Schwellenländer profitieren von Negativzinsen

Um die Wirtschaft in Schwung zu bringen, haben die Industrieländer rekordtiefe oder gar Negativzinsen eingeführt. Davon profitieren nun Schwellenländer. Anleger verschieben ihr Geld dorthin, weil sie sich höhere Renditen versprechen.

Menschen gehen vor einem Zug durch.

Bildlegende: Noch ist offen, ob das Geld, das nun in Schwellenländer wie Indien fliesst, auch dort bleibt. Keystone

Investorinnen und Investoren würden sich derzeit grundsätzlich eine Frage stellen, sagt Michael Bolliger, Leiter der Anlagestrategie für Schwellenländer bei der UBS: «Will ich mein Geld in der Schweiz oder in Deutschland zu tiefen oder sogar negativen Renditen anlegen, oder will ich ein etwas grösseres Risiko eingehen für eine deutlich höhere Rendite?» In den letzten Wochen hätten sich viele Investoren für das höhere Risiko entschieden, erklärt Bolliger.


Geld fliesst in Schwellenländer

1:41 min, aus HeuteMorgen vom 29.08.2016

Seit Juni seien so 15 Milliarden Dollar aus den Industrieländern in die Aktienmärkte von Schwellenländern abgeflossen. Auch Staatsanleihen in Schwellenländern sind beliebt. Anstatt beispielsweise Staatspapiere in den USA zu kaufen, entscheiden sich Anleger vermehrt für solche in Asien. Rund zwölf Milliarden Dollar flossen so in Schwellenländer.

Bessere Situation als 2015

Das sei ein bemerkenswerter Anstieg, sagt UBS-Anlagestratege Bolliger. Besonders deutlich sei das Plus im Vergleich zum letzten Jahr. «Damals schreckten die tiefen Rohstoffpreise und die mehrheitlich schlechten Schlagzeilen aus diesen Ländern die Investoren eher ab.»

Ob das Geld, das nun in Schwellenländer wie Mexiko oder Indien fliesst, langfristig dort bleibt, hängt davon ab, ob Regierungen und Unternehmen es tatsächlich investieren. Erst wenn damit Infrastruktur gebaut oder Arbeitsplätze geschaffen werden, wird auch die Bevölkerung in den Schwellenländern von den Negativzinsen der Industrieländer profitieren.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Um das Budget weiter zu entlasten, will die Stadt Bern künftig noch mehr Kredite zu Negativzinsen aufnehmen – und dabei Geld verdienen.

    Negativzinsen: Wie Städte mit Schulden Geld verdienen

    Aus Echo der Zeit vom 17.8.2016

    Institutionelle Anleger wie Pensionskassen leiden unter den Negativ-Zinsen, denn für Bareinlagen müssen sie Strafzinsen zahlen. Von den Negativ-Zinsen profitieren hingegen öffentlich-rechtliche Körperschaften, zum Beispiel Städte.

    Sie machen Schulden bei Banken oder Pensionskassen und verdienen dabei noch Geld.

    Maren Peters

  • Sich verschulden und Geld erhalten – eine Realität

    Aus 10vor10 vom 7.7.2016

    Wer Geld aufnimmt - der bezahlt dafür. Das könnte man meinen. Aber seit die Nationalbank die Negativzinsen vor eineinhalb Jahren eingeführt hat, gilt das nicht mehr in jedem Fall. Zuerst gab es Kredite fast gratis. Jetzt bekommen Schuldner neu sogar Geld dafür dass sie einen Kredit aufnehmen. Etwa Gemeinden.