Rohstoffhandel treibt Schweizer Konjunktur an

Die Schweizer Wirtschaft ist zurück auf einem moderaten Wachstumskurs. Die Ökonomen der KOF ETH erhöhen ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr von 1,0 auf 1,6 Prozent. Der Transithandel – Handel mit Rohstoffen – läuft besser als erwartet. Allerdings verlieren Industrie und Banken an Boden.

Mais wird gelagert.

Bildlegende: Der Handel mit Rohstoffen ist ein Milliarden-Geschäft. Zu den grossen globalen Handelsplätzen gehören auch Genf und Zug. Keystone

Die Wirtschaft in der Schweiz wächst wieder. Die Ökonomen der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich korrigieren das vorausgesagte Wachstum für dieses Jahr nach oben: von 1,0 auf 1,6 Prozent. Die Besserung ist auf den Rohstoffhandel zurückzuführen. Die Schweiz ist einer der wichtigsten Handelsplätze für Rohstoffe aus aller Welt. Inzwischen macht der sogenannte Transithandel 4 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz aus.

2015 wäre die Wirtschaft ohne diesen Beitrag auf der Stelle getreten, sagte Jan-Egbert Sturm, Direktor der Konjunkturforschungsstelle.

Weil für das Wirtschaftswachstum jeweils die realen Grössen herangezogen werden, wird die Veränderung der Mengen, nicht aber der Preise berücksichtigt. Der Transithandel konnte damit im vergangenen Jahr trotz tiefer Ölpreise zulegen. Für die Konjunkturforscher ist der Transithandel eine Herausforderung: Er schwankt stark und ist deshalb schwierig zu berechnen, erklärte Sturm.

Einbussen bei Industrie und Banken

Während der Transithandel derzeit floriert, haben andere Wirtschaftszweige mit Problemen zu kämpfen. Aus den Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zur Wirtschaftsentwicklung 2015 schliesst die KOF ETH, dass die Industrie wesentlich stärker von der Franken-Aufwertung betroffen war, als bislang erwartet wurde.

Die KOF hatte bisher angenommen, dass die Industrie ihre mengenmässige Produktion steigern konnte, aber unter Inkaufnahme von grossen Margenverlusten. Diese Ansicht musste die KOF im Nachhinein revidieren.

Die Produktion verringerte sich um 0,9 Prozent und drückte das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 0,2 Prozentpunkte.

Schlechter lief es nur bei den Banken. Sie erlitten Einbussen von 9 Prozent und belasteten so mit einem halben Prozentpunkt das Schweizer BIP-Wachstum.

Ende der Durststrecke naht

Für das laufende und kommende Jahr zeichnet sich aber laut der KOF langsam ein Ende der Durststrecke ab. Die Banken sollen ab 2017 wieder aus dem Minus herausfinden.

Die Waren der exportorientierten Industrie dürften im Ausland wieder stärker gefragt sein, weil sich die Weltwirtschaft weiter belebe. Damit dürfte die Industrie bis Ende 2016 bereits wieder zum BIP-Wachstum beitragen.

Einen stärkeren Beitrag zum BIP werden laut der KOF auch die konsumentennahen Dienstleistungen leisten. Dazu gehören unter anderem die Bildung und die Gesundheitsdienstleistungen.

Arbeitsmarkt erholt sich

Die KOF ETH geht davon aus, dass der Druck auf den Franken weiter anhält. Der Wechselkurs zum Euro sollte aber stabil bei 1,10 Franken bleiben. Unter Einbezug all dieser Entwicklungen erwartet die KOF für 2016 ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent, für 2017 von 1,8 Prozent und für 2018 von 1,9 Prozent.

Das wieder etwas stärkere Wachstum dürfte auch zu einer Erholung auf dem Arbeitsmarkt führen. Nach wie vor sei aber die Konsumentenstimmung gedämpft und der Aussenhandel komme nur zögerlich in Schwung.

Andererseits stehen aber Industriefirmen und Banken weiterhin unter Druck, die Betriebsabläufe effizienter zu gestalten. Es müsse darum weiterhin mit Meldungen über Stellenstreichungen gerechnet werden, weil die Unternehmen umstrukturieren oder Stellen ins Ausland verlagern.

Die KOF geht von einer stabilen Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent in diesem Jahr und 3,4 Prozent in den Jahren 2017 und 2018 aus.