Streamingdienst in Nöten Soundcloud kämpft ums Überleben

173 Mitarbeiter entliess das Unternehmen vergangene Woche. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht.

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Dunkle Wolken über Soundcloud

3:04 min, aus SRF 4 News aktuell vom 14.07.2017

Auf dem Job-Portal von Soundcloud ist noch alles beim Alten: Das Unternehmen wirbt mit seiner «offenen und freundlichen» Unternehmenskultur, seiner Nähe zur Musiker-Szene und seinen vier Standorten New York, Berlin, San Francisco und London. Einzige Auffälligkeit: Offene Stellen gibt es an keinem Standort.

Wer aber den neusten Blogeintrag von Gründer Alex Ljung liest, erhält ein anderes Bild. Um den Weg für «langfristiges und unabhängiges» Wachstum zu bereiten, müsse man Kosten einsparen, schreibt dieser. Das mache es nötig, 173 Mitarbeiter zu entlassen – also rund 40 Prozent der Belegschaft – und die Standorte in San Francisco und London zu schliessen.

Kein funktionierendes Geschäftsmodell

Jetzt bestätigte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zudem lediglich, dass die liquiden Mittel von Soundcloud bis zum Ende dieses Jahres gesichert seien. Wie die Situation danach aussieht, ist offenbar noch unklar.

«  Spotify ist viel weiter als Soundcloud und hat im vergangenen Jahr trotzdem einen Verlust von über einer halben Milliarde Dollar gemacht. »

Matthisa Heim
Wirtschaftsredaktor SRF

Zu schaffen machen Soundcloud die fehlenden Einnahmen. Zwar hat der Streamingdienst nach eigenen Angaben weltweit ungefähr 175 Millionen Nutzer, es ist dem Unternehmen aber noch nicht gelungen, daraus ein nachhaltig rentables Geschäftsmodell zu entwickeln. Das 2016 lancierte Bezahlmodell Soundcloud Go nutzen laut Mitgründer Eric Wahlforss die wenigsten Hörer.

Beliebt bei unabhängigen Musikern

Zudem bewegt sich Soundcloud auf einem hart umkämpften Markt. Mit Spotify, Apple Music, Amazon oder Google Play betreiben einige der grössten Unternehmen weltweit Streamingdienste.

Songs auf Soundcloud lassen sich ähnlich wie Tweets einbetten

Laut SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim zeigen die Probleme von Spotify zudem auf, wie schwierig es für Streamingdienste ist, mit Werbung und Abos Geld zu verdienen. «Spotify ist in diesem Bereich viel weiter als Soundcloud und hat im vergangenen Jahr trotzdem einen Verlust von über einer halben Milliarde Dollar gemacht», sagt er. Kaufangebote hatte Soundcloud in der Vergangenheit mehrfach ausgeschlagen.

Soundcloud unterscheidet sich von anderen Streamingdiensten dadurch, dass es seinen Nutzern erlaubt, selber Audiodateien hochzuladen. Es wird insbesondere von unbekannteren Künstlern und Musikern, die nicht bei einem Label unter Vertrag stehen, stark genutzt, ist aber auch für Podcasts und bei DJs beliebt.