Starker Franken bremst Exporte

Vor einem halben Jahr hat die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgegeben. Mit der Folge, dass Schweizer Produkte in der Eurozone auf einen Schlag viel teurer wurden. Die neusten Zahlen zeigen nun: Die Exporte brachen im ersten Halbjahr um 2,6 Prozent ein.

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Starker Franken drückt auf Exporte

1:19 min, aus Tagesschau vom 21.7.2015

Im ersten Halbjahr 2015 nahmen die Exporte der Schweizer Wirtschaft um 2,6 Prozent auf rund 100 Milliarden Franken ab. In der gleichen Vorjahresperiode hatten die Exporte rund 103 Milliarden Franken betragen. Dies teilte die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) mit.

Problem: Starker Franken

Durch die Aufgabe des Euro-Mindestkurses am 15. Januar hatten sich Schweizer Produkte in Ländern mit der europäischen Gemeinschaftswährung auf einen Schlag verteuert. Darauf reagierten viele Exporteure mit Preissenkungen, weil sie andernfalls einen Nachfragerückgang befürchteten. Entsprechend sackte der Wert der Ausfuhren nach Europa im ersten Semester um 6 Prozent ab. In Nordamerika und Asien zog die Nachfrage hingegen um 5 beziehungsweise 3 Prozent an. Der Grund: Die Geschäfte in diesen Regionen werden in Dollar abgewickelt, der gegenüber dem Franken seinen Wert behalten hat.

Mit 57 Prozent fliesst ein Grossteil der Exporte aber weiterhin nach Europa. Der Umsatz mit Schweizer Produkten verringerte sich etwa in Österreich um 14 Prozent und in den grossen Volkswirtschaften wie der Niederlande, Italien, Deutschland und Frankreich um zwischen 6 und 10 Prozent.

Plus bei Bijouterie- und Juwelierwaren

Eine klare Mehrheit der Branchen wies rückläufige Preise und niedrigere Umsätze aus. Deutlich waren die Einbussen bei der Papierindustrie, aber auch in der wichtigen Maschinen- und Elektroindustrie. Gegen den Trend konnten die Uhren-Hersteller ihre Verkäufe steigern.

Nicht nur die Exporte, sondern auch die Importe brachen im ersten Halbjahr um 7,4 Prozent auf 82,5 Milliarden ein. Hier zeigen sich die Vorteile des starken Frankens: die Importe wurden billiger. Schweizer Unternehmen können etwa Rohstoffe oder Halbfabrikate günstiger im europäischen Ausland einkaufen.

Juni im Plus

Der Monat Juni profitierte im Vergleich zum Vorjahr von zwei zusätzlichen Arbeitstagen und zeigte sich entsprechend positiv. Die Exporte nahmen um 5,9 Prozent auf 17,91 Milliarden Franken zu. Dynamisch wuchs dabei der Absatz in Nord- (+ 29 Prozent) und Lateinamerika (+ 17 Prozent).