Schweizer Chancen auf iranischen Märkten

Die vorläufige Einigung im Streit um das iranische Atomprogramm ist eine gute Nachricht für die Schweizer Exportwirtschaft: Diese hofft nun auf ein baldiges Ende der Wirtschaftssanktionen und auf neue Geschäfte mit dem Iran. Doch vor Euphorie wird gewarnt.

Iranerin schauen in ein Schaufenster mit Schmuck im Norden Teherans. (reuters)

Bildlegende: Das iranische Volk gilt als sehr qualitätsbewusst. Doch Produkte aus Europa können sich nur die wenigsten leisten. Reuters

Politischer und wirtschaftlicher Druck machten die Einigung von Lausanne möglich. Jan Atteslander vom Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse sagt über die Wirtschafts-Sanktionen: «Der Iran hat wirtschaftlich stark gelitten. Die Sanktionen wurden weitgehend befolgt. Der Iran war dadurch von den wichtigsten Wirtschaftspartnern abgeschnitten.»

Warnung vor übertriebenen Hoffnungen

Nun gebe es aber die Chance, die wirtschaftliche und politische Isolation Irans zu durchbrechen. Und dies wiederum dürfte auch schweizerischen Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen: «Es ist sicher so, dass der Iran nach vielen Jahren der Sanktionen einen grossen Nachholbedarf aufweist. Besonders in der Industrie, bei den Infrastrukturen und bei den Finanzdienstleistern.»

Der Aussenwirtschaftsexperte von Economiesuisse warnt aber vor zu grossen Hoffnungen. Selbstverständlich könne man, wenn die Finanzsanktionen gegenüber dem Iran aufgehalten würden, schon relativ bald wieder gewisse Geschäfte machen. «Aber das Volumen wird zumindest in der Startphase nicht sehr gross sein. Das dauert in der Regel eine Weile, bis sich hier alles wieder normalisiert hat.»

Kaufkraft vieler Menschen noch niedrig

Als Beispiel nennt Atteslander den Markt für Konsumgüter: Der sei mit 80 Millionen Menschen zwar riesig. Doch die Kaufkraft der meisten Menschen sei noch tief: «Das iranische Volk gilt als sehr qualitätsbewusst. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis sich breitere Massen auch wieder ausländische Produkte aus Europa leisten können.»

Die oberen Zehntausend hingegen, die hätten ihre Luxusgüter auch bisher schon aus dem Ausland beschaffen können. Einen Konsumboom erwartet der Experte deshalb in absehbarer Zeit nicht.

In Position bringen

Vorsichtig bleibt er auch beim Thema Öl und Gas: Iran mit den weltweit zweitgrössten Erdgasreserven und grossen Ölvorkommen könne nicht von heute auf morgen wieder in grossem Umfang auf dem Weltmarkt auftreten: «Das ist noch sehr früh zu sagen. Hier werden sich sicher mittelfristig, wenn die Anlagen denn wieder auf Vordermann sind, höhere Volumina ergeben.»

Vorerst also auch noch kein grosses Geschäft für die vielen in der Schweiz ansässigen Rohstoff- und Ölhandelsunternehmen. Dennoch sei es wichtig, dass sich die Unternehmen nun wieder in Position brächten, meint Jan Atteslander, um für den Aufschwung im Iran bereit zu sein.