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Wirtschaft Rosige Aussichten: Mehr Jobs in der Schweizer Industrie

Jährlich werden in der Schweiz zehntausende Arbeitsplätze geschaffen. In den letzten Jahren vor allem in staatlichen oder staatsnahen Sektoren. 2015 soll es jetzt erstmals auch in der Industrie wieder neue Stellen geben. Das freut Ökonomen gleich doppelt.

Die Fabrik des Zementherstellers Jura Cement
Legende: Dringend gesucht: neue Arbeitsplätze in der Industrie. Im Bild: Fabrik des Zementherstellers Jura Cement. Keystone

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco wagt einen optimistischen Ausblick auf 2015. Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik rechnet mit einem leicht höheren Wirtschaftswachstum von 2 Prozent. «Das Erfreuliche ist, dass das Wirtschaftswachstum breiter abgestürzt sein wird.»

Seco-Ökonom glaubt an Wachsen der Exportwirtschaft

In den letzten Jahren hat jeweils vor allem die Binnenwirtschaft zugelegt, insbesondere das Gesundheitswesen oder der Bildungsbereich. 2015 werde vermehrt auch die Exportwirtschaft – also die Industrie – wieder wachsen, erwartet Seco-Ökonom Scheidegger. «Damit verbunden sind dann sofort auch wieder vermehrt Investitionen und Schaffung von Arbeitsplätzen – auch in diesen exportgetriebenen Sektoren.»

Das ist ein Novum. Denn als Folge der Finanzkrise sind in der Industrie in den letzten sechs Jahren per Saldo rund 35'000 Stellen verloren gegangen. Im staatlichen und staatsnahen Bereich hingegen entstanden viele neue Arbeitsplätze. Über Zeit werde es zu einem Problem, wenn im verarbeitenden Gewerbe, Industrie und Pharmazeutik keine oder wenige Arbeitsplätze entstehen, glaubt Daniel Kalt von der UBS. Ein Land könne seinen Wohlstand nur halten, wenn es auch wirklich Güter und Dienstleistungen produziere, die auch im Ausland verkauft werden könnten.

«Landwirtschaft könnte noch etwas zulegen»

Auch Seco-Ökonom Scheidegger hätte gerne eine ausgeglicheneren Branchen-Mix bei den neu geschaffenen Stellen. Sorgen macht ihm die teilweise tiefere Produktivität der personalintensiven Bereiche. «Im Dienstleistungssektor gibt es gewisse Bereiche, in denen man fitter werden kann. Auch die Landwirtschaft könnte in Sachen Produktivität noch etwas zulegen.»

Die Produktivität gilt als Mass für den volkswirtschaftlichen Wert eines Arbeitsplatzes. Welchen Wert ein Maschinenbauer schafft, können Ökonomen relativ einfach bemessen. Welchen Wert hingegen eine Lehrerin oder ein Krankenpfleger generiert, lässt sich nur schätzen.

Trotz solcher methodischer Unschärfen: die meisten Ökonomen argumentieren, Arbeitsplätze in der Industrie verfügten über eine höhere Wertschöpfung, als solche in staatsnahen Bereichen. «Es müssen auch Werte geschaffen werden, Produkte verkauft werden können, die dann dann den ganz grossen staatlichen oder parastaatlichen Gesundheits- und Sozialsektor finanzieren können», sagt UBS-Ökonom Kalt.

Je nach Blickrichtung beurteilen Ökonomen den Wert von Arbeitsplätzen in verschiedenen Sektoren also unterschiedlich. Einig sind sie sich aber von links bis rechts, dass es einen ausgeglichenen Mix zwischen den Branchen braucht.

25 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Grundsätzlich stimme ich Scheidegger zu; ein Land braucht auch Produkte aus dem ersten und zweiten Sektor. Ansonsten wandert irgend wann der dritte Sektor ab oder kollabiert. Hingegen frage ich mich wieso es rosige Aussichten gibt für Jobs in der Industrie. Ich sehe und erlebe es umgekehrt: Auf Grund unserer Gewinnmargen-Kultur sind zwangsläufig unsere Löhne zu hoch, die Lohnnebenkosten mit Quadratmeterpreise usw. ebenfalls. Des weiteren haben wir leider nicht mehr die erforderliche Kultur.
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @H.Knecht. Die Löhne sind ja bereits am sinken - Stellenwechsel beispielsweise werden gerne für Lohnsenkungen benutzt. Nur die Ausgaben - v.a. Steuern, Bodenpreise und Mieten sowie Krankenkassenprämien steigen. Ebenso verhält es sich mit den Renten. Diese sinken, weil es mehr Bezüger gibt und das Lebensalter steigt. Trotzdem steigen die Millionengewinne für wenige. DA stimmt doch etwas nicht.
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      ...und noch etwas. Prognosen sind wie Orakel - evntuell ein Treffer, oder vielleicht teilweise oder gar nicht. Fast alle Prognosen werden korrigiert. Nur hinterher, da haben es die cleveren Ökonomen "genau gewusst".
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    3. Antwort von E.Wagner, Zug
      @H.Knecht:Man könnte grad so gut eine Kristallkugel befragen, ob es mehr Gewinnmargen gibt, dafür weniger im Portemonnaie des Bürgers.Der zahlt doch am Schluss die Zeche.
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  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Mal sehen, was aus unserer einst starken Maschinenindustrie wird ...!
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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    @H.Schwarb & M.Schacher. Gemach! Was ich ausdrücken wollte, ist, dass die aus den USA der 1930er Jahren stammende „Standard Industrial Classification“(SIC) in Primärsektor(Urproduktion), Sekundärsektor(Industrieller Sektor) & Tertiärsektor(Dienstleistungssektor) aller Volkswirtschaften den Spiegel von Wohlstand bedeuten. Ich wollte andeuten, dass sowohl Politiker, Ökonomen, Produzenten & vor allem Konsumenten nun glauben, es brauche weder Primär- noch Sekundärsektor. Sektor 1+2 sind wichtiger!
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    1. Antwort von Hanspeter Schwarb, Eiken
      Tut mir leid , da habe ich Sie falsch verstanden. In dem Zusammenhang haben Sie auch wieder recht
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