Seco korrigiert Wachstumzahlen nach unten

Die Wirtschaftsexperten des Bundes sind etwas weniger optimistisch für die Wirtschaftsentwicklung der Schweiz als im Frühjahr. Das Seco korrigiert die Prognosen von 2,2 auf 2 Prozent nach unten.

Mehrere Maschinen in der Montagehalle von Georg Fischer.

Bildlegende: Die weltweite Konjunktur bremst das Wachstum in der Schweiz. Keystone

Die Weltwirtschaft erholt sich langsamer als erwartet. Deshalb senkt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Konjunkturprognose für das laufende Jahr auf 2,0 Prozent. Noch im März hatten die Experten des Bundes mit einem BIP-Wachstum von 2,2 Prozent gerechnet.

Für 2015 rechnet das Seco mit einem Wachstum von 2,6 statt 2,7 Prozent. Abgesehen von der Pharma- und Chemiebranche hat die Exportbelebung auf sich warten lassen. So entwickelten sich die Maschinen-, Elektro- und Metallexporte weiterhin bescheiden. Seit drei Jahren stagnieren die Warenexporte der Schweiz.

Nebst dem starken Franken machen die Experten die holprige Entwicklung der Weltwirtschaft für die Exportschwäche verantwortlich. Insbesondere der für die Schweizer Wirtschaft wichtige Euroraum sei nach wie vor geschwächt. Ein Aufschwung auf breiter Front sei dort nicht in Sicht. Allerdings gebe es grosse Unterschiede zwischen den Ländern.

Banken der Eurozone als Risiko

Während die Wirtschaft in Deutschland und einigen nordeuropäischen Ländern robust wächst, sind Frankreich und die südlichen Euroländer davon weit entfernt. Für den Euroraum rechnen die Experten mit einem BIP-Wachstum von 1 Prozent 2014 und 1,5 Prozent im nächsten Jahr.

Das fragile Finanzsystem in der Eurozone stellt aber laut Seco ein erhebliches Risiko für die wirtschaftliche Erholung dar. Viele Banken in den Peripherieländern geben den Unternehmen wegen Bilanzbereinigungen weiterhin nur zurückhaltend Kredite. Dies erschwert die Genesung.

Schwellenländer etwas entschleunigt

Auch in den Schwellenländern bleiben die Wachstumsaussichten wegen Kapitalabflüssen und höheren Zinsen relativ verhalten. In China dämpften die Bemühungen der Regierung, das überbordende Kreditwachstum der letzten Jahre zu bremsen, die Konjunktur ebenfalls kurzfristig.

Gut sieht es hingegen in den USA aus. Dort trage die expansive Geldpolitik dazu bei, dass sich das BIP-Wachstum 2015 auf über 3 Prozent beschleunigen werde.

Bauboom könnte abflachen

Im Inland geht es der Konjunktur weiterhin gut. Insbesondere die Bauinvestitionen haben weiterhin vom Tiefzinsumfeld und dem Bevölkerungswachstum profitiert. Allerdings könnte sich im Bau das Wachstum verlangsamen, schreibt das Seco. Bremsfaktoren sind dabei nachlassende Impulse vom öffentlichen Tiefbau, Begrenzungen bei Zweitwohnungen sowie eine höhere Planungsunsicherheit nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative.

Die Prognosen für den Arbeitsmarkt liess das Seco unverändert. So soll die Arbeitslosenquote 2014 gegenüber dem Vorjahr von 3,2 Prozent auf 3,1 Prozent zurückgehen. Für 2015 erwarten die Experten weiterhin eine Quote von 2,8 Prozent.

Zuletzt hatten auch die Ökonomen der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich ihre BIP-Prognosen für das laufende Jahr von 2,0 auf 1,8 Prozent gesenkt. Für 2015 liegt das KOF mit einer Prognose von 2,0 Prozent deutlich als das Seco (2,6 Prozent).

Schätzungen: Veränderung des realen BIP im Vergleich zum Vorjahr

20142015
Staatssekretariat f. Wirtschaft SECO+2,0%+2,6%
Schweizerische Nationalbank (SNB)+2,0%n.v.
Credit Suisse+2,0%+1,8%
USB+2,1%+2,4%
Raiffeisen+2,6%n.v.
Konjunkturforschungsstelle ETH (KOF ETH)+1,8%+2,0%
KOF ETH Consensus+2,1%+2,2%
BAK Basel+2,0%+2,3%
Economiesuisse+2,3%+2,0%
OECD+2,2%+2,8%

Ein Streitgespräch zum Thema Wachstum

25 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.02.2014

Wie viel Wachstum braucht die Schweiz?

Warum ist Wachstum wichtig und warum braucht es Wachstum? Seit Jahrzehnten gibt es die Diskussion darüber, wie viel Wirtschaftswachstum nötig ist, wem das Wachstum zugute kommt und ob unbegrenztes Wachstum überhaupt möglich ist – denn schliesslich gibt es auf der Erde nur eine endliche Menge Ressourcen.

Klar ist: Ohne Wachstum wäre die Schweiz nicht zu ihrem Wohlstand gekommen. Und: Schwellenländer wie China brauchen eine stetige und im Vergleich zu den Industrieländern grössere Zunahme ihrer Volkswirtschaften, um die Entwicklung der Gesellschaft voranzutreiben.