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Rohstoffkonzern im Visier «Public Eye» zeigt Glencore an

Legende: Video Anzeige wegen möglicher illegaler Praktiken in Kongo abspielen. Laufzeit 01:28 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 19.12.2017.
  • Die Nichtregierungsorganisation «Public Eye» hat bei der Bundesanwaltschaft (BA) eine Strafanzeige gegen Glencore eingereicht.
  • Der Rohstoffriese mit Sitz in Baar (ZG) soll im Kongo 2007 milliardenschwere Anteile an Kupfer- und Kobaltminen zu Spottpreisen gekauft haben.
  • Die BA prüfe die Strafanzeige, dies hiesse aber nicht automatisch, dass ein Verfahren eröffnet werde, so deren Sprecher.

Für Glencore könnte es ungemütlich werden. Nach weiteren Enthüllungen in den sogenannten «Paradise Papers» soll eine Untersuchung klären, ob das Vorgehen des Rohstoffriesen in der Demokratischen Republik Kongo illegal war.

Die NGO teilt in einer Mitteilung mit, es gebe für die Strafverfolgungsbehörden genügend Indizien, um eine Untersuchung zu eröffnen.

Glencore bestreitet Vorwürfe

«Public Eye» wirft Glencore konkret vor, im Kongo 2007 substantielle Anteile an Kupfer- und Kobaltminen zu Spottpreisen gekauft zu haben – deren Wert in die Milliarden Dollar gehe.

Für die Kupfermine Katanga in Kongo etwa hatte Glencore die Schürfrechte von den kongolesischen Behörden laut NGO-Angaben für einen viermal tieferen Preis erhalten als die meisten Konkurrenten. Glencore bestreitet jegliche illegalen Handlungen.

«Public Eye» sieht dies anders: Die Enthüllungen der «Paradise Papers» hätten diesem Bild weitere wichtige Puzzleteile hinzugefügt. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler und deren Nähe zur kongolesischen Machtelite wird kritisch gesehen.

Gemäss der Berichterstattung über die «Paradise Papers» soll Gertler Politikern im Kongo Millionen bezahlt haben, damit Geschäftspartner – darunter Glencore – ihre Deals rund um Minen und Minenlizenzen effizient und zu vorteilhaften Konditionen abschliessen konnten.

Verfahren gegen Glencore unklar

«Public Eye» kritisiert in ihrer Mitteilung auch die hiesigen Strafverfolgungsbehörden: Ungeachtet diverser Berichte hätten sie sich bislang nicht für den Fall Glencore interessiert.

Auf Anfrage der «Tagesschau» sagt André Marty, Sprecher der Bundesanwaltschaft, die Bundesanwaltschaft habe die Strafanzeige entgegengenommen. «Das heisst nicht automatisch, dass ein Strafverfahren eröffnet wird. Die Unterlagen werden geprüft und dann wird entschieden», so Marty.

Der Rohstoff-Konzern Glencore steht seit Jahren in der Kritik. Nun soll Artikel 102 des Strafgesetzbuches zur Anwendung kommen. Laut «Public Eye» verlangt das Schweizer Strafrecht von Unternehmen, illegale Verhaltensweisen zu verhindern. Das soll die Bundesanwaltschaft nun ebenfalls klären.

Ob es zu einem Verfahren wegen Glencores Aktivitäten in Kongo kommt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Glencore wollte zum eingereichten Strafverfahren keine Stellung nehmen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Larissa Möller (Larissa Möller)
    Diese ausbeutende Firmen sollen für die Flüchtlinge und deren Intigration im Ursprungsland aufkommen. Schliesslich sind sie die Verursacher der Massenflucht nach Europa.
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    1. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Ja richtig, aber nicht klagen wenn alles nochmals teurer und teurer wird... der Konsument ist die treibende Kraft m Unrecht dieser Welt, Menschen wie Ich und Sie
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    gut, dass es menschen gibt, die wie bei public eye, ehemalig'die erklärung von bern' dran bleiben. die konzernverantwortungsinitiative wichtig und aktueller denn je. dran bleiben, im kleinen wie im grossen. danke euch public eye leuten. ihr macht wirklich gute arbeit.
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  • Kommentar von Markus Weilenmann (markusweile)
    Der Fall zeigt, dass es die Konzernverantwortungsinitiative wirklich braucht. Es kann nicht sein, dass Grosskonerne wie Glencore mit der korrupten Elite Kongos einen Pakt schliessen u von der extremen Armut, wie sie im Kongo herrscht, in der Weise profitieren, dass sie Minen mit überaus wertvollen Rohstoffen (ua f Mobiltelefonie) unter Markt erwerben, sodass für die hungernde Bevölkerung nichts, aber auch gar nichts übrig bleibt. Auch der Kampf gg Armut u Hunger gehört zu den Menschenrechten!
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    1. Antwort von Markus Weilenmann (markusweile)
      Es ist zudem ja auch nicht so, dass man am Hauptsitz dieser Grosskonzernen über solche Zusammenhänge nichts weiss. Gerade im Fall von Glencore, wo doch ihr CEO von Südafrika kommt, ist das Vorgehen besonders stossend. Es ist wie überall: Wo es keine rechtlichen Leitplanken gibt, zählt nur das Geld. Der Traum der "Selbstregulierung" wie er vom Arbeitgeberverband nun wieder verbreitet wird, erweist sich als das was er ist: ein Traum!
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