Zum Inhalt springen

Wirtschaft Schweizer Banken liefern den USA weitere Daten

Einige Geldhäuser dürfen weitere Daten an die Amerikaner liefern. Aber ein ganz wichtiger Schritt fehlt noch: Die Einigung mit den USA auf das Programm, das zur Bewältigung des Steuerstreits dringend nötig ist.

Blick auf den Paradeplatz in Zürich.
Legende: Gegen sie laufen schon Ermittlungen der USA: Die Grossbanken Credit Suisse und UBS am Zürcher Paradeplatz. Keystone

Die Amerikaner wollen die Abschleicherlisten unbedingt. Anhand dieser kann die US-Justiz herausfinden, zu welchen Banken US-Steuerpflichtige mit unversteuerten Geldern abgeschlichen sind.

Bei der Credit Suisse (CS) arbeitet die Rechtsabteilung derzeit auf Hochtouren an der Abschleicherliste der Grossbank. Ihr Chef Brady Dougan sagt: Es sei hilfreich für die CS, dass sie nun die verlangten Listen für die Amerikaner vorbereiten könne.

Die CS gehört zu den Banken, die bereits in direktem Kontakt mit den US-Behörden stehen. Denn gegen das Dutzend Geldhäuser laufen schon konkrete Untersuchungen.

«Wahl zwischen Pest und Cholera»

In einer mindestens so kniffligen Lage stecken all die Schweizer Banken, die immer noch darauf warten, dass die USA überhaupt direkt mit ihnen über die Bereinigung des Steuerstreits sprechen.

Wie viele Banken das sind, ist unklar. Man spricht von bis zu 100 Instituten. Doch so genau kann das niemand sagen. Denn welche Banken zusätzlich ins Visier der Amerikaner geraten, hängt nicht zuletzt vom Inhalt der Abschleicherlisten ab.

Alle Banken, die auf einer Liste auftauchen, seien in der Klemme. Das sagt Thomas Werlen, Partner der US-Anwaltskanzlei Quinn Emanuel, die hiesige Banken im Steuerstreit berät. «Sie haben letztlich die Wahl zwischen Pest und Cholera», sagt Werlen. Entweder könnten die Banken zustimmen, dass ihr Name mitgeteilt werde – oder sie klagten dagegen.

Schweiz auf Goodwill angewiesen

Anwalt Werlen rät den betroffenen Instituten allerdings davon ab, sich gegen die Weitergabe ihres Namens zu wehren. Denn: Wer sich wehrt, macht sich bei der US-Justiz verdächtig.

Gefordert ist nun der Bund. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen muss noch mit den USA aushandeln, wie das Gros der Schweizer Banken in der Auseinandersetzung weiterkommt. Mediensprecher Mario Tuor sagt: «Sobald eine Vereinbarung vorliegt, würden die US-Behörden ein Programm aufschalten. Dieses erlaubt eine Bereinigung der Vergangenheit für all die Banken, die nicht in direkten Verhandlungen mit den USA sind.»

Die Schweiz ist nun also – einmal mehr – auf den Goodwill der US-Behörden angewiesen. Auch wenn es wieder Bewegung gibt im Steuerstreit. Von einer echten Lösung ist man noch weit entfernt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von K.D.Waldeck, Belinzona
    Die Namen der willfähigen Banken werden mit Sicherheit auf schwarzen Listen von Finanzberatern auftauchen, welche so in Zukunft ihren Kunden von einer Zusammenarbeit mit diesen Instituten ( ohne Rückgrat ) abraten werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von S. Sugao, Therwil
    Und einmal mehr laesst sich die Schweiz unter druck setzen... Doch moment, die ganze Schweiz? Nein, ein kleines Gallisches Doft, moment, falscher Comic. Was ich sagen moechte, ein kleiner Bundesrat welcher sich von den USA und EU unterdruck setzen laesst, bestaeht leider, und faellt in die Knie wenn die sogenannten grossen kommen. Es ist echt nicht zum mit ansehen, was unsere Volksvertretter da sich leisten...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J. Prochazka, Solothurn
      Lieber Herr oder Frau Sugao, möglicherweise haben Sie den Grund der ganzen Debatte von den Augen verloren: es geht darum, dass US-Amerikanische Steuerhinterzieher vors Gericht gestellt werden. Wenn Sie in der Schweiz Ihre Steuern kürzen oder hinterziehen, halten Sie das für gut und richtig? Sollen nun die betroffenen Banken auch weiter schwindeln, oder sollen sie endlich ehrlich handeln? Und das nennen Sie dann wohl "Kniefall"?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen