Siemens und Mitsubishi bieten für Alstom

Der französische Konzern Alstom erhält ein Angebot von Siemens und deren japanischem Partner Mitsubishi Heavy Industries. Sie bieten rund 7 Milliarden Euro für verschiedene Teile Alstoms. Trotzdem soll der französische Konzern ein eigenständiges Unternehmen bleiben.

Alstom-Schild an Gebäude

Bildlegende: Aus Japan, Deutschland und den USA kommen Angebote für den französischen Konzern Reuters

Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bieten im Tauziehen um den französischen Alstom-Konzern dem Rivalen General Electric die Stirn. Mit einem komplexen Angebot wollen beide Unternehmen die Führung von Alstom, aber auch die Regierung in Paris überzeugen.

Siemens will das Gasturbinen-Geschäft

Demnach wollen sich die Japaner von MHI mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen. Siemens hingegen will das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen komplett übernehmen und dafür 3,9 Milliarden Euro in bar zahlen. Eine Beteiligung von Siemens an Alstom sieht das Angebot nicht vor.

General Electric (GE) äusserte keine Absichten, das eigene Angebot für Alstom weiter nachzubessern. GE werde sich nicht an einem Bieterkrieg beteiligen, zitierte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg eine Sprecherin der US-Konzerns.

Insgesamt summieren sich die Vorschläge von MHI und Siemens auf eine Barzahlung von rund 7 Milliarden Euro, 3,1 Milliarden Euro davon soll MHI leisten. «Das Angebot ist eine attraktive Konstellation, die es sich lohnt zu prüfen. Das wird der Verwaltungsrat von Alstom auch sicher im Sinne aller Aktionäre tun», erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser.

Amerikaner will die Energietechnik

GE hatte 12,35 Milliarden Euro für die Energietechnik von Alstom geboten und die Schaffung von 1000 Arbeitsplätzen in Frankreich zugesagt, das Angebot gilt noch bis zum 23. Juni. Auch Siemens will im Falle eines Zuschlags eine dreijährige Jobgarantie für das Gasturbinengeschäft gewähren, zudem wollen die Münchner die Zentrale des Geschäfts in Frankreich ansiedeln.

Die Bildung eines gemeinsamen Eisenbahnunternehmens aus den Zugsparten von Alstom und Siemens ist hingegen zunächst vom Tisch. Siemens betonte aber, dass darüber nach der Übernahme weiter «sorgfältig und in gutem Glauben» diskutiert werden können. Die Japaner wiederum wollen neben der Beteiligung an Alstom eine umfassende industrielle Allianz schaffen und drei Joint Ventures mit Alstom bilden.

Alstom soll eigenständig bleiben

Aus Sicht von Siemens und MHI soll der Konzern in seiner gegenwärtigen Form in fast allen seinen Geschäftsfeldern erhalten bleiben. Darüber hinaus würde Alstoms Position als breit aufgestellter weltweiter Anbieter im Energie- und Servicegeschäft gestärkt, seine finanzielle Struktur verbessert und das Unternehmen gleichzeitig als französischer, börsennotierter Grosskonzern erhalten.

Siemens-Chef Joe Kaeser und MHI-Chef Shunichi Miyanaga sollen an diesem Dienstag gemeinsam bei Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg vorsprechen. Das Parlament in Paris bestätigte, dass Kaeser am Dienstag zu einer Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung erwartet wird.

Wochenlange Buchprüfung

Siemens hatte wochenlang die Alstom-Bücher geprüft, nachdem der Konzern geäussert hatte, ein eigenes Angebot vorzulegen. Vergangenen Donnerstag teilte der Konzern überraschend mit, mit MHI einen Partner dafür gewonnen zu haben.

Die Japaner arbeiten seit geraumer Zeit daran, ihre Position im globalen Energiemarkt auszubauen. Anfang des Jahres legte MHI zu diesem Zweck sein Kraftwerksgeschäft, zu dem die Gas- und Dampfturbinen gehören, mit dem entsprechenden Geschäftsbereich von Hitachi zusammen.