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Wirtschaft Seilziehen zwischen Bund und Banken wegen Hypotheken

Ein Eigenheim zu kaufen liegt im Trend: Dank der tiefen Zinsen können sich derzeit viele diesen Traum erfüllen. Die Banken vergeben fleissig Hypothekar-Kredite – zu fleissig, findet der Bund und will Regulierungen. Erst boten die Banken Hand zu Gesprächen. Doch jetzt stellen sie sich quer.

Fast fertiggestellte Immobilien, im
Legende: Bund und die Banken sind sich uneins über Regelungen für die Vergabe von Hypotheken. Keystone

Das Ringen um einen Kompromiss am Verhandlungstisch ist typisch für die Schweiz. Auch wenn es um die Regulierung der Banken geht. Mehrfach sassen sie zusammen: Banken, Bankenaufsicht, Finanzdepartement und Nationalbank. Hinter verschlossenen Türen haben sie darüber debattiert, ob die Vergabe von Hypotheken in der Schweiz noch strenger reguliert werden soll.

Banken haben runden Tisch verlassen

Ziel der Gespräche war, dass die Banken ihre «Selbstregulierung» verschärfen: dass sie die Standesregeln, die sie sich selber auferlegen und an die sich alle Geldhäuser halten müssen, verschärfen. Dieses Ziel ist nun aber gescheitert – die Banken haben den runden Tisch verlassen, wie Thomas Sutter von der Schweizerischen Bankiervereinigung erklärt: «Wir hatten das Gefühl, dass die Behörden uns für die Selbstregulierung Massnahmen aufzwingen wollen. Das wollten wir nicht.» Deshalb habe man gesagt, man sehe momentan keine Möglichkeit, die Selbstregulierung anzupassen. Der Ball um Lösungen zu finden, liege jetzt bei den Behörden oder der Finma.

Behörden wollen handeln, Banken abwarten

Der Kern des Problems: Banken und Behörden sind sich nicht einig darin, ob es überhaupt weitere Massnahmen braucht. Für die Behörden ist klar: es braucht strengere Regeln, um die Gefahr einer Immobilienblase abzuwenden. Die volkswirtschaftlichen Folgen, sollte eine Blase platzen, wären schlicht zu gross – für alle Beteiligten. Das haben die Erfahrungen hierzulande zu Beginn der 90-er Jahre oder jüngst auch die Immobilienkrise in den USA nur zu deutlich gezeigt.

Die Banken hingegen plädieren dafür, erst einmal abzuwarten: die Schweiz habe die Schraube im Hypothekargeschäft in den letzten Monaten ja bereits mehrfach angezogen. Tatsächlich müssen die Banken ihre Wohnhypotheken mit mehr Eigenkapital absichern als früher. Oder die Klienten müssen beim Hauskauf mehr Eigenmittel einbringen als früher. Die Banken wollen deshalb erst einmal abwarten, um zu sehen, ob die bisherigen Massnahmen nicht bereits ausreichen.

Banken erwarten konkrete Aussagen der Finma

Sich selber strengere Regeln auferlegen – das will die Bankiervereinigung derzeit nicht. Es gäbe keine flächendeckende Blase. Und: «Der Ball liegt bei der Bankenaufsicht Finma.» Die Finma habe das Gefühl, dass es Überhitzungstendenzen gibt. Man erwarte konkrete Äusserungen, wo man leichtfertig war. «Bis jetzt hat sie das nie gesagt und auch nie Kritik ausgeübt», sagt Sutter.

Vorläufig keine weiteren Gespräche

Letztlich geht es in diesem Hickhack also um die Frage, wer Verantwortung übernimmt: die Banken oder die Behörden. Die Banken haben heute klar gemacht, dass sie nicht gewillt sind, beim (lukrativen) Hypothekar-Geschäft zurückhaltender zu werden.

Nun liegt der Ball bei den Behörden: die Bankenaufsicht Finma bestätigt, dass derzeit keine Gespräche mehr am runden Tisch mit den Banken stattfinden. Die Finma will nun die Lage zusammen mit dem Finanzdepartement und der Nationalbank analysieren und das weitere Vorgehen besprechen.

(schl)

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7 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip, ZH
    Ich vermute, es geht um etwas ganz anderes. Der klassische Eigenheimbesitzer soll zur Aufgabe und zur Vermietung gezwungen werden. Schliesslich will man uns weismachen, es sei nicht mehr opportun, mehr als 80 Quadratmeter zu bewohnen (aber bitte nicht über die Einwanderung reden, gell...). Dass man mit dieser Massnahme auch noch das letzte Bisschen des steuerlich tragenden Mittelstandes killt, scheint egal. Gute Nacht, ihr FINMA-Schlaumeier!
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  • Kommentar von M.Moser, Liestal
    Der Kern des Problems ist darin zu finden, dass die Banken die Liegenschaftswerte mit hedonischen Bewertungen rechtfertigen. Diese Bewertungen sind losgelöst von den Realwerten u. nur Spekulationswerte. Für die Banken ist ein Hyposchuldner ein Geschäft und auch die Insolvenz eines Hyposchuldners ist mit den heutigen Hypo- Knüppelverträgen ein Geschäft. Zinsen sind der Preis für Risiken, aber die Banken haben keine Risiken mehr. Warum bezahlen wir den Banken noch eine Zinsmarge als Risikoprämie?
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Für die Sparer ist die Situation schon zum fürchten. Sollten die Zinsen zügig steigen, was durch die Schweiz alleine nicht geregelt werden kann, werden die z.T. enormen Hypothekendepots besonders die lokal tätigen Banken in den Ruin treiben. Um die Neuhypotheken zu bremsen sollte man, neben einer akkuraten Bonitätsprüfung, die Eigenkapitalquote risikoabhängig von 20% auf bis zu 50% und höher anheben.
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