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Wirtschaft Secondos mit ihrem Ferienhäuschen werden zu Steuerhinterziehern

«Automatischer Informationsaustausch» – das klingt nach dröger Behördensprache, kann aber hässliche Konsequenzen haben. Vor allem für Einwanderer, die sich im Geäst des schweizerischen Steuersystems nicht auskennen. So kann ein kleines Häuschen in der Heimat zu einem grossen Problem werden.

Taube auf Dach eines Häuschens in der Toskana.
Legende: Was von der alten Heimat übrigblieb, kann Secondos auf unschöne Weise einholen. Keystone

Im einstigen Armenhaus Italiens, der Region Emilia Romagna, steht ein altes Haus, das in der Schweiz Probleme macht. Maria Siniscalco (Name geändert) ist die Besitzerin. Sie ist Italienerin, in der Schweiz geboren und hat das Haus vor vier Jahren geerbt. Die italienischen Steuerbehörden schicken ihr die Steuerrechnung für das Haus in die Schweiz.

Gegenüber den Steuerbehörden in ihrem Wohnort in der Schweiz hat sie das Haus allerdings nicht gemeldet. Sie habe gedacht, dass mit dem Bezahlen der Steuern in Italien die Sache in Ordnung sei. In der Schweiz sieht man dies gestützt auf das geltende Doppelbesteuerungsabkommen aber ganz anders.

Patrick Teuscher, Sprecher der Eidgenössischen Steuerverwaltung: «Wenn Sie vorsätzlich wie auch fahrlässig etwas nicht angegeben haben – dann sprechen wir grundsätzlich von Steuerhinterziehung.»

Der Grund für die harte Haltung: Auch kleinste Vermögen im Ausland wie etwa das erwähnte Haus in der Emilia Romagna oder sonstwo in der Welt müssen deklariert werden. Darauf erhebt die Schweiz zwar direkt keine Steuern. Die Steuerverwaltung will trotzdem alle Vermögenswerte kennen, weil damit der Vermögenssteuersatz berechnet wird.

Manchem Italiener in der Schweiz dämmert nun, dass er sein Haus (...) hätte deklarieren müssen.
Autor: Francesco MiceliPräsident der Associazione Solidarietà e Diritti

Diese nicht ganz logisch erscheinende Tatsache kennen viele Einwanderer nicht. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die erste Einwanderergeneration meist aus einfacheren Schichten stammt und sich im Geäst des hiesigen Steuersystems nicht auskennt. Dass das Thema gerade jetzt unter den Nägeln zu brennen beginnt, ist kein Zufall.

Francesco Miceli, Präsident der «Associazione Solidarietà e Diritti», eine Beratungsstelle für Italiener in der Schweiz sagt: «Über das Inkrafttreten des automatischen Informationsaustauschs wird natürlich auch in Italien berichtet. So manchem Italiener in der Schweiz dämmert nun, dass er sein Haus, das er vielleicht mal geerbt hat, auch hier hätte deklarieren müssen.»

Selbstanzeige verhindert Schlimmeres

Die Schweiz erfährt ab nächstem Jahr zwar nicht direkt, ob ein hier lebender Ausländer ein Haus in seiner alten Heimat besitzt. Aber die hiesigen Steuerämter erhalten Bankdaten. Und dort können sie sehen, ob jemand Mieteinnahmen generiert – oder im Falle eines Hausverkaufs plötzlich eine höhere Summe auf sein Konto eingeht.

Francesco Miceli hat in den vergangenen 12 Monaten über 1000 Leute informiert. Er rate immer dasselbe: Bringt die Sache in Ordnung. Geradebiegen können das die Leute, indem sie sich bei den hiesigen Steuerbehörden selber anzeigen. Sie müssen dann die Vermögenssteuer bis zehn Jahre zurück plus die Zinsen bezahlen.

Leistungskürzungen drohen

Maria Siniscalco hat den Rat befolgt und ihr Haus in Italien nachversteuert. Sie hat nur ein paar wenige 100 Franken nachzahlen müssen, weil das Haus nur wenig Wert hat. In den meisten Fällen geht es um kleine Beträge, die nachversteuert werden müssen. Den grossen Geldsegen erwarten die kantonalen Steuerämter deswegen nicht.

In Einzelfällen kann die Neudeklaration aber einschneidendere Folgen haben, sagt Miceli: «Es gibt Leute, die erhalten Ergänzungsleistungen oder ihnen wird die Krankenkassenprämie verbilligt, weil sie wenig verdienen oder kein Vermögen haben. Deklarieren sie nun ihr Haus neu, kann es vorkommen, dass jemand jedes Recht darauf verwirkt – und bezogene Leistungen gar zurückzahlen muss.»

In solchen Fällen führt die Nachdeklaration zu noch prekäreren Einkommensverhältnissen. Das Haus in der alten Heimat notverkaufen ist eine Möglichkeit, um über die Runde zu kommen. Doch ein Blick in den Immobilienmarkt in Südeuropa zeigt: Die Preise sind wegen der Krise am Boden, abgelegene Häuser gelten gar als unverkäuflich.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    A.Planta,7:15 "In einem andern Beitrag schrieben sie, jedes Lebewesen dürfe nur innerhalb fest definierten Grenzen leben" So schrieb ich es sicher nicht, ich weiss, dass gewisse Tiere+Pflanzen gesamteuropäisch vorkommen ihre Gene tauschen. Dennoch gibt es Arten in Fauna+Flora, die findet man zB nur in der CH, nur in I etc.od.ausserhalb Eu nur in AUS, CHN usf, unfähig woanders zu existieren od.sich gegen Neophyten/-zoen zu wehren. Deshalb soll man nirgends zusammenfügen, was nicht zusammengehört.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Nach ihrer Logik müssten nichtschweizerische Inländer (Menschen, Tiere, Pflanzen) aus der Schweiz verschwinden?
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Ja man ist sofort schuldig, aber da ist niemand der einem aufklaert.. so denke auch ich, wo ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht habe ich nur in dem Land zu deklarieren wo ich etwas besitze... und das denkt jeder... also nicht wissen schuetzt vor Strafe nicht.. was fuer ein Bloedsinn.. in so einem Fall!
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Häuschen bauen oder erben in der Heimat findet man ja nicht nur bei Italienern. Auch besonders Leute aus Ex-Jugo oder der Türkei besitzen, erben oder bauen Häuser in ihrer Heimat, habe das von vielen Handwerkern erfahren. Als Angestellte oder als Firmeninhaber arbeiten sie fast noch mehr schwarz als legal, umgehen geschickt die Mwst, stocken ihr Erspartes auf, grossenteils unter Ausschluss von Banken, um dann mit 50 in ihrer Heimat den Ruhestand zu geniessen.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Ja, die bösen , bösen Ausländer . Wenn doch nur alles Innländer wären.......
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Merkwürdig: In anderen Kommentaren hätten Sie am liebsten alle Ausländer draussen, und hier beklagen Sie sich darüber, dass sie mit 50 die CH verlassen... Also das übersteigt meine Logik. - So nebenbei: Die Ausländer nehmen voraus, was sowieso geschehen wird; die Marktwirtschaft entwickelt sich zu einer Art Tauschwirtschaft - an Sozialabgaben und Steuern vorbei. Auch der Durchschnitts-CH wird bald nicht mehr darum herumkommen; das System der freien Marktwirtschaft fährt gegen die Wand.
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    3. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Frau Hermann: Sie müssten sich nun wirklich entscheiden, ob Ausländer von Ihnen pauschal und ohne Differenzierung erwünscht sind o. nicht. Auf alle Fälle ist es wirklich nicht verwunderlich, dass Vertreter genannter Nationen ihren Ruhestand in ihrem Heimatland geniessen wollen (wahrscheinlich nicht gerade mit 50, falls nicht Bauarbeiter). Ich kann mir vorstellen, dass die Präferenzen, die Rentner haben, mit der Rückkehr viel einfacher zu erfüllen sind, als in CH. Familie, Sonne, Kaufkraft usw.
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    4. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Dudle/Fitzi/Planta, habe ich mich beklagt oder von bösen Ausländern geschrieben? Habe lediglich nüchtern meine Erfahrung aus jüngster Vergangenheit berichtet. Liest man nämlich Bericht und Kommentare, so könnte man meinen, es handle sich zu diesem Thema nur um Italiener. Aber dem ist nicht so! Im Übrigen A. Planta: In(n)länder sind nicht zwingend Schweizer, informieren Sie sich!!
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    5. Antwort von Albert Planta (Plal)
      In einem andern Beitrag schrieben sie, jedes Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen) dürfe nur innerhalb fest definierten Grenzen leben. Müssen nach ihrer Logik demnach nichtschweizerische Inländer das Land verlassen?
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