Schnupperlehre für Lehrer: Neue Idee bei Jagd um beste Lehrlinge

Wissen, wovon man redet. Nach dieser Devise hat der Ostschweizer Industriebetrieb Bühler ein neues Angebot entwickelt: eine Schnupperlehre für Oberstufenlehrer. Mit dieser Erfahrung sollen sie ihre Schüler besser informieren können.

Bruno Bollhalder bei der Arbeit.

Bildlegende: Eigentlich ist das Klassenzimmer sein Terrain: Bruno Bollhalder ist Lehrer – und macht eine Schnupperlehre. SRF

Auf der Suche nach geeigneten Lehrlingen geht das Industrieunternehmen Bühler in Uzwil neue Wege: Das Unternehmen bietet Oberstufenlehrern eine dreiwöchige Schnupperlehre an. Die Lehrer sollen so ihre Schüler und deren Eltern besser über den Berufseinstieg informieren und vorbereiten können.

Knapp 300 Lehrlinge bildet Bühler derzeit in zehn verschiedenen Berufen aus. Jedes Jahr stehen 80 bis 90 neue Lehrstellen offen. Die Schnupperlehre für Lehrer wie auch ein Besuchstag für Schülerinnen sind Teil einer Offensive, die der Lehrlingschef von Bühler, Andreas Bischof, vor einigen Jahren lancierte. Er wollte damit dem sich abzeichnenden Lehrlingsmangel vorbeugen.

Firmengelände von oben.

Bildlegende: Das Verfahrenstechnik-Unternehmen Bühler mit Haupsitz in Uzwil beschäftigt weltweit 10'800 Angestellte. zvg

Geburtenschwache Jahrgänge

Bühler gilt zwar als beliebter Lehrlingsbetrieb – doch mit geburtenschwachen Schulabgangsjahrgängen bis 2018 wird es stets schwieriger, gute Schulabgänger für die anspruchsvollen technischen Berufsausbildungen von Bühler zu gewinnen.

«Wenn wir vor fünf Jahren diese Massnahmen nicht beschlossen hätten, hätten wir heute ein Problem», sagt Bischof. Er betrachtet die Lehrer-Schnupperlehre als «Eigeninitiative, um die Zusammenarbeit mit der vorgelagerten Stufe zu intensivieren».

Wie viel Bühler für die Betreuung der Lehrer investiert, kann Bischof nicht beziffern: «Wenn wir dadurch qualitative Verbesserungen in der Schulstube heranbringen können und so die richtigen Menschen zu uns bringen, die uns die Lehrer empfehlen, kann man das nicht in Geld ausdrücken.»

Lehrabbrecher: Teure Fehlinvestition

Die Investition auf Lehrer-Ebene lohnt sich auch, weil die vierjährige Ausbildung von Lehrlingen mit durchschnittlich rund 100‘000 Franken Bruttokosten für die Firmen sehr teuer ist. Geeignete Lehrlinge, die nicht zu Lehrabbrechern werden, sind für Bühler Gold wert. Zudem stehen auch jedes Jahr 80 bis 90 Pensionierungen an, und die Lehrabgänger sollen, wenn möglich, im Betrieb bleiben.

Bruno Bollhalder, Lehrgangsleiter Vorlehre am Berufszentrum St. Gallen, erlebte in Uzwil den Alltag der Polymechaniker, Anlagebauer, Konstrukteure und Automatiker. Für Bühler war er der siebte «Schnupperlehrer».

Andreas Bischof

Bildlegende: Bühler-Lehrlingschef Andreas Bischof will die besten Schüler für den Betrieb und betreut die neue Massnahme. SRF

Erst seit der Schnupperlehre kann der Lehrer die Arbeit in diesen Berufen fassbar erklären. Er beobachtet, dass seine Schüler nur ein paar der über 200 Berufe wirklich kennen. Bevor er die Schnupperlehre bei Bühler absolviert hatte, erklärte er den Schülern die Berufe und den Berufsalltag mithilfe von Unterlagen aus dem Internet.

Heute kann er aus eigener Erfahrung vom Lehrlingsalltag berichten. Bruno Bollhalder betont nach seinem Einblick bei Bühler: «Nur das Schnuppern alleine gibt einen guten Einblick in einen Beruf.» Gleichzeitig könne auch der Betrieb den Schüler kennenlernen.

Für den Lehrlingschef von Bühler, Andreas Bischof, sind die Erfahrungen, die er mit den Anwärtern beim Schnuppen macht, viel entscheidender als Noten oder Bewerbungsschreiben.

Ausbildungskosten

Gemäss den neusten verfügbaren Zahlen von 2003 belaufen sich für einen Ausbildungsbetrieb die Bruttokosten pro Lehrling und Jahr auf 26‘052 Franken, diese stehen produktiven Leistungen der Lehrlinge von 28‘144 Franken gegenüber, das macht einen Nettonutzen von 2093 Franken.

Allerdings ist zu bedenken, dass der Nettonutzen bei aufwendigen Lehren wie dem Polymechaniker nach vier Jahren bei minus 22‘000 Franken liegt, bei einem Elektromonteur dagegen bei plus 55‘000 Franken.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Bühler: Raus aus dem Klassenzimmer, rein in die Realwirtschaft

    Aus ECO vom 18.4.2016

    Das Industrieunternehmen Bühler in Uzwil geht neue Wege, um geeignete Lehrlinge zu finden. Das Unternehmen bietet Lehrern eine dreiwöchige Schnupperlehre an. Die Lehrer sollen so mehr über den Berufseinstieg erfahren und ihre Schüler besser beraten. Bühler erhofft sich davon besser qualifizierte Lehrlinge.

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