Pharmabranche unter Trump Schweizer Pharma-Multis haben keine Angst vor Trump

Die USA ist der mit Abstand wichtigste Markt für die Pharmaindustrie. Nun wird diese von US-Präsident Donald Trump unter Druck gesetzt. Unter anderem will er den Pharmafirmen bei der Preisgestaltung künftig genauer auf die Finger schauen. Der Roche-Chef macht sich deswegen aber keine Sorgen.

Video «Roche stark in den USA» abspielen

Roche stark in den USA

2:05 min, aus Tagesschau vom 1.2.2017

Pharmafirmen seien «Mörder», sagte der US-Präsident Donald Trump an seiner ersten Pressekonferenz im Januar. Ihre Waffen: Die hohen Medikamentenpreise. Tatsächlich scheinen bei dem, was Pharmaunternehmen in den USA für ihre Medikamente verlangen, bislang keine Grenzen gesetzt. Das soll sich nun ändern. Nach dem gestrigen Treffen mit den Chefs führender Pharmafirmen verkündete Trump, dass er tiefere Medikamentenpreise wolle.

Neue Preismodelle gefragt

Die USA sind der grösste und lukrativste Medikamentenmarkt der Welt. Der Basler Pharmakonzern Roche erzielte 2016 dort 42 Prozent des Umsatzes. Trotzdem bereiten Trumps Forderungen Roche-Chef Severin Schwan keine Sorgen. «Der Preis muss den Wert reflektieren, der das Medikament für den Patienten bringt. Gerade in den USA werden Innovationen honoriert und das wird auch in Zukunft so sein», sagt Schwan.

Dennoch muss in der Pharmabranche wohl ein Umdenken stattfinden, was die Preisgestaltung anbelangt. Neue Ansätze sind gefragt. «Wir sind sehr offen für innovative Preismodelle, bei welchen man den Nutzen stärker an den Preis koppelt», sagt Schwan. Ein Beispiel dafür könnte das sogenannte «outcome-based-pricing» sein. Bei diesem Modell zahlen die Krankenkassen nur so viel für ein Medikament, wie es auch wirklich nützt. Je schneller ein Patient das Spital verlassen kann, umso höher dürfte der Preis des Medikamentes sein. So zumindest die Vorstellung der Pharmafirmen.

«America first» auch bei den Pharmafirmen

Tiefere Medikamentenpreise allein reichen dem US-Präsidenten aber nicht. Donald Trump verlangt, wie zuvor von der Automobilindustrie, auch von Pharmaunternehmen mehr Produktion im Inland und droht mit Importzöllen. Auch diesbezüglich gibt sich Severin Schwan selbstsicher: «Wir haben in den USA in den letzten Jahren sehr stark investiert und sind aus industriepolitischer Sicht sehr gut aufgestellt.» Zudem habe Roche in den USA erst gerade die weltweit grösste Biotechnologie-Fabrik eröffnet. Und Novartis erklärt, der Konzern betreibe 13 Produktionsstätten vor Ort.

Schweizer Pharmakonzerne in den USA Ein gutes Viertel der Mitarbeitenden beschäftigt Roche in den USA. Bei Novartis ist es fast ein Fünftel. Von den Forschern arbeiten bei Roche gar 34 Prozent in den USA, bei Novartis sind es 28 Prozent. In der Schweiz sind deutlich weniger Forscher angestellt.

Tatsächlich beschäftigte Roche 2016 ein gutes Viertel seiner Angestellten in den USA. Von den Roche-Forschern arbeitet sogar über ein Drittel in den Vereinigten Staaten. Dort ebenfalls sehr präsent, wenn auch nicht ganz so stark, ist die Basler Rivalin Novartis: Rund ein Fünftel der Angestellten und über ein Viertel der Forscher arbeiten in den USA. Für die Schweizer Pharmagiganten dürften Donald Trumps Ansprüche also nicht schwer zu erfüllen sein.