Schweizer shoppen gern fremd

Letztes Jahr haben Schweizer Konsumenten für rund zehn Milliarden Franken im Ausland eingekauft. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Dem Schweizer Detailhandel entgeht so viel Geld. Und auch die Umwelt leidet darunter.

Zöllner kontrolliert Einkaufstaschen im Kofferraum eines silbergrauen Kombis.

Bildlegende: Auslandshopping als Event: 100 Kilometer gefahren, drei Einkaufstaschen als Ausbeute. Keystone

Die Schnäppchenjäger sind wieder unterwegs: Sie fahren immer weiter, um von tieferen Preisen im benachbarten Ausland zu profitieren. Jeder fünfte Einkaufstourist fuhr 2013 mehr als 100 Kilometer hin und 100 Kilometer zurück.

Einkaufsausflüge oft aus reinem Zeitvertreib

Das hat Thomas Hochreutener festgestellt. Er ist Detailhandelsspezialist und Autor einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK. Ob sich das lohnt? «In sehr vielen Fällen wahrscheinlich nicht. Aber das ist ja nur ein Faktor. Die Leute sehen das als Ausflug oder als Erlebnis an. Man macht das einfach», erklärt er gegenüber SRF.

Hinzu komme ein weiterer Aspekt: «Es gibt immer mehr Leute, auch ältere, die sagen sich: Ich habe Zeit, also gehe ich mal dahin und schaue.» Mehr als 1,1 Milliarden Autokilometer wurden im vergangenen Jahr fürs Auslandshopping absolviert.

Das sind 300 Millionen mehr als im Vorjahr. Dabei verlassen 215'000 Tonnen CO2 den Auspuff. Laut GfK entspricht das dem Ausstoss einer Stadt mit 35'000 Einwohnern.

Gewerbeverband fordert Vollkostenrechnung

Auch Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizer Gewerbeverbandes, hat deshalb den Eindruck, dass viele Einkaufstouristen nicht gut genug kalkulieren: «Wer wirklich eine Vollkostenrechnung macht und genau Rechenschaft ablegt über die Fahrt- und Umweltkosten und auch die Kosten für den Zeitverlust, der wird feststellen, dass es billiger ist, in der Schweiz einzukaufen.»

Der Gewerbeverband sähe es natürlich lieber, wenn dieses viele Geld in der Schweiz ausgegeben würde. «Wer nur auf den Preis schaut, der kann selbstverständlich Einsparungen erzielen», sagt Bigler.

Man dürfe aber nicht vergessen: «Gerade der Fachhandel in der Schweiz bietet vielfach hochqualitative Nischen, Serviceleistungen und Beratung an. Diese Leistungen gelten auch, wenn es einmal zu Reparaturen kommen sollte. Insofern lohnt es sich, in der Nähe einzukaufen.»

Preise in der Schweiz tiefer als auch schon

Hinzu komme, dass die Preisdifferenz zum Ausland kleiner geworden sei, ergänzt Valentin Schmidt von der IG Detailhandel Schweiz: «Die Schweizer Detailhändler sind bemüht, ihre Preise zu senken. Der Preisüberwacher hat schon bestätigt, dass die Detailhändler ihre Währungsgewinne im Zusammenhang mit dem starken Franken den Konsumenten weitergeben.» Weitere Bestrebungen seien im Gang, sagt der Sprecher der Organisation, die Migros, Coop, Manor und andere Detailhändler vertritt.

Mehr Interneteinkäufe

Schweizer Konsumenten haben letztes Jahr für rund zehn Milliarden Franken im Ausland eingekauft. Stark zugenommen haben auch die Einkäufe übers Internet, wie die GfK-Studie zeigt. Die eingekauften Waren lassen sich viele an spezielle Abholzentren im grenznahen Ausland liefern, um von tieferen Preisen zu profitieren.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Zollkontrolle im Kofferraum eines Schweizer Autos an der deutsch/französischen Grenze.

    Schnäppchenjagd im Ausland nimmt weiter zu

    Aus Echo der Zeit vom 21.2.2014

    Schweizer KonsumentInnen haben 2013 für rund zehn Milliarden Franken im Ausland eingekauft; das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Den Schweizer Grossverteilern und dem Fachhandel entgeht so viel Geld. Und die Schnäppchenjäger fahren immer weiter, um beim Einkauf ennet der Grenze zu sparen.

    Klaus Bonanomi