Spanien und Frankreich können kurz verschnaufen

Die Euro-Zone rutscht nach Ansicht der EU-Kommission in diesem Jahr noch etwas tiefer in die Rezession als bisher angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte um 0,4 Prozent schrumpfen. Die EU-Kommission gibt Frankreich und Spanien indes mehr Zeit zum Sparen.

Die Wirtschaftslage im Euro-Raum entwickelt sich 2013 schlechter als prognostiziert. Die Entwicklungen in den einzelnen Euro-Ländern sind jedoch sehr unterschiedlich: Für Deutschland erwartet die EU-Kommission in diesem und im kommenden Jahr ein Wachstum von 0,4 beziehungsweise 1,8 Prozent. Im Krisenland Zypern soll die Wirtschaftsleistung hingegen in den beiden Jahren um insgesamt 12,6 Prozent einbrechen.

In Griechenland erwartet die EU-Kommission nach einem Minus von 4,2 Prozent in diesem für das kommende Jahr eine Rückkehr zum Wachstum mit 0,6 Prozent. Im Februar hatte die EU noch einen etwas geringeren Rückgang von 0,3 Prozent für die Euro-Zone erwartet. Auch bei den Aussichten Deutschlands ist die EU-Behörde inzwischen skeptischer: Die Prognose für das Wirtschaftswachstum wurde um ein Zehntel auf 0,4 Prozent gesenkt.

Mehr Zeit zum Sparen

Angesichts von Rezession und Massenarbeitslosigkeit bekommen Europas Defizitsünder mehr Zeit zum Sparen. So sollen Frankreich und Spanien jeweils zwei zusätzliche Jahre erhalten, um die Maastrichter Defizitgrenze von drei Prozent einzuhalten, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Die vom Sparkurs geplagten Länder Frankreich und Spanien erhalten mit der Fristerstreckung eine Verschnaufpause. SRF-Korrespondent Jonas Projer in Brüssel zeigt dies anhand des Beispiels Frankreich: «Das Land hätte schon dieses Jahr die Sparziele erreichen, also massiv sparen müssen. Frankreich und Spanien können sich nun aber zwei Jahre länger Zeit lassen. Das heisst: Sie müssen nicht während der schlimmen Rezession sparen, sondern während einer Zeit, in der die Wirtschaft wieder etwas an Schwung gewinnt.»

Gute Nachricht, schlechte Nachricht

Schlange vor Arbeitslosenamt

Bildlegende: Die Schlangen vor den Arbeitslosenämtern bleiben in Spanien auch künftig lang. Keystone

Für das kommende Jahr hat die EU-Behörde eine gute und eine schlechte Nachricht: Einerseits dürfte die Rückkehr zum Wachstum mit einem erwarteten Anstieg des Bruttoinlandprodukts von 1,2 Prozent im Euro-Raum gelingen. Andererseits soll die Arbeitslosenquote bei rund zwölf Prozent verharren und den privaten Konsum weiter dämpfen. «Wir müssen tun, was auch immer notwendig ist, um die Beschäftigungskrise in Europa zu überwinden», erklärte EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Sorgen macht der EU-Kommission, dass die Wirtschaft nicht auf Touren kommt. «Die ganze EU muss sich fühlen wie in einem Tunnel: Man sieht zwar das Licht. Aber je mehr man auf dieses Licht zufährt, desto länger scheint der Tunnel zu werden», sagt Jonas Projer.

Hohe Arbeitslosigkeit

In mehreren Staaten liegt die Arbeitslosenquote weit über zehn Prozent, In Spanien und Griechenland wird sie laut EU in diesem Jahr auf 27 Prozent klettern.

Die hohe Arbeitslosigkeit in einigen Mitgliedsstaaten könne den sozialen Zusammenhalt gefährden und ein Dauerphänomen werden, wenn Reformen ausbleiben sollten, warnte die Kommission.

Weniger Arbeitslose in den USA

Die US-Wirtschaft hat im April unerwartet viele Stellen geschaffen und die Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gedrückt. 165'000 Menschen fanden Arbeit. Die Quote sank damit von 7,6 auf 7,5 Prozent. Sie liegt aber noch deutlich über dem Schnitt der vergangenen 60 Jahre von rund 6 Prozent.