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Einkauf der Zukunft Shoppingbummel mit dem intelligenten Computer

Computerprogramme können lernen. Und lernen uns immer besser kennen. Das verändert das Einkaufen grundlegend.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch Lebensmittel werden zunehmend in Onlineshops gekauft. Die entsprechenden Plattformen von Migros und Coop etwa wachsen rasant.
  • Dabei wird die Software und die Logistik dahinter immer intelligenter. Die Systeme merken sich, wer was einkauft.
  • Zudem werden wir unsere Bestellungen bald schon nicht mehr eintippen, sondern dem Sprachassistenten zurufen. Das sagt die Trend-Forscherin des Gottlieb Duttweiler Instituts.

Dominique Locher, Geschäftsführer von Le Shop, sitzt am Laptop im Sitzungszimmer. Der Teppich aus Kunstrasen und die Gartenzwerge stehen für die unkonventionelle Start-up-Kultur. 1997 wurde das Unternehmen gegründet. Gut zehn Jahre später übernahm die Migros die Mehrheit an Le Shop, heute ist die Firma Marktführerin unter den Onlinesupermärkten.

«Sie haben die Eier vergessen!»

Dominique Locher demonstriert, was sein Onlineshop schon alles kann. Er kauft Erdbeeren. Der Le Shop-Chef will die Bestellung abschliessen und klickt auf «bezahlen». Da erscheint auf dem Bildschirm: «Haben Sie etwas vergessen?» Darunter ein Bild mit Eiern und eins mit Broccoli drauf.

«Ah, die habe ich vergessen», sagt Locher. «Das System weiss, was ich normalerweise einkaufe und weist mich auf Produkte hin, die ich vergessen haben könnte.»

Personalisierte Werbung

Die Software – respektive Le Shop – kennt also Dominique Locher. Weiss, was er wann einkauft, wie lange und wo er auf der Website surft. Es sei darum gut möglich, dass der Onlineshop in Zukunft bei jedem Kunden etwas anders aussehe, so Locher.

Hundefutter für Hundebesitzer

«Wenn ein Kunde keine Haustiere hat, warum sollte er Hundefutter zum halben Preis angeboten erhalten?», sagt er. Da biete man ihm doch besser Erdbeeren an, die er auch schon gekauft habe.

Das blitzgescheite Warenlager

Ein paar Stockwerke tiefer im Kühlraum des Logistikzentrums zeigt Dominique Locher, wo die Erdbeeren, die er bestellt hat, gelagert werden.

Ein Mitarbeiter legt zwei Packungen davon in einen Tiefkühlbeutel auf einem kleinen Wagen und eilt weiter von Gestell zu Gestell zwischen anderen Mitarbeitern hindurch, die ebenfalls wie fleissige Bienen hin und her hasten.

Konserven unten, Chips oben in die Tasche

Joghurt, Käse, Milch legt er in den Korb. Ein Gerät am Handgelenk, das aussieht wie eine übergrosse Uhr, zeigt ihm den Weg. «Das verhindert, dass die Chips zuunterst in der Tasche landen und die Konserven zuoberst», sagt Dominique Locher.

In Zukunft sei denkbar, dass auch Wetterdaten und Verkehrsmeldungen einbezogen werden, so der Le-Shop-Chef. Das würde sicherstellen, dass die Ware trotz Stau oder Glatteis zum gewünschten Zeitpunkt beim Kunden ankommt.

«Hey, ich brauche noch Milch»

Auch Sprachassistenten werden das Einkaufen massgeblich verändern. Davon ist Karin Frick, Leiterin Forschung am Gottlieb Duttweiler Institut überzeugt.

Sprachassistenten gibt es auf dem Handy, man findet sie aber auch in intelligenten Lautsprecherboxen, die man in seiner Wohnung aufstellen kann. «In Zukunft werden wir mit diesen Systemen sprechen und etwa sagen: ‹Ich brauche noch Milch›», so Karin Frick. Das System werde dann für uns die Milch in einem Onlineshop bestellen.

Weil die Sprachassistenten uns mit der Zeit sehr gut kennen würden, wüssten Sie zum Beispiel, dass wir regionale Produkte bevorzugen und würden entsprechend einkaufen.

Reden statt Tippen – schon in fünf Jahren

Bereits in etwa fünf Jahren werde es normal sein, dass wir mit unseren Computern und Smartphones reden und nicht mehr tippen, glaubt Frick. Apps als Technologie seien eigentlich heute schon tot, sie würden nach und nach ersetzt durch diese Sprachassistenten.

Allerdings: ganz verschwinden wird das physische Einkaufen nicht. Wir wollen auch in Zukunft über den Markt schlendern oder im Laden Kleider anprobieren, zum reinen Vergnügen oder weil wir die Dinge vor dem Kaufen anfassen wollen.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Wir werden da in etwas reingedrängt, nur weil ein paar Computernerds und Werbeagenten die Kontrolle verloren haben. Aber kein Angst, die Mehrheit kauft noch ganz klassisch ein. Und nein, ich kenne keinen Einzigen, der mit einer Maschine spricht. In der Werbung sieht das toll aus, Zuhause nur noch idiotisch. Mein Handy könnte das, aber nach ein paar mal ausprobieren liess ich davon ab. Ich quatsche doch nicht mit meinem Handy! Wenn ich sprechen will, dann gehe ich in den Laden ;-)
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  • Kommentar von Martin Steffen (/\o/\)
    Wer seine Wohnung mit Google Home, Amazon Echo oder Apple Homepod verwanzt, den besuche ich nicht mehr! Wer Sprachassistenten in meiner Gegenwart nutzt, ohne mich vorher darüber zu informieren, den zeige ich an! Ich lasse mich nicht ausspionieren! Und was sagen uns all diese "tollen" neuen Errungenschaften eigentlich im Klartext? Mensch, Du bist zu teuer (Industrie 4.0), zu dämlich (intelligente Fahrassistenten in Autos) oder einfach zu faul (Einkaufsassistenten)! Und die Nutzer sind begeistert!
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Dass die Kunden nicht mehr zu den Waren transportiert werden, sondern umgekehrt, halte ich erstmal für sehr sinnvoll. Was die sogenannte Intelligenz von Software anbelangt, da ärgere ich mich jedes mal wenn PowerPoint die Spracheinstellung der Korrektur ohne mein Zutun verstellt.. Wenn ich für solche Erinnerungen jedes mal einen Zusatzclick brauche, dann nein danke. Lieber einen Standardkorb, denn ich vorbereiten kann und jedes mal nachbestellen.
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