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Wirtschaft Schweizer Binnenschifffahrt in Schieflage

Die Schweizer Schifffahrt ist beliebt: rund 12 Millionen Passagiere werden jedes Jahr befördert. Doch die Schifffahrtsgesellschaften stehen vor stürmischen Zeiten. Bei vielen übernimmt die öffentliche Hand einen Teil der Rechnung. Diese dreht nun vielerorts den Geldhahn zu.

Legende: Video Verbandspräsident Stefan Schulthess zur Schweizer Binnenschifffahrt abspielen. Laufzeit 3:16 Minuten.
Vom 17.05.2016.

Der schöne Sommer hat den Schweizerischen Schifffahrtsunternehmen letztes Jahr ein strahlendes Resultat beschert. 2015 stieg die Anzahl der Passagiere auf Schweizer Seen und Flüssen um 2,5 Prozent auf 12,3 Millionen. Das zeigen die neusten Zahlen des Verbands Schweizerischer Schifffahrtsunternehmen, die der Tagesschau vorliegen.

Auf den ersten Blick klingt das nach einem soliden Wachstum. Doch der Schein trügt: Angesichts des aussergewöhnlich schönen Sommers erhofften sich viele Schifffahrtsgesellschaften höhere Passagierzahlen. Denn viele von ihnen stehen seit Jahren unter finanziellem Druck und kommen nur dank staatlichen Zuschüssen über die Runden.

Kantone müssen sparen

Das bestätigt auch Stefan Schulthess, Präsident des Verbands Schweizerischer Schifffahrtsunternehmen: «Die Situation der Branche ist derzeit relativ schwierig. Die meisten Schifffahrtgesellschaften verzeichnen schon seit über fünf Jahren kein Wachstum mehr». Jetzt ziehen weitere dunkle Wolken auf: Viele Kantone müssen sparen und drehen den Subventionshahn zu.

Beispiel Zug: Im Rahmen eines kantonalen Sparprogramms wird der Kostendeckungsgrad der Schifffahrt ab 2018 von 60 auf 70 Prozent erhöht. Das bedeutet, dass die Schifffahrtsunternehmen auf dem Zuger- und dem Ägerisee rund 25 Prozent weniger Kantonsbeiträge erhalten. Ein Entscheid der schmerze, sagt Peter Hodel, Verwaltungsrat der Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee AG (SGZ): «Wir müssen jetzt echt über die Bücher. Zur Diskussion stehen tiefgreifende Massnahmen, wie etwa der Verkauf eines unserer Schiffe.»

Auch andere Kantone wollen bei der Schifffahrt sparen. Im April beschloss der Zürcher Regierungsrat die Einführung eines «Seezuschlags». Ab 2017 müssen Passagiere für die Fahrt mit einem Schiff der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZGS) ein Zuschlag von 5 Franken berappen. Auch die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG (URh) und hat dazu einen externen «Sanierer» an Bord geholt.

Hoffnung Wetter

Bei allem Pessimismus – es gibt auch Ausnahmen in der Schweizer Schifffahrt. Die Schifffahrtgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) etwa baut derzeit die MS 2017 – eine 15 Millionen Franken schwere Luxusyacht mit Wasserfall, drehenden Sitz-Lounges und Unterwasserfenstern.

«Solche Innovationen sind matchentscheidend», betont Stefan Schulthess, der auch Direktor der SGV ist. Die SGV kann sie sich leisten – denn 2015 war ein Rekordjahr. Dazu beigetragen haben vor allem das schönen Wetter und die Gäste aus China und Indien, die zahlreich in den Touristen-Hotspot Luzern pilgerten.

Doch von solchen Standortvorteilen können die meisten Schweizer Schifffahrtsgesellschaften nicht profitieren. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auf einen weiteren guten Sommer zu hoffen. Denn die Schifffahrt ist ein wetterabhängiges Geschäft.

1 Kommentar

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Auch hier wollte man immer höher hinaus! Immer protzigere Schiffe und auch immer mehr Schiffe. Es ist gut, dass der Geldhahn der Öffentlichkeit zugedreht wird. Denn nur wenn hier abgebaut wird, kann die Schifffahrt wieder zu einem Erlebnis auf dem See gemacht werden. Weniger, kleiner, romantischer, langsamer und dafür echter wird der einzige Weg zum Erfolg sein. Auch hier brauchen wir keine "Wirtschaftsturbos".
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