Der Heimmarkt ist zu klein Schweizer Milch- und Fleischverarbeiter wachsen stark im Ausland

Frankenschock und Preisdruck zum Trotz: Emmi, Bell und Hochdorf konnten im vergangenen Geschäftsjahr ihre Umsätze und Gewinne deutlich steigern. Vor allem Firmenzukäufe und das boomende Geschäft im Ausland haben das Wachstum dieser Schweizer Firmen angekurbelt.

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Wachstum gibt's nur im Ausland

1:03 min, vom 22.3.2017

Obwohl es auf dem Heimmarkt Schweiz nicht so gut lief, zeigt sich Emmi-Chef Urs Riedener zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr. Denn umso beliebter waren die Emmi-Produkte, wie der Caffè Latte oder der Kaltbach-Käse, im Ausland.

Im Bereich «Americas» legten die Erlöse um 8,5 Prozent zu. Dabei profitierte Emmi auch von Firmenkäufen im Ausland. In den letzten zwei Jahren gab es fünf Übernahmen von Nischenanbietern in Kanada, USA, Chile und in den Niederlanden. Insgesamt erzielte Emmi im letzten Jahr fast die Hälfte seines Umsatzes im Ausland, 87 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Auslandanteil am Umsatz

«Ausland wird an Bedeutung zunehmen»

Wie Emmi konnte auch Hochdorf im Ausland enorm wachsen. Während der Milchpulverhersteller vor zehn Jahren noch etwa einen Fünftel seines Umsatzes im Ausland erzielte, sind es heute über 60 Prozent. Erst im vergangenen Oktober hat Hochdorf ausserdem den Kaufvertrag von 51 Prozent an Pharmalys unterschrieben. Pharmalys vertreibt Babynahrung, primär in Afrika und im Nahen Osten.

Auslandumsatz von Schweizer Milch- und Fleischverarbeitern

Auch Lorenz Wyss, CEO des Fleischverarbeiters Bell, setzt auf Wachstum ausserhalb der Schweiz. «Der Schweizer Markt ist beschränkt. Wir machen bereits die Hälfte unseres Absatzes im Ausland, und dies wird noch an Bedeutung zunehmen», sagt er. Weiteres Wachstum sieht Wyss in Convenience-Produkten, also etwa Fertigmahlzeiten, im In- und Ausland. Aber auch im Bereich Seafood und Geflügel bestehe Wachstumspotenzial. «Im letzteren sind wir mit der Akquisition des österreichischen Geflügelspezialisten Huber sehr gut aufgestellt.»

Mit neuen Produkten zum Erfolg

Emmi möchte trotz des boomenden Geschäfts im Ausland auch in der Schweiz wieder wachsen. «Die Schweiz ist unser Heimmarkt. Wir tätigen hier nach wie vor etwa vier Fünftel unserer Investitionen», sagt CEO Urs Riedener.

Um auch im hiesigen Markt wieder auf Erfolgskurs zu kommen, will Emmi vor allem in bessere Infrastruktur investieren. Auch neue Produkte will das Unternehmen lancieren. Gerade für diesen Bereich räumt CEO Urs Riedener Fehler ein: «Wir bieten in der Schweiz ein breites Sortiment an, auch von austauschbaren Produkten. Wir mussten uns dem Preiskampf stellen und haben vielleicht hier das eine oder andere Produkt verloren.»

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Schweizer Milch für Syrien

    Aus 10vor10 vom 21.6.2016

    Syrien ist gezeichnet von über fünf Jahren Bürgerkrieg. Selten im Bewusstsein sind Bilder eines anderen Syriens – etwa aus Damaskus. Hier funktioniert der Markt, es wird gekauft und verdient. Und auch für Schweizer Firmen gibt es hier noch Absatzchancen. Etwa für den Milchverarbeiter Hochdorf, der Milchpulver exportiert.

  • Schweizer Pulver für asiatische Babys

    Aus ECO vom 6.10.2014

    Flüssige Milch exportiert die Schweiz praktisch keine ins Ausland. Ganz anders beim Schweizer Baby-Milchpulver: Dieses ist ein Export-Schlager, vor allem in Asien. Die Produkte der luzernischen Hochdorf-Gruppe finden dort reissenden Absatz. «ECO» zeigt, wie Hochdorf-Vertreter in Asien das weisse Pulver verkaufen – und blickt ins Archiv: Nestlé hatte sich früher mit Baby-Milchpulver die Finger verbrannt; die Wunden sind bis heute sichtbar und wirken sich auf die ganze Branche aus.