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Wirtschaft Senioren gesucht – Ideen gefragt

Die Schweizer Wirtschaft braucht die älteren Arbeitskräfte. Die Wirtschaftsdachverbände haben mit Blick auf die Umsetzung der Zuwanderungsinitiative ein Projekt lanciert. Mehrere Grossunternehmen haben Lösungen vorgestellt, wie Senioren im Arbeitsleben behalten werden können.

Legende: Video «Zukunft Arbeitsmarkt Schweiz» abspielen. Laufzeit 2:12 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.01.2015.

Das inländische Potential an Arbeitskräften nutzen und fördern ist zentral. Das sagen die Arbeitgeber schon seit langem. Nach dem Ja zur Zuwanderungsinitiative werde es auf jeden Fall schwieriger, ausländische Arbeitskräfte zu rekrutieren. Daran ändere auch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses nichts.

Nun starten Economiesuisse und Arbeitgeberverband eine Initiative mit dem Titel: «Zukunft Arbeitsmarkt Schweiz». Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt sagt dazu: «Es gibt aber keine erfolgreiche Wirtschaft und keinen Wohlstand in diesem Land, wenn den Unternehmen nicht genügend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.» Es müsse der Wirtschaft deshalb gelingen, genügend Arbeitskräfte zu rekrutieren.

In einem ersten Schritt ging es heute darum aufzuzeigen, was drei Grossunternehmen bereits tun, um die älteren Angestellten länger im Unternehmen zu behalten.

Eines der Beispiele ist der SBB-Personalfachmann Willy Lehmann. Er arbeitet vom ersten Mai an Teilzeit, aber dafür über das ordentliche Pensionsalter hinaus. «So habe ich nun die Möglichkeit, meine Arbeitszeit zu reduzieren. Der Job macht mir Freude, im Privaten habe ich mehr Zeit für meine anderen Tätigkeiten.» Für ihn sei dies eine optimale Lösung. Der neue SBB-Gesamtarbeitsvertrag macht es möglich. Lehmann kann länger, aber dafür mit reduziertem Pensum arbeiten.

Bogenkarrieren in der Migros

Die Migros setzt unter anderem auf so genannte Bogenkarrieren. Mit zunehmendem Alter übernimmt man mehr und mehr Verantwortung und bekommt mehr Lohn. Man kann dann aber nach 50 oder 55 auch wieder kürzer treten, Verantwortung abgeben und Teilzeit arbeiten.

Ein Beispiel dafür ist Günter Lampel, Leiter des MGB-Personalrestaurants in Zürich. Er stieg die Karriereleiter hoch, bis der Körper nicht mehr mitmachte. «Ich bin dann 2012 an einer Ermüdungsdepression erkrankt.» Er habe zu viel gearbeitet und sei danach zwei Monate ausgefallen.

Irgendwann stellte sich dann die Frage, welche Möglichkeiten es gebe. So entschloss er sich, auf der Karriereleiter zwei Sprossen hinunterzuklettern. «Der Schritt zurück, den ich gemacht habe, war eigentlich keiner. Ich mache jetzt das, was ich am liebsten mache, ich bin Gastgeber.» Er habe das Restaurant wieder übernommen. Er sei gesund und glücklich.

Nachwuchsbildung bei Novartis

Auch beim Pharmakonzern Novartis können pensionierte Manager weiterarbeiten, sofern sie wollen. Sie werden projektbezogen für spezielle Aufgaben etwa in der Nachwuchsbildung eingesetzt. Selbst wenn derzeit bloss einige Dutzend Manager mitmachen, hat der Personalleiter von Novartis Schweiz, Thomas Bösch, gute Erfahrungen gemacht.

Den immer wieder gehörten Vorwurf, solche Modelle würden nur aus Kostengründen gefördert, lässt Bösch nicht gelten: «Das sei nicht der Fall. Know-how hat einen Wert und den muss man halt auch bezahlen.» Deshalb will Novartis künftig solche Programme auch für andere Berufsgruppen anbieten.

Im Herbst wollen Econimiesuisse und Arbeitgeberverband über weitere Schritte informieren. Als nächstes wird es darum gehen, die Erwerbsarbeit von Frauen zu fördern, etwa durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Kajetan Schwarz, Frick
    Länger arbeiten, schön und gut, nur es muss auch die Arbeitsumgebung, das Unternehmen und nicht zuletzt der Job in dem man Arbeitet stimmen. Ich habe 3 Jahre (68) darüber gearbeitet und bereue es nicht, mein Arbeitgeber gab mir ab 65 die Gelegenheit so viel zu arbeiten wie ich wollte, sprich mindestbensum und danach flexibel, mein Job erlaubte dies, ich würde es wieder machen und mein ehemaliger Arbeitgeber auch.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Das ist doch alles nur blaue Luft. Mir wurde erst gerade gekündigt mit 63, obwohl ich noch lange arbeiten wollte. Ich hoffe, dass sich die Senioren nun nicht denen, die sie jahrelang einfach "entsorgt" haben, wieder zur Ausbeutung zur Verfügung stellen. Wir älteren Semester müssen selbständig werden +nur noch +50 und älter einstellen. Dann wird da wieder Gleichgewicht für die Gerechtigkeit. Ich glaube auch, dass so sehr viel Know-how + Lebensenergie gerettet werden kann. AVJ = Alter vor Jugend!
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen würde weltweit zunehmen, war zu lesen. Was soll das wieder? Es läuft eine unglaubliche Propagandawalze welche den Läuten einhämmern will, dass sie länger arbeiten müssen. Es geht dabei nur um die Verteilungsfrage. Die Erwerbstätigen sollen länger für gleichviel oder weniger Lohn + Altersrente arbeiten. Die Kapitalseite will den Erwerbstätigen die Altersrenten kürzen bzw. diese auf den Staat abwälzen. Darum geht es.
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @H.Bernoulli. Ja, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Ausser, dass eben diese Entwicklung an Geschwindigkeit zunimmt, solange die Politik sich nicht wagt Gegensteuer zu geben.
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