Sorgenkind Schweizer Franken: Anstatt schwächer wird er stärker

Die Schweizer Wirtschaft hofft, dass sich der Franken zum Euro endlich abschwächt. Doch in den letzten Tagen ist er immer stärker geworden. Schuld ist die Europäische Zentralbank, wie Experten sagen.

Eine Waage mit Euro in der einen und Franken in der anderen Schale.

Bildlegende: Statt der erhofften 1,10 kostet ein Euro derzeit 1,03 Franken. Keystone

Der Franken ist nicht wie gehofft auf mindestens 1,10 pro Euro geklettert. Im Gegenteil: Er rutschte in den letzten Tagen in Richtung Parität ab. So ist ein Euro momentan im Devisenhandel bereits für gut 1,03 Franken zu haben. Das dürfte vor allem den Schweizer Export-Unternehmern, Hoteliers und Tourismusdirektoren Sorgen bereiten.

Der Grund für die Frankenstärke ist verschiedenen Experten zufolge allerdings vor allem jenseits der Grenze zu suchen. Der Euro ist schwach, nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch gegenüber andern wichtigen Währungen. Schuld daran ist die Europäische Zentralbank (EZB), die Tag für Tag mehrere Milliarden frische Euro in die Wirtschaft schleust.

Sähe sich die Schweizerische Nationalbank gezwungen, den Franken für in- und ausländische Anleger unattraktiver zu machen und ihn damit zu schwächen, stünden wohl zwei Massnahmen im Vordergrund. Einerseits könnte sie Fremdwährungen wie etwa Euro aufkaufen und Franken verkaufen. Andererseits könnte sie auch die verhängten Negativzinsen auf bundesnahe Betriebe ausweiten.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Der Franken stärkelt - wie lange noch, hängt auch von der Europäischen Zentralbank ab.

    Starker Franken - Gift für die Wirtschaft

    Aus Rendez-vous vom 14.4.2015

    Die Hoffnung der Wirtschaft, dass sich der Frankenkurs gegenüber dem Euro bei etwa 1.10 Franken einpendeln wird, scheint sich nicht zu bewahrheiten. Denn die Europäische Zentralbank flutet derzeit den Markt mit Euro, was wiederum den Schweizer Franken stärkt.

    Kann die Schweizerische Nationalbank etwas dagegen unternehmen?

    Thomas Oberer