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Wirtschaft SNB – bald hellwach, wenn Europa schläft

Mit einer Niederlassung in Singapur ab Mitte 2013 betritt die Schweizerische Nationalbank Neuland. Mehr Nähe zu Analysten und Regierungen in Asien ist ein Grund. Dazu kommen die verschobenen Handelszeiten, die bei der Verteidigung des Franken-Euro-Kurses auch schon Probleme machten.

Legende: Video «SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind» abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.12.2012.

Die Nationalbank will mit dem Schritt nach Singapur nach eigenen Angaben ihre Devisenanlagen besser bewirtschaften. Diese waren mit 425 Milliarden Franken noch nie so gross wie heute. Diese will die Notenbank möglichst breit anlegen, um auch die damit verbundenen Risiken möglichst breit zu streuen.

Neue Möglichkeiten ausloten

Diesbezüglich streckt die SNB die Fühler bereits seit Jahren in Asien aus – mit Investitionen in den japanischen Yen, den Singapur-Dollar oder den australischen Dollar. Dieses Jahr ist denn auch noch der südkoreanische Won als Anlagekategorie dazugekommen.  Mit einer Filiale in Singapur erhofft sich die SNB nun offensichtlich weitere Möglichkeiten im  asiatischen Raum.

Es geht dabei um einen besseren Zugang zu den Analysten vor Ort, die mögliche neue Anlagekategorien bestens kennen. Dazu kommt ein besserer Zugang zu den Regierungen, die bekanntlich Staatsanleihen herausgeben, welche die schweizerische Notenbank allenfalls kaufen könnte. Der Entscheid für Singapur zeigt aber auch, dass der asiatische Finanzmarkt international an Bedeutung ganz klar gewonnen hat.

Handelszeiten

Als weiteren Grund gibt die Nationalbank an, es sei vor Ort einfacher, die festgelegte 1.20-Kursuntergrenze zum Euro zu verteidigen. Und dies vor allem auch in den frühen Morgenstunden, wenn in Europa noch alles schläft und in Asien schon fleissig gehandelt wird. Da gab es bekanntlich schon einige Pannen. So etwa um Ostern herum, als der Kurs kurzfristig unter 1.20 gefallen ist. Das will man künftig verhindern.

Andere Notenbanken haben Niederlassungen im Ausland, um präsent zu sein. Darunter sind asiatische Notenbanken mit Büros in London oder New York. Die Deutsche Bank ihrerseits soll ein Büro in Japan haben.

Siebenköpfige Mannschaft geplant

Das künftige SNB-Büro in Singapur wird mit sieben Personen bestückt sein, die bisher noch in der Schweiz arbeiten. Es handelt sich vor allem um Vermögensverwalter. Vor Ort werden sie ein Vermögen in der Grössenordnung von 50 Milliarden verwalten, investieren und darüber wachen. Los geht es voraussichtlich Mitte 2013. (brut)