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Wirtschaft SNB-Kehrtwende: Erste Firmen sind pleite

Die abrupte Kehrtwende der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat Währungshändler ins Mark getroffen. Die britische Alpari UK hat Insolvenz angemeldet. Der Schweizer Online-Finanzdienstleister Swissquote muss hohe Rückstellungen machen.

Hände halten leeres Portemonnaie.
Legende: Der SNB-Entscheid schlägt sich bei diversen Firmen schon jetzt so negativ nieder, dass sie Insolvenz anmelden müssen. Colourbox

Der Entscheid der SNB trifft die Währungshändler hart. Der Online-Finanzdienstleister Swissquote muss 25 Millionen Franken zurückstellen. Viele Kunden seien der von der SNB regelmässig bestätigten Mindestkurs-Strategie gefolgt und hätten auf eine Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro gesetzt, erklärte die auf den Online-Handel für kleinere Kunden spezialisierte Brokerbank.

Nach der geldpolitischen Kehrtwende ist nun aber der Euro deutlich unter die bisherige Untergrenze von 1,20 Franken gefallen. Der Einbruch von bis zu 15 Prozent vom Donnerstag habe bei den Kunden einen Minussaldo verursacht und die Bank veranlasst, die Rückstellung zu aktivieren.

Braucht West Ham einen neuen Sponsor?

Damit sollen mögliche Verluste gedeckt werden, die sich aus unbesicherten Krediten an Devisen-Kunden ergeben könnten, sagte Swissquote-Chef Mark Bürki. Die Rückstellung werde das Halbjahresergebnis 2015 beeinflussen, ohne jedoch die Profitabilität und Solidität der Bank in Frage zu stellen, hiess es.

Was das Handelsvolumen betrifft, habe Swissquote einen Rekordtag erlebt. «In den zwei Stunden nach der SNB-Ankündigung fiel der Umsatz etwa 10 Mal höher aus als üblich. So etwas haben wir noch nie gesehen», sagte Bürki weiter. Ausserdem habe die Plattform Besuch erhalten von zahlreichen Neugierigen, welche die Entwicklung der Börsenkurse möglichst zeitnah hätten miterleben wollen.

Der kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers hatte schon kurz im Anschluss an den SNB-Beschluss vom Donnerstag, der die Finanzmärkte kräftig durcheinanderwirbelte, sein Geschäft eingestellt. Am Freitag folgte die Insolvenz des britischen Devisenhändlers Alpari, dessen Logo auch die Trikots des englischen Fussballvereins West Ham United ziert.

Hunderte Millionen Dollar Kundenverluste

Ankündigung der Insolvenz, Text auf Firmenwebseite.
Legende: Der Währungshändler Alpari begründet auf seiner Homepage seine Insolvenz mit dem SNB-Entscheid. zvg

Die Entscheidung der SNB habe zu extremen Schwankungen und zum Austrocknen jeglicher Liquidität geführt, teilte Alpari auf seiner Internetseite mit: «Das hat zur Folge gehabt, dass die Mehrheit der Kunden Verluste erlitt, die ihr Einlagenkapital überstiegen. Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht.»

Global Brokers hatte von ähnlichen Liquiditätsproblemen und Verlusten der Kunden berichtet. Das Kapital der Firma sei aufgefressen, womit man nicht mehr den Anforderungen der Finanzaufsicht genüge, erklärten die Neuseeländer. Geschäftsführer David Johnson entschuldigte sich bei seinen Kunden, versicherte aber, dass die Einlagen sicher seien.

Der grösste Devisenhändler für Kleinanleger in den USA, FXCM, bezifferte die Kundenverluste auf 225 Millionen Dollar. Andere Händler nannten Grössenordnungen von mehreren 10 Millionen Dollar. In den USA müssen nur 2 Prozent der gehandelten Währungssumme tatsächlich abgedeckt sein. Die Kundenverluste, die über die Einlagen hinaus gehen, müssen vom Händler ausgeglichen werden.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von WALTER Häcki, 6390 Engelberg
    Ich hatte schon vor Weihachten erwartet, dass die NB den Mindestkurs aufgibt, weil er nicht mehr ohne grosse Gefahren halten war. Aber die Direktion der NB hat es auch bezüglich Timing goldrichtig gemacht, zuerst die guten News und bevor Bund und Kantone zu gierig wurden, zu Jahresbeginn die notwendigen Änderungen, weil zwar auf Vorrat gejammert, aber erst Ende Jahr abgerechnet wird. Und zwar in der ganzen Wirtschaft. Der Euro wird auf seinem Sandhügel einbrechen, weil die Politik versagte.
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  • Kommentar von Aldo Brändli, Altendorf
    Was soll's, ein paar Spekulanten weniger.
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  • Kommentar von Leander Eyer, Naters
    Niemand hat an einen schwächeren Franken gegenüber dem Euro geglaubt, dieser Kurs war ja durch die SNB fixiert. Es ist der USDCHF. Weil der Euro schwächer wurde und der Franken daran gekoppelt war haben alle darauf gewettet das der Franken gegenüber dem Dollar schwächer wird und sind Franken Short gegangen. Sie haben Franken vom Händler geliehen und diese verkauft, um sie später billiger zurückzukaufen. Jetzt haben sie nicht mehr genügend Dollar um die geliehenen Franken zurückzuzahlen.
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    1. Antwort von Romeo Zuber, Gozo
      Niemand spricht mehr von the fetten Gewinnen die die Händler eingestrichen haben, als der Franken vor 3 Jahren bis auf Parität ging, und sich ne golidge Nase verdient haben, bis die Anbindung kam. Die gleichen können ja jetzt die selben Gewinne benutzen, um Verluste zu tilgen. Geht wohl nicht mehr, da in den letzten 3 Jahren alles mit luxuriösem Lebenstiel verprasst wurde. Nach 7 Fetten Jahren kommen halt die 7 mageren Jahre Herr Händler.
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