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Wirtschaft Schweizer Skigebiete gemeinsam auf Einkaufstour

Viele Skigebiete kämpfen ums Überleben. Denn die anfallenden Kosten sind riesig. Darum haben die Bergbahnen eine Einkaufsgemeinschaft gegründet, um ihre Macht zu bündeln – und so günstiger Material einzukaufen. Die Schweizer machen damit etwas, was die Österreicher längst praktizieren.

Skigebiet
Legende: Grächen (VS): Eine der 43 Bergbahnen, die sich der Einkaufsgemeinschaft angeschlossen haben. srf

Die Schweizer Skigebiete müssen nicht nur riesige Investitionen tätigen und hohe laufende Kosten decken. Gleichzeitig sind auch noch die Preise für Material, Gerät und Anlagen überteuert – sagen zumindest die Bergbahn-Unternehmen, welche die Skigebiete betreiben. Sie monieren, dass es auf der Lieferantenseite oft nur wenige Anbieter gebe, was zu hohen Preisen führe. Der Wettbewerb spiele kaum.

«Die Lieferanten bestimmen den Markt. Die Konsequenzen sind einfach: Wir müssen das zahlen, was der Lieferant vorgibt», sagt Yves Bugmann, Finanzchef der Bergbahnen Davos Klosters. Ein kleiner Handlungsspielraum sei zwar vorhanden für ein so grosses Skigebiet wie seines, «aber irgendwo sind wir limitiert», so Bugmann gegenüber «ECO».

Legende: Video Yves Bugmann, Davos Klosters, zur Macht der Produzenten abspielen. Laufzeit 0:26 Minuten.
Aus ECO vom 14.12.2012.

Problematisch ist aus seiner Sicht etwa der Markt für Pistenfahrzeuge. Auf diesem gibt es mit Kässbohrer und Prinoth nur zwei grosse Anbieter. 2010 hat Kässbohrer die finnische Formatic übernommen und damit einen der letzten kleinen Produzenten. Heute besitzt das deutsche Unternehmen einen Marktanteil von rund 60 Prozent. Auch Prinoth, die zum italienischen Leitner-Konzern gehört, stärkte mit Übernahmen ihre Marktmacht, etwa mit dem Kauf der Pistenraupen-Sparte der kanadischen Bombardier.

Hersteller wollen nichts von Preisdiskriminierung wissen

Bei Pistenfahrzeugen komme dazu, so Bugmann, dass man auf die Ersatzteile des Anbieters angewiesen sei und deshalb nicht einfach den Lieferanten wechseln könne. Ähnlich verhält es sich laut Berno Stoffel vom Walliser Skigebiet Grächen beim Ticket-System, wo sich ebenfalls zwei grosse Anbieter den Markt teilen. Habe man sich auf einen Lieferanten eingelassen, sei man von diesem abhängig, etwa bei Systemänderungen. Vergleichbares beobachte er auch auf den Märkten für Beschneiungsanlagen oder Seilbahnen, sagt Stoffel.

«ECO» hat mehrere Hersteller aus den unterschiedlichen Branchen kontaktiert. Von überhöhten Preisen in der Schweiz wollen diese aber nichts wissen. Vielmehr wehren sich die Hersteller vehement gegen die Vorwürfe der Skigebiete und verweisen auf die Preistransparenz, die mittlerweile überall herrsche – gerade auch zwischen der Schweiz und Österreich. Von einer Preisdiskriminierung könne deshalb keine Rede sein.

Österreicher kaufen schon lange gemeinsam ein

Dennoch: Die Schweizer Skigebiete sahen Handlungsbedarf. 43 von ihnen, darunter alle grossen, haben sich zur Einkaufsgemeinschaft «Pool-Alpin» zusammengeschlossen. So wollen sie ihre Einkaufsmacht bündeln, um bei den Lieferanten tiefere Preise aushandeln zu können. Die Pool-Alpin Schweiz ist seit Anfang 2012 aktiv.

«Wir haben gesehen, dass die Österreicher das schon lange machen. Dort haben sich die Bahnen zusammengeschlossen und kaufen gemeinsam ein. Es ist wie mit jeder Einkaufsgemeinschaft: Es gibt einerseits einen gewissen Druck und andererseits dank der Menge bessere Preise», sagt Yves Bugmann. Der Finanzchef von Davos Klosters ist gleichzeitig auch Obmann der Einkaufsgemeinschaft von Pool-Alpin. 

Legende: Video Yves Bugmann zu Österreich als Vorreiter abspielen. Laufzeit 0:29 Minuten.
Aus ECO vom 14.12.2012.

Dass der Zusammenschluss bereits wirkt, zeigt sich vor allem bei Verbrauchsmaterial, das ständig neu beschafft werden muss. «Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir etwa Sicherheitsmatten für die Pisten 50 Prozent günstiger einkaufen», nennt Berno Stoffel ein Extrembeispiel.

Auf die gemeinsame Anschaffung von teurer Infrastruktur wie Pistenfahrzeuge oder Seilbahnen sei Pool-Alpin indes weniger ausgelegt. Solche Produkte würden meist spezifisch für ein Skigebiet hergestellt, so Stoffel. Und da könne die Einkaufsgemeinschaft kaum etwas bewirken – zumindest bis jetzt.

Bericht zum Thema

Im Wirtschaftsmagazin «ECO» vom 17.12.2012.

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