Schweizer Bergbahnen sparen dank Einkaufsgemeinschaft

Die Besucherzahlen in den Schweizer Wintersportgebieten nehmen wieder zu. Dennoch bleibt die Situation für manche Orte angespannt. Um Kosten zu sparen, haben letztes Jahr zahlreiche Bergbahnen eine Einkaufsgemeinschaft gegründet – mit Erfolg, wie «ECO» zeigt. Der Druck auf die Lieferanten steigt.

Bergbahn in Schweizer Winterlandschaft bei prächtigem Sonnenschein.

Bildlegende: Damit für Schweizer Bergbahnen die Sonne scheint, braucht es nicht nur Wetterglück, sondern auch Verhandlungsgeschick. Colourbox

Schon vor Jahrzehnten haben sich die Bergbahnen Österreichs zu einer Einkaufsgemeinschaft zusammengeschlossen, um dank gemeinsamer Anschaffungen Mengenrabatte zu erzielen und so Kosten zu sparen. 2012 zogen Schweizer Anbieter mit einem eigenen Bündnis nach.

Der Schritt drängte sich auf. Die Branche kämpfte damals mit rückläufigen Besucherzahlen. Zudem haben viele Bergbahnen Investitionsbedarf und hohe laufende Kosten. Skianlagen zu unterhalten oder den Maschinenpark zu erneuern, ist nicht günstig. Die Gebiete sahen sich zum Handeln gezwungen.

Pistenfahrzeuge werden günstiger

Im Laufe der ersten Saison wurden 47 Bergbahnen Mitglied der Einkaufsgemeinschaft «Pool-Alpin» – praktisch alle in der Deutsch- und der rätoromanischen Schweiz. Diese Bündelung der Kräfte setzte die Lieferanten offenbar schnell unter Druck. Pool-Alpin konnte in mehreren Bereichen tiefere Preise aushandeln, wie Berno Stoffel gegenüber «ECO» sagt.

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Berno Stoffel zur Einkaufsgemeinschaft

1:24 min, vom 6.12.2013

Der stellvertretende Obmann der Einkaufsgemeinschaft hält fest, dass zum Beispiel Pistenfahrzeuge um mindestens 10 Prozent günstiger geworden seien im Vergleich zum Vorjahr. Bei rund 400'000 Franken, die hiesige Bergbahnen pro Fahrzeug entrichten müssten, sei man aber immer noch «weit weg» von den tieferen Preisen, welche die Mitbewerber in den europäischen Nachbarländern zu zahlen hätten. Stoffel kündigt deshalb Nachverhandlungen an.

Vergleich mit Österreich

Aufs europäische Niveau gesenkt haben sich dagegen gemäss Stoffel die Konditionen mit Skidata, dem führenden Anbieter von Ticketsystemen. «Wir haben Preise, welche dieselben sind wie in Österreich. Da haben wir einen schönen Schritt machen können», freut sich das Vorstandsmitglied von Pool-Alpin.

Diese Vergleichbarkeit der Preise ist neu. Sie entstand erst, seitdem sich die Bergbahnen in Österreich und der Schweiz über ihre Einkaufsgemeinschaften miteinander austauschen. Nun herrscht Preistransparenz in der Branche.

Der Zusammenschluss zu Pool-Alpin macht sich für die Bergbahnen also bezahlt. Am markantesten sind die Einsparungen bei Verbrauchsmaterialien. Sicherheitsnetze etwa seien mittlerweile «50 Prozent günstiger», so Stoffel.

Expansion in die Westschweiz

Als Nächstes strebt die Einkaufsgemeinschaft Preisreduktionen bei Schneekanonen an. Und für Januar sind erste Gespräche mit den Westschweizer Bergbahnen geplant. Pool-Alpin will in die Romandie expandieren, um den Druck auf Lieferanten weiter zu erhöhen.

Stoffel ist sich allerdings bewusst, dass sich «die Preise irgendwann einpendeln» werden. Doch bevor es soweit sei, werde der Markt noch mehr in Bewegung geraten, glaubt er. Sein Fazit nach der ersten Saison fällt daher positiv aus – genauso wie seine Prognose für die aktuelle Saison.

Tatsächlich: Im Vergleich zum letztjährigen Winter nehmen die gebuchten Übernachtungen hierzulande wieder zu. Schweizer Destinationen gewinnen an Attraktivität.

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