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Wirtschaft Schweizer Arbeitsmarkt aufnahmefähiger als erwartet

Der freie Personenverkehr mit der EU hat die Schweiz verändert: Mehr Wachstum, mehr Vielfalt, mehr Konkurrenz. Heute hat das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco eine Zwischenbilanz gezogen – eine positive. Doch es gibt auch Grautöne.

Die Wirtschaft profitiere vom freien Personenverkehr. Die Einwanderer würden die Einheimischen ergänzen am Arbeitsplatz, und nicht etwa verdrängen. Das ist das Fazit des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco.

Peter Gasser, Leiter Personenfreizügigkeit im Seco, spricht von einer Win-Win-Situation: «Sie hat uns wirtschaftlich weiter gebracht. Sie hat auch neue Stellen geschaffen. In diesem Sinn ist die Freizügigkeit ein Gewinngeschäft.»

Ein Geschäft in Bewegung, denn seit zwei Jahren ändert sich das Gesicht der Zuwanderung. Immer mehr Osteuropäer, Griechen, Italiener, Spanier und Portugiesen zieht es in die Schweiz. Letztes Jahr wanderten zum Beispiel erstmals mehr Portugiesen als Deutsche ein.

Branchenspezifische Arbeitslosigkeit

Süd- und Osteuropäer arbeiten häufig auf dem Bau oder im Gastgewerbe. Diese Jobs seien eher unsicher, sagt Peter Gasser: «Es ist so, dass diese Leute in Branchen zuwandern, wo das Arbeitslosigkeitsrisiko höher ist. Sie werden aber auch gebraucht und sind so einem erhöhten Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt.»

Die Arbeitslosenquoten sind bei Süd- und Osteuropäern denn auch höher als bei den übrigen EU-Einwanderern. Insgesamt zahlen Zuwanderer aus dem EU-Raum etwa gleich viel Geld in die Arbeitslosenkasse ein, wie sie auch wieder beziehen. Portugiesen und Osteuropäer aber beziehen mehr Arbeitslosengeld, als sie Beiträge einzahlen.

Missbrauch im grossen Stil gibt es laut Seco aber nicht. «Wir schauen sicher genau, was bei den Einwanderern aus Südeuropa passiert; ob diese versuchen, die Sozialversicherungswerke auszunutzen. Wenn es dann nötig wäre, würden wir entsprechende Massnahmen ergreifen», sagt Gasser.

Forderung nach Mindestlöhnen

Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund SGB befürchtet, dass Schweizer Chefs die neue Situation ausnützen und bei den Süd- und Osteuropäern die Löhne drücken könnten. «Wenn es keine Gesamtarbeitsverträge mit Mindestlöhnen gibt, dann können die Arbeitgeber die Leute aus Spanien und Polen zu den Löhnen beschäftigen, die sie wollen. Darum braucht es Gesamtarbeitsverträge mit Mindestlöhnen.»

Einen Druck auf die Löhne gebe es kaum, sagt hingegen das Seco. Studien würden zeigen, dass ohne Zuwanderung die Löhne nur minim stärker gestiegen wären. Am ehesten betroffen von Lohndruck seien besonders schlecht ausgebildete Menschen, aber auch Menschen mit besonders guter Bildung und 10, 15 Jahren Berufserfahrung: Sie sind besonders harter Konkurrenz durch Einwanderer ausgesetzt – das drückt auf die Löhne.

(eglc;basn)

Seco-Bericht zur Freizügigkeit

Das Freizügigkeitsabkommen hat in den letzten elf Jahren massgeblich zum Schweizer Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum beigetragen. 2012 wanderten 73'000 Ausländer mehr in die Schweiz ein, als im gleichen Jahr auswanderten. Knapp drei Viertel davon waren Staatsangehörige aus dem EU/Efta-Raum und mehrheitlich hochqualifiziert.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Klar, Aufnahmefähiger für günstige Ausländer und Grenzgänger. Wir Schweizer suchen nach wie vor einen gerecht bezahlten Job. Wir müssen ja hier leben und dreimal so viel zahlen wie ein deutscher oder französischer Grenzgänger. Was wir wirklich brauchen sind verbindliche Mindestlöhne, einen Streikschutz, einen Arbeiterschutz (auch für Behinderte) und vor allem Politiker die uns genau so stark vertreten wie die Wirtschaft.
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  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Haha Herr Vogt. Gehen sie mal mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt, dann sehen und hören sie das Problem selbst. Die Ausländer ergänzen die Einheimischen am Arbeitsplatz. So ein schwachsinn. Gehen sie mal in einen LIDL, da wird ja nur noch Hochdeutsch gesprochen. Und sind das die hochqualifizierten Arbeitskräfte? Nein sicher nicht. Dafür hat es für jede dieser Hochdeutschsprechenden eine schweizer Arbeitslose. Und wer glaubt, dass diese Hochdeutschen nicht billiger arbeiten, glaubt ans .
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  • Kommentar von Bruno Vogt, Zürich
    Ich weiss ja nicht was hier alle haben. Klar sollte man offizielle Meldungen immer kritisch hinterfragen. Aber auf was genau basieren sie Frau Mettler denn ihre Aussagen, haben sie selber Lohnstudien in den einzelnen Landesteilen vorgenommen? Ich sage nicht man müsse all die Meldungen des Seco für bare Münze nehmen. Aber wenn man eine Studie wieder legen will, dann sollte man eine andere haben um diese zu wieder legen. Zur Zeit wird mir hier zu sehr nach Bauchgefühl geschimpft.
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