Zum Inhalt springen

Ruag-Handel im Nahen Osten «Seit dem Jemen-Konflikt ging unser Engagement massiv zurück»

Die Ruag steht wegen ihren Geschäften mit den Arabischen Emiraten in der Kritik. Ihr Chef Urs Breitmeier nimmt Stellung.

Legende: Audio Ruag-Chef Urs Breitmeier auf Expansionskurs abspielen.
30 min, aus Samstagsrundschau vom 10.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Rüstungsunternehmen Ruag steht in der Kritik wegen seiner Tochterfirma in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • Das Land ist nämlich Kriegspartei im blutigen Jemen-Konflikt.
  • Laut Ruag-Chef Urs Breitmeier gibt es aber keinen Grund zur Kritik.
  • Seit Ausbruch des Jemen-Konflikts sei das Engagement des Unternehmens in der Region deutlich zurückgegangen. Neue Verträge für Rüstungsverkäufe seien seither nicht mehr unterzeichnet worden.

Das Schweizer Rüstungsunternehmen Ruag steht in den letzten Tagen in der Kritik. Der Grund: Die Ruag hatte in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Tochterfirma gegründet. Das Land ist aber aktive Kriegspartei im Jemen-Konflikt, in dem fast täglich Menschen sterben. Selbst einige bürgerliche Politiker stören sich deshalb an der Tochterfirma.

Ruag-Chef Urs Breitmeier macht gegenüber der «Samstagsrundschau» denn auch keinen Hehl daraus, dass der Nahe Osten eigentlich ein lukrativer Markt für Rüstungsunternehmen wäre: Als die Ruag die Tochterfirma 2014 gegründet hatte, sei man «sehr gut positioniert» gewesen, so Breitmeier.

Mehrheit der Aufträge aus Nahem Osten

«Wir hatten viele Projekte in der Pipeline, die für uns interessant waren.» Beispielsweise Munitionslieferungen: «Unser Werk in Thun war zeitweise zu einem Drittel mit Aufträgen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgelastet gewesen.»

Wir mussten sogar Verträge auflösen, weil die Exportbewilligungen zurückgezogen wurden.
Autor: Urs BreitmeierRuag-Chef

Kritiker der Geschäftspraxis der Ruag versucht Breitmeier aber zu beschwichtigen. Wegen der Lage vor Ort habe die Schweiz bereits Konsequenzen gezogen. «Seit der Jemenkonflikt ausgebrochen ist, ging unser Engagement in der Region massiv zurück.»

Die Ruag habe seither keine neuen Verträge unterzeichnet. Im Gegenteil: «Wir mussten sogar Verträge auflösen, weil die Exportbewilligungen zurückgezogen wurden.» Natürlich halte sich die Ruag an alle Vorgaben für eine restriktivere Rüstungsexportpraxis, so Breitmeier weiter. Nach eigenen Angaben leistet die Ruag vor Ort heute vor allem noch die vereinbarten Unterhaltsarbeiten an bereits früher gelieferten Simulatoren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bernd Kulawik (Bernd K.)
    Ich bin für eine "Stiftung Waffentest" nach Vorbild der DE "Stiftung Warentest", um das hohe Ansehen Schweizer Qualitätsarbeit zu sichern. Die Tests würden mit jeder Waffe vor dem Export an Aktionären und Managern der Firmen durchgeführt, die alle von der Herstellung der Mordwerkzeuge und ihrem Export profitieren zu müssen meinen. Oder zählt deren Leben mehr als das der Unschuldigen, die mit ihren Waffen abgeschlachtet werden? Wenn ja: Warum?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Deutschen übernehmen diese Aufträge mit Handkuss und rühmen sich weiterhin, Exportweltmeister zu sein....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Die Deutschen (zudem mit einem sog. SP-Mann an der Spitze des Wirtschaftsdepartements) handeln unmoralisch, ja. Aber sie schreiben sich nicht schon seit Jahrhunderten die Neutralität auf die Fahne. Wer sein Engagement in instabilen Regionen nicht auf Null zurückfährt, erfüllt den Neutralitätsanspruch ebenfalls nicht. Es reicht schon, wenn man sich in diesem Bereich mit Zulieferung an relativ stabile Staaten wie z.B. Deutschland "maskiert" und die Verantwortung abschiebt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kurt Wirz (kw)
    Die Schweiz ist kein neutrales Land, wenn bundeseigene Betriebe Waffen an Regimes verkaufen, welche die Menschenrechte missachten und den schlimmsten Terrorirganisationen nahestehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen