Schindler prüft neues Pensionskassen-Modell

Tiefe Zinsen und seit Jahren schwankende Renditen schmälern die Erträge der Pensionskassen. Die Folge: Das Rentnerkapital vieler Kassen ist zu tief, um die versprochenen Pensionen langfristig zu finanzieren. Wie die SBB denkt nun auch Schindler über ein flexibles Modell für Neurentner nach.

Hand einer Seniorin

Bildlegende: Rentenbezüger nehmen deutlich stärker zu als aktive Beitragszahler: Ein finanzielles Problem. Colourbox

Die Pensionskasse des Lift- und Rolltreppenherstellers Schindler prüft ein neues Rentenmodell. Dieses ist ähnlich jenem der SBB. Wie Heinz Risi, Stiftungsratspräsident der Schindler-Pensionskasse im Interview mit «ECO» sagt, sollen Neurentner künftig ein garantiertes Fixum, kombiniert mit einem variablen Teil, erhalten. «Der Druck wird nicht kleiner», so Risi, «darum wollen wir proaktiv handeln.» Ab 2018 könnte das neue Modell eingeführt werden. Knapp 2700 Rentnern stehen bei Schindler rund 4200 aktive Beitragszahler gegenüber.

20 Prozent mehr Zahler, 60 Prozent mehr Bezüger

Schweizer Pensionskassen bekommen die demografische Entwicklung zu spüren: Seit 1996 hat die Anzahl der Rentenbezüger um mehr als 60 Prozent auf über 1 Million Personen zugenommen. Demgegenüber stieg die Anzahl der aktiven Beitragszahler lediglich um 20 Prozent – auf rund 3,7 Millionen. Für viele Kassen verschlechtert sich damit das Verhältnis der aktiven Beitragszahler zu den Rentnern.

Gleichzeitig sind die Zinsen hartnäckig tief und weitere Erträge auf den Pensionskassen-Vermögen schwankten in den letzten Jahren auch wegen der Finanzkrise stark. Im so genannten Deckungskapital der Rentner klafft ein Milliarden-Loch. Peter Zanella, Pensionskassen-Experte der Beratungsfirma Towers Watson, schätzt es auf bis zu 70 Milliarden Franken. Damit sind die versprochenen Renten langfristig nicht mehr finanziert.

Den Verlust müssen bislang vor allem die aktiven Beitragszahler tragen. Ein Sanierungsbeitrag der Rentenbezüger ist bis jetzt per Gesetz tabu. Viele Pensionskassen senken zwar für Neurentner die Umwandlungssätze und damit die auf dem angesparten Kapital ausbezahlten Renten. Aber diese Massnahme löst die Finanzierungslücke bei den bestehenden Rentenbezügern nicht wirklich. 

Pensionskasse als «Dealkiller»

Zunehmend belastend dürften sich die fehlenden Milliarden auswirken, wenn Unternehmen oder Teile davon den Eigentümer wechseln. Peter Zanella weiss von mehreren Fällen, bei denen die Pensionskasse quasi zu einem «Dealkiller» geworden ist: Die neue Firma hätte für die Rentner der Pensionskasse des alten Unternehmens 10 bis 20 Prozent Kapital nachfinanzieren müssen.