Stabilitätsbericht der SNB: Mahnende Worte an Grossbanken

Das internationale Umfeld für den Schweizer Finanzmarkt hat sich in den letzten zwölf Monaten zwar verbessert, aber die Risiken bleiben beträchtlich. In ihrem neusten Stabilitätsbericht mahnt die Schweizerische Nationalbank vor allem die Grossbanken, ihre Kapitalpolster zügig weiter aufzustocken.

Die Schweizerische Nationalbank, davor stehen zwei Kräne.

Bildlegende: Trotz leichter Aufwärtstendenz: Die Stabiliiserungs-Arbeiten am Schweizer Finanzplatz halten an. Keystone

Geht es um die Stabilität des Schweizer Finanzplatzes, stehen die beiden Grossbanken unweigerlich im Fokus. UBS und Credit Suisse haben – laut dem jüngsten Stabilitätsbericht der Nationalbank – ihre Kapitalpolster in den letzten zwölf Monaten zwar weiter aufgestockt; sie hätten dabei aber Punkto Tempo nachgelassen.

Entsprechend mahnt die Nationalbank nun die beiden Grossbanken, ihre Sicherheitspolster zügig weiter aufzustocken und verweist auf den Bund: der dürfte die Kapitalvorschriften für die Grossbanken schon bald ohnehin weiter verschärfen.

SNB mahnt zu Zurückhaltung bei Hypotheken

Sorgen macht sich die Nationalbank auch über den Schweizer Immobilienmarkt. Die rekordtiefen, ja gar negativen Zinsen würden noch mehr Leute ins Wohneigentum drängen. Die Nationalbank warnt die Banken davor, Hypotheken zu leichtfertig zu vergeben.

Sie sollten vielmehr stets bedenken, dass die Zinsen und damit die Hypothekarkosten für die Hauskäufer früher oder später wieder steigen werden. Die Nationalbank prüft, den so genannten Kapitalpuffer bei Bedarf weiter zu verschärfen, um die Hypothekarvergabe zu bremsen.

Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Barbara Widmer

«Zum Teil ist es ihr eigener Entscheid, Negativzinsen zu verhängen, der der Nationalbank Bauchschmerzen bereitet. Hypotheken sind billiger geworden und immer mehr Leute mit nicht allzu grossen Einkommen nehmen nun Hypotheken auf. Mit tiefen Zinsen ist die Tragbarkeit kein Problem. Aber wenn sie steigen, oder allenfalls die Häuserpreise ins Rutschen geraten, könnte sich das ändern: Hypotheken könnten nicht mehr bedient werden, Zahlungsausfälle die Banken belasten. Und schwache Banken sind ein grosses Risiko für die Schweizer Wirtschaft. Der Handlungsspielraum der SNB, um Gegensteuer zu geben, ist allerdings sehr beschränkt. Sie kann die Zinsen nicht erhöhen, weil sonst der Franken noch stärker würde. Aber sie kann warnen – und prüft nun den so genannten anti-zyklischen Kapitalpuffer zu verschärfen. Das heisst: Die Banken müssten die Hypothekar-Kredite, die sie vergeben, mit zusätzlichen Reserven unterlegen. Das könnte ihnen den Risiko-Appetit vergellen und so den Banken- und Finanzplatz stabiler machen.»