Rosige Aussichten: Mehr Jobs in der Schweizer Industrie

Jährlich werden in der Schweiz zehntausende Arbeitsplätze geschaffen. In den letzten Jahren vor allem in staatlichen oder staatsnahen Sektoren. 2015 soll es jetzt erstmals auch in der Industrie wieder neue Stellen geben. Das freut Ökonomen gleich doppelt.

Die Fabrik des Zementherstellers Jura Cement

Bildlegende: Dringend gesucht: neue Arbeitsplätze in der Industrie. Im Bild: Fabrik des Zementherstellers Jura Cement. Keystone

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco wagt einen optimistischen Ausblick auf 2015. Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik rechnet mit einem leicht höheren Wirtschaftswachstum von 2 Prozent. «Das Erfreuliche ist, dass das Wirtschaftswachstum breiter abgestürzt sein wird.»

Seco-Ökonom glaubt an Wachsen der Exportwirtschaft

In den letzten Jahren hat jeweils vor allem die Binnenwirtschaft zugelegt, insbesondere das Gesundheitswesen oder der Bildungsbereich. 2015 werde vermehrt auch die Exportwirtschaft – also die Industrie – wieder wachsen, erwartet Seco-Ökonom Scheidegger. «Damit verbunden sind dann sofort auch wieder vermehrt Investitionen und Schaffung von Arbeitsplätzen – auch in diesen exportgetriebenen Sektoren.»


Wachstumsaussichten für Exportindustrie

4:04 min, aus Echo der Zeit vom 02.01.2015

Das ist ein Novum. Denn als Folge der Finanzkrise sind in der Industrie in den letzten sechs Jahren per Saldo rund 35'000 Stellen verloren gegangen. Im staatlichen und staatsnahen Bereich hingegen entstanden viele neue Arbeitsplätze. Über Zeit werde es zu einem Problem, wenn im verarbeitenden Gewerbe, Industrie und Pharmazeutik keine oder wenige Arbeitsplätze entstehen, glaubt Daniel Kalt von der UBS. Ein Land könne seinen Wohlstand nur halten, wenn es auch wirklich Güter und Dienstleistungen produziere, die auch im Ausland verkauft werden könnten.

«Landwirtschaft könnte noch etwas zulegen»

Auch Seco-Ökonom Scheidegger hätte gerne eine ausgeglicheneren Branchen-Mix bei den neu geschaffenen Stellen. Sorgen macht ihm die teilweise tiefere Produktivität der personalintensiven Bereiche. «Im Dienstleistungssektor gibt es gewisse Bereiche, in denen man fitter werden kann. Auch die Landwirtschaft könnte in Sachen Produktivität noch etwas zulegen.»

Die Produktivität gilt als Mass für den volkswirtschaftlichen Wert eines Arbeitsplatzes. Welchen Wert ein Maschinenbauer schafft, können Ökonomen relativ einfach bemessen. Welchen Wert hingegen eine Lehrerin oder ein Krankenpfleger generiert, lässt sich nur schätzen.

Trotz solcher methodischer Unschärfen: die meisten Ökonomen argumentieren, Arbeitsplätze in der Industrie verfügten über eine höhere Wertschöpfung, als solche in staatsnahen Bereichen. «Es müssen auch Werte geschaffen werden, Produkte verkauft werden können, die dann dann den ganz grossen staatlichen oder parastaatlichen Gesundheits- und Sozialsektor finanzieren können», sagt UBS-Ökonom Kalt.

Je nach Blickrichtung beurteilen Ökonomen den Wert von Arbeitsplätzen in verschiedenen Sektoren also unterschiedlich. Einig sind sie sich aber von links bis rechts, dass es einen ausgeglichenen Mix zwischen den Branchen braucht.