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Wirtschaft Spreewaldgurken für das deutsche Heimatgefühl

Nirgends in unserem Land haben sich so viele Deutsche niedergelassen wie im Grossraum Zürich. Sie sind wichtige Arbeitskräfte. Und wichtige Konsumenten. Das ist auch den Detailhändlern nicht entgangen.

Ein Kunde läuft am Milchprodukteregal vorbei.
Legende: Die deutschen Kunden freuen sich über deutsche Lebensmittel im Schweizer Detailhandel. Keystone

Spreewald Saure Gurken, Erasco Linseneintopf, Pfanni Kartoffel Püree; mehr als 100 Namen umfasst die Liste der deutschen Produkte, die die Migros Zürich seit diesem Sommer anbietet: «Die Migros Zürich hat festgestellt, dass sich unsere Kunden aus Deutschland diese Produkte wünschen. Sie verbinden sie mit ihrer Kindheit und lösen in ihnen positive Gefühle aus. Sie sind froh, diese Produkte nun auch bei uns zu finden», sagt Migros-Sprecher Andreas Reinhart in der Migros-Filiale in Zürich Oerlikon.

Und die Migros hat ihr neues deutsches Angebot intensiv beworben: «Hilda liebt die Schweizer Berge – und saure Gurken vom Spreewald», hiess es zum Beispiel in einem Inserat.

Oder «Uwe liebt Schweizer Cervelats – und den süssen Hausmachersenf». «Da haben wir uns überlegt, wie sieht der Deutsche aus, wie heisst er und welche Produkte sind ihm vertraut. So ist das dann entstanden», sagt Reinhart.

Gute Verkaufszahlen

Die Verkaufszahlen seien gut, sagt Migros-Zürich-Sprecher Reinhart. Und tatsächlich, zeigt sich auf Nachfrage, die Werbebotschaft scheint die Kundinnen erreicht zu haben, und nicht nur die Deutschen: «Das find ich super, weil sie gut sind. Gurken und Salzbrezeli. Das ist eine gute Idee und Integration», sagt eine Schweizerin.

Allerdings spätestens an der Kasse merken gerade die deutschen Kunden, dass sie halt doch nicht zu Hause sind: «Es ist im Verhältnis zu Deutschland zu teuer. Es kostet mehr als das Doppelte.»

Mehr noch als an den deutschen Traditionsprodukten, hängt der deutsche Gaumen allerdings an etwas anderem: «Ohne Brot und ohne Brotvielfalt fehlt ihnen was und das ist natürlich eine Marktlücke, die sich hier jetzt schön schliesst», sagt Nasli Morisek, Verkäuferin in einer Filiale der Zürcher Bäckerei-Kette Buchmann in Neu-Oerlikon – einem Wohn- und Geschäfts-Quartier mit besonders hohem Deutschen-Anteil, in den letzten Jahren aus dem Boden gestampft, dort, wo früher Waffen geschmiedet und Lokomotiven gebaut wurden.

Die Bäckerei, in der die gebürtige Berlinerin arbeitet, hat jeden Wochentag ein anderes, typisch deutsches Brot im Sortiment. Denn das deutsche Brot sei anders: «Grundsätzlich dichter, schwerer, vom Aroma her eher wie ein Brot aus Sauerteig.» Das Schweizer Brot sei luftiger, erinnere die Deutschen eher an Brot aus dem mediterranen Raum.

Brot-Nation Deutschland

Dass für die Deutschen Brot sehr wichtig ist, zeigt eine Tatsache: Sie sind mit 85 Kilogramm pro Kopf und Jahr Europameister im Brotessen.

 Kein Wunder freuen sich die Kunden über das Angebot dieser Zürcher Bäckerei: «Wenn man im Ausland leben muss, und etwas wiedererkennt von zu Hause, fühlt man sich einfach wohl. Das ist ein Stück Heimat,» sagt eine Kundin, die seit einem halben Jahr in Zürich lebt.

Und was beim Brot klappt, kann auch bei Saurer Gurke und Butterkeks nicht falsch sein. Denn Integration geht ganz offensichtlich auch durch den Magen. (basn)

Sendung zum Thema

Die Deutschen und wir - Sondersendung «Echo der Zeit» am Dienstag, 18.12.2012 um 18 Uhr auf Radio SRF 1 und Radio SRF 4 News.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Henri Audure, Universität Mannheim
    Ich bin neidisch auf das Brot der anderen. Mfg B. Hamster
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  • Kommentar von Hanna Schuster, Lüdenscheid
    Das ist aber nett von der Migros :-) Ja, über Schweizer Brot in Deutschland würde ich mich auch sehr freuen! Auf Dauer ist der Unterschied wirklich gravierend. Ich habe deswegen mit Backen angefangen, weil ich das deutsche Brot manchmal einfach nicht mehr essen kann. Wenn man dauerhaft in einem anderem Land wohnt, gewöhnt man sich an vieles. Aber vieles vermisse ich einfach immer noch - und bringe z.B. so viel Bündner Fleisch über die Grenze, wie nur irgendwie geht :-)
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Den deutschen Brotliebhabern in der CH empfehle ich mal Pain de seigle AOC aus dem Wallis (Walliser Roggenbrot). Pain des seigle avec le beurre, un vrai régal! Oder mit Assiette valaisanne, dazu Vin du Valais. Himmlisch auch die Walliser Aprikosen. Und: Walliser Raclette mit Herdöpfel- einfach umwerfend! Wozu dieses importierte Zeugs aus der BRD, wenn doch einheimische Produkte viel besser schmecken und zumeist auch noch höherwertige Qualität aufweisen? En Guete!
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    1. Antwort von B.Hamster, Hannover
      Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Das was Sie hier anpreisen kostet für zwei Personen mindestens 200 CHF. Ähnliche Lebensmittel gleicher Güte kriegt man beim Aldi für einen Bruchteil dieses Geldes. Also lassen Sie den Deutschen ihre Freude mit ihren Marken und den Eidgenossen ihre Freude beim Einkaufen in Deutschland. Wovon ernähren Sie sich eigentlich im feindlichen Ausland, respektive Augsburg ?
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    2. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      Mein lieber Freund und Kupferstecher, 100 CHF/Person für das o.g. würde wohl eher krankmachende Fressgelüste mit nachfolgender Übelkeit bedeuten. Noch nie habe ich es geschafft, mehr als 50 CHF/ Mahlzeit zu verfressen, ausser man geht in Gourmettempeln in der Talschaft exquisit dinieren. Besuchen Sie doch mal abgelegene Ortsbeizen in nicht tourismusverseuchten Südwalliser Tälern. Wovon ich mich im exilianten A. ernähre? Von regionalem Bio, versteht sich. Einen freundlichen, Herr Anonym.
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