch freiwillig werden die Rohstoffhändler nicht transparenter. Das macht der Chef von Vitol Schweiz, des weltweit grössten, unabhängigen Erdölhändlers, im SRF-Interview klar.

Brauner Häuserblock an einer Strasse.

Bildlegende: In diesem unspektakulären Gebäude in Genf befindet sich der Schweizer Hauptsitz von Vitol. SRF

Sechs der zehn umsatzstärksten Firmen in der Schweiz sind Rohstoffhändler. Doch trotz ihrer Milliardenumsätze ist kaum etwas bekannt über ihre Geschäftspraktiken. Das stösst auf Kritik, denn immer wieder kommt es in der Rohstoffbranche zu Korruption, Geldwäscherei und Menschenrechtsverletzungen. Doch freiwillig werden die Rohstoffhändler nicht transparenter.

Einer dieser Rohstoffhändler ist Vitol. Sein Büro liegt in einem braunen unscheinbaren Gebäude mitten im Genfer Plainpalais-Quartier. Damit unterstreicht Vitol die vorherrschende Meinung: diskret, kaum Informationen.

Von mangelnder Transparenz will Vitol-Schweiz-Chef David Fransen jedoch nichts wissen. Vitol sei eine transparente Firma. Jeder, der etwas wissen müsse über Vitol, seien es Geschäftspartner, Banken oder Steuerbehörden, erhalte die nötigen Informationen. Dies sagt Fransen im Interview mit SRF.

Keine Meldepflicht für Privatunternehmen

Was unter «nötige Informationen» fällt, ist Interpretationssache. NGO monieren, es sei fundamental für die Bevölkerung der Rohstoff-Export-Länder zu wissen, wie viel Geld die Rohstoffhändler für ihre Rohstoffe bezahlen. Nur wenn beispielsweise die Bevölkerung in Ghana weiss, wie viel Vitol der ghanaischen Regierung für Erdöl bezahlt, erst dann kann die Bevölkerung kritische Fragen stellen über den Verbleib dieses Geldes.

Konkret: Korruption würde damit schwieriger. In der EU müssen Firmen, die Rohstoffe abbauen, ihre Zahlungen an Regierungen seit diesem Jahr offenlegen. Rohstoffhändler wie Vitol müssen das nicht.

David Fransen.

Bildlegende: Vitol-Schweiz-Chef David Fransen. SRF

Überhaupt muss Vitol praktisch von Gesetzes wegen gar keine Informationen veröffentlichen. Weil der Rohstoffhändler in privater Hand ist, untersteht er nicht der Meldepflicht wie Unternehmen, die an der Börse gelistet sind. So gibt Vitol beispielsweise nicht einmal Geschäfts-Zahlen bekannt. «Das ist unser Recht als Privatunternehmen», sagt David Fransen dazu.

Dass die Rohstoffbranche damit etwas zu verstecken versuche, sieht Fransen dennoch nicht. Eine ähnliche Offenlegung der Zahlen, wie sie von Rohstoffförderen verlangt wird, will er nicht. «Es bringt den Leuten in den Rohstoffexport-Ländern nichts, wenn sie wissen, dass sie so und so viele Millionen von Vitol erhalten haben.» Die Bevölkerung wolle wissen, was die Regierung mit dem Geld angestellt habe. Und das könne Vitol nicht beantworten.

Informationen erst bei Gesetzesänderung

Dennoch habe Vitol auch schon Hand geboten, wenn es darum gehe, Zahlungen offenzulegen. Dies innerhalb der sogenannten «Extractive Industries Transparency Initiative», kurz EITI. EITI ist die wichtigste freiwillige Initiative zu mehr Transparenz in der Rohstoffbranche. Mitglieder der Initiative sind die Länder, in denen Rohstoffe gefördert werden. Diese Länder verpflichten sich mit EITI, alle Zahlungen von Rohstoff-Firmen offenzulegen und dasselbe von den dort aktiven Unternehmen zu fordern. So hat auch Vitol beispielsweise seine Käufe im Irak offengelegt.

Allerdings: EITI basiert auf Freiwilligkeit. Und somit macht Vitol nur dann Zahlungen öffentlich, wenn es dem Unternehmen passt. Und selbst bei der freiwilligen Initiative ist David Fransen skeptisch. Seiner Meinung nach müssen auch die Regierungen ihren Teil dazu beitragen. Er macht zwar ein Bekenntnis zur Zusammenarbeit. Aber er vertritt auch die klare Haltung, dass Vitol nicht mehr Informationen über Geldflüsse an Regierungen in die Öffentlichkeit tragen wird, solange dies der Gesetzgeber nicht verlangt.

Am Anti-Korruptions-Gipfel in London Anfang Jahr haben 11 Länder, darunter wichtige Rohstoffhandelsplätze wie Grossbritannien und die Schweiz, sich dazu verpflichtet, die Transparenz im Rohstoffhandel gemeinsam anzupacken. Gleichzeitig kommt in der Schweiz, welche schliesslich einer der grössten Rohstoffhandelsplätze der Welt ist, mit der Aktienrechtsrevision auch ein Gesetz ins Parlament, welches zu mehr Transparenz im Rohstoffhandel führen könnte.

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