Schwieriger Alltag bei Schweizer Zulieferbetrieben

Harzt das Geschäft, verlagern Schweizer Unternehmen nach und nach die Produktion ins Ausland. Das eine oder andere Teilchen für diese oder jene Maschine wird aber oft schon vorher aus dem billigeren Ausland bezogen – zum Leidwesen der hiesigen Zulieferer. Ein Besuch bei einem betroffenen Betrieb.

FAES-Schild in einer Fabrikantionshalle.

Bildlegende: Die Firma Faes ist Zulieferer im Maschinenbau. faes.com

Die Firma Faes in Wollerau im Kanton Schwyz ist ein typischer KMU-Betrieb. Er hat rund 100 Angestellte, der Produktionsstandort liegt in einem kleinen Ort, das Unternehmen ist über 100 Jahre alt. Ein Dutzend Mitarbeitende stehen in der Produktionshalle vor Maschinen, welche Teile in allen möglichen Formen und Grössen produzieren.

Finanzchef und Mitinhaber Matthias Weibel erklärt: «Das ist eine vertikale Maschine, die schöne Teile für die Medizinaltechnikindustrie herstellt. Eines meiner Lieblingsteile wird für die Blutanalyse verwendet wird. Es ist ein Gusskörper, den wir weiterverarbeiten.» Die Firma stellt Präzisionsteile für Medizinaltechnik, Flugzeuge oder die Raumfahrt her – hochkomplexe Teile.

Ein Zulieferer im selben Land hat Vorteile

Verkauft werden die Teile auf der ganzen Welt. Das bedeutet auch Konkurrenz aus der ganzen Welt. Und das ist gerade zu Zeiten des starken Frankens nicht einfach. Vor allem bei Kunden aus der Schweiz. «Wir spüren doch rechts und links eine Art Verlagerungshype», sagt Weibel. Laufe das Geschäft harzig, versuchten viele Schweizer Unternehmen bei jedem einzelnen Teilchen ein paar Franken einzusparen und die Teile im Ausland zu beziehen.

Da müssten die Schweizer Zulieferer Überzeugungsarbeit leisten: «Es gibt ganz viele andere Punkte, die einen Schweizer Zulieferer auch wertvoll machen. Er ist nahe, man hat kurze Transportwege, man kann etwas in der gleichen Sprache besprechen. Das sind alles relevante Punkte, die zu berücksichtigen sind.»

Bei seinen Kunden komme diese Message nach wie vor an, die Auftragsbücher von Faes sind gefüllt. Aber die Abhängigkeit als Zulieferer sei nicht immer einfach. Dennoch, so betont Weibel, die Abhängigkeit sei gegenseitig.

«Wir wollen nicht David gegen Goliath spielen»

Das habe auch das jüngste Beispiel beim deutschen Autobauer VW gezeigt. Weil die Zulieferer sich mit VW zerstritten, musste der Autokonzern seine Produktion unterbrechen. Dieser Vorfall sei positiv für alle Zulieferer, auch in anderen Branchen, denn: «Ich denke, die Erkenntnis wächst, dass die Zulieferer wertvoll sind. Wir wollen nicht David gegen Goliath spielen. Sondern wir wollen in aller Fairness und mit Anstand und gemeinsamen Zielen vorwärts kommen. Das ist wichtig», sagt der Firmen-Mitbesitzer.

Trotz schwächelnder Weltwirtschaft, der Konkurrenz im Ausland und dem starken Franken blickt Weibel zuversichtlich in die Zukunft. Und zeigt sich sichtlich stolz auf die fertigen Präzisionsteile in Reih und Glied: «Wir fertigen hier Tausenderserien. Das zeigt: Man hat eine Chance am Standort Schweiz.»