Käse-Export stagniert Schweizer Qualität soll den Käse retten

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Exporte aus der Schweiz sind insgesamt auf einem Höchststand.
  • Doch ein traditionelles Exportgut kommt immer stärker unter Druck: Der Käse.
  • Ein Grund dafür ist der vergleichsweise hohe Preis.
  • Immerhin: Das gute Qualitätsimage des Schweizer Käses lässt auf Besserung hoffen.

Die Schweiz hat auch im ersten Halbjahr 2017 mehr Käse exportiert als importiert: Rund 31'000 Tonnen ins Ausland verkauftem Käse stehen 30'500 Tonnen importierter Käse gegenüber. Doch während die Importe um rund 4,4 Prozent zulegten, stagnierten die Exporte.

Schweizer Käse unter Druck

Die Zahlen bestätigen einen Langzeittrend, denn der Schweizer Käse ist im liberalisierten internationalen Käsemarkt seit zehn Jahren unter Druck. «Die Schere zwischen Export und Import geht immer mehr zu», stellt Esther Gerster, Kommunikationschefin beim grössten Schweizer Milchverarbeiter Emmi, fest. Während der Export seit 2007 um knapp 20 Prozent zugenommen habe, sei der Import von Käse im gleichen Zeitraum um 56 Prozent gestiegen.

Verschiedene Käsestücke und -sorten in einem Verkaufsregal.

Bildlegende: Schweizer Käse ist teurer – das macht importierten Käse für den Konsumenten attraktiver. Reuters

Die Entwicklung hat vor allem mit dem Preis für den Käse zu tun. Während Schweizer Käse im internationalen Handel für gut 8.20 Franken pro Kilogramm verkauft wird, kommt ausländischer Käse für knapp 6 Franken in den Schweizer Markt. Diese Preisdifferenz sei grundsätzlich nicht zu überwinden, bestätigt auch Manuela Sonderegger von Swiss Cheese Marketing, der Schweizer Marketingorganisation für Käse.

Der höhere Preis für Schweizer Käse hänge vor allem damit zusammen, dass es hierzulande keine Käse-Industriebetriebe gebe. «Wir haben 600 kleine Dorfkäsereien, die Spezialitäten wie Gruyère oder Emmentaler verarbeiten», betont Sonderegger.

Umkämpfter internationaler Markt

Die teuren Sortenkäse wie Emmentaler und Appenzeller sind das eine. Doch selbst Frischkäse aus der Schweiz wie Mozzarella, Ricotta, Quark und Hüttenkäse haben es schwer gegenüber der ausländischen Billigkonkurrenz. Trotzdem gibt sich der grösste Frischkäsehersteller der Schweiz, Christoph Züger im sanktgallischen Oberbüren, kämpferisch: «Mehr als die Hälfte des von uns produzierten Käses geht in den Export.»

Mit einer Werbe-Offensive im Ausland begegnet Emmi dem billigen Importkäse. Gerade in den USA steige die Nachfrage nach Schweizer Qualität, heisst es vom Milchverarbeiter. Emmi hofft angesichts der ernüchternden Zahlen des ersten Halbjahres nun auf die zweiten sechs Monate: «Im Ausland gönnt man sich Schweizer Käse oftmals zu speziellen Anlässen», weiss Emmi-Kommunikationschefin Gerster. Und Weihnachten sei eine solche spezielle Gelegenheit.

Auch Milchproduzenten unter Druck

Auch Frischkäse-Hersteller Züger hofft, dass bis dahin die Exporte gegenüber den Importen wieder aufholen. Denn sonst müsste sein Unternehmen die Käseproduktion zurückfahren. Darunter würde die Effizienz leiden, seine Käserei-Produkte würden also eher teurer. Und: «Auch für die Milchproduzenten, die Schweizer Bauern, wäre das tragisch. Denn dann müsste die Milchmenge reduziert werden», fürchtet Züger. Der (Preis-)Druck auf die sowieso schon arg gebeutelten Milchbauern würde also nochmals zunehmen.