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Wirtschaft Schweizer Handel mit Saudi-Arabien: Klein aber immer bedeutender

Die Welt empört sich wegen der Hinrichtungen zu Jahresbeginn in Saudi-Arabien. Doch das Land ist für den Westen ein attraktiver Geschäftspartner – auch für die Schweiz.

Der saudi-arabische diplomatische Geschäftsträger wurde am Montag ins Aussendepartement in Bern zitiert. Er musste sich dabei den Protest der Schweizer Diplomaten aufgrund der jüngsten Hinrichtungswelle im Golf-Königreich anhören.

Neben der grundsätzlichen Ablehnung der Todesstrafe macht sich die Schweizer Aussenpolitik auch Sorgen, dass dadurch die Spannungen in der Krisenregion Nahost weiter zunehmen.

Doch trotz aller Kritik bleibt Saudi-Arabien ein wirtschaftlich interessantes Land für die Schweiz. So hat die Schweiz im Jahr 2014 Güter im Wert von mehr als viereinhalb Milliarden Franken nach Saudi-Arabien exportiert. Die Schweiz liefert ins Königreich vor allem Gold, Uhren, Schmuck, Pharmaprodukte und Maschinen.

Weniger als 2 Prozent aller Schweizer Exporte

Jan Atteslander, der bei Economiesuisse den Bereich «Aussenwirtschaft» leitet, zeichnet ein differenziertes Bild, wie gross die wirtschaftliche Bedeutung von Saudi-Arabien für die Schweiz ist. Es sei mit Abstand die grösste Volkswirtschaft in der arabischen Welt. «In dieser Region ist es für die Schweiz der zweitwichtigste Exportmarkt. Insgesamt macht es aber einen geringen Anteil an den Exporten aus, je nach dem 1,5 bis 1,7 Prozent pro Jahr.»

Ausserdem importiert die Schweiz relativ wenig aus Saudi-Arabien. Vorletztes Jahr waren es Güter im Wert von weniger als 170 Millionen Franken.

Ökonomen sehen Zukunftsmarkt

Trotz dieser Relativierungen habe die Schweizer Wirtschaft ein Interesse an Saudi-Arabien, betont Atteslander; auch und gerade mit Blick in die Zukunft. In den letzten Jahren habe das Exportwachstum nach Saudi-Arabien pro Jahr acht bis neun Prozent betragen, sagt er. «Das sind gute Zahlen.»

Andere Regionen der Welt entwickelten sich nicht so gut. Daher sei das Königreich am Golf schon ein wichtiges Land.

Doch in letzter Zeit leidet Saudi-Arabien unter dem niedrigen Öl-Preis, der Staatshaushalt ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach Atteslanders Einschätzung könnte aber gerade dies eine Chance sein; dann nämlich, wenn Saudi-Arabien wie angekündigt wirtschaftliche Reformen und Privatisierungen durchführt.

Und die Menschenrechte?

Sorgen machen dem Economiesuisse-Ökonomen vor allem die vielen politischen Konflikte in der Region. Umso wichtiger seien jetzt wirtschaftliche Perspektiven für den Nahen Osten, so Atteslander. Deshalb soll die Zusammenarbeit in diesem Bereich auch weitergehen.

Ein Bereich der Schweizer Exporte ist besonders umstritten: die Rüstung. Zwar hat der Bundesrat Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien schon vor mehr als sechs Jahren verboten. Aber auf der Basis von bereits abgeschlossenen Verträgen dürfen Schweizer Firmen weiterhin Ersatzteile und Munition ins Land liefern. Menschenrechtler und Friedensaktivisten haben das bereits wiederholt kritisiert.

11 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Jetzt wird die Schweiz und EU immer mehr zur "H..." und zum "Hampelmann" solcher Länder. Hier wurde bereits so viel Geld von Grosskonzernen und Privaten investiert, dass sich leider wahrscheinlich kein Politiker oder Unternehmer zur Wahrheit bekennen wird. Die Welt sollte aber neu erfunden werden, und nur noch auf menschliche Beziehungen aufgebaut werden. Diese Beziehungen würden halt zu den einen etwas besser sein und zu den andern etwas schlechter. Es lebe die Kunst der wahren Aussenpolitik
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Und da gibt es Menschen die sich wegen den Striptaenzerinnen in den CH "Cabarets" mokieren... dabei treiben wir Handelmit "Mordbuben"... mit Dktaturen schlimmsten Grades, aber eben unehrliches Geld stinkt nicht!, aber ehrliche Liebesdienerinnen schon... soo verquwer ist unsere Welt!
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  • Kommentar von D Koenig (D koenig)
    Die Reaktionen und Politik des Mittleren Ostens sind von der eigens gemachten Glaubensausrichtung des Islams gepraegt waerend die Reaktionen des Westens von der Abhaengigkeit des Oels und billiger Energie gepraegt sind. Die USA wissen dass falls ihr Dollar nicht mehr als Hauptwaehrung fuer den Oelhandel akzeptiert wuerde waere es das Ende der US Waehrung und des virtuellen Traumes seines Wertes.
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