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Wirtschaft Starker Franken, turbulentes Griechenland - wo steht die Swiss?

Billige Plätze, hohe Frankenkosten und ein florierendes Griechenland-Geschäft – das bewegt Harry Hohmeister. Am «Sommertalk» heute Morgen gab sich der Swiss-CEO optimistisch. Und dies, obwohl die Margen der Branche unter Druck sind und die Aktien der Lufthansa über die letzten Monate gesunken sind.

Legende: Video Warum spürt der Swiss-Kunde nichts vom tiefen Ölpreis? abspielen. Laufzeit 0:52 Minuten.
Vom 09.07.2015.

Erst vor kurzem enthüllte die Swiss ihre neusten Pläne für die Langstreckenflotte. Diese wird ab 2016 mit neun Boeing 777-300ER – der «Triple Seven» – erneuert. Dafür investiert die Schweizer Fluggesellschaft drei Milliarden Dollar. Kann sie sich das leisten?

Neue Technologien, neue Preiskonzepte, neue Produkte

«Ja», sagt Harry Hohmeister beim «Swiss Sommertalk» am Swiss-Hauptsitz. Wie sieht er die Zukunft des Fluggeschäfts und der Swiss? Der Swiss-Chef geht davon aus, dass der globale Flugverkehr fünf bis sechs Prozent pro Jahr wächst. Gleichzeitig sei die Branche volatiler geworden. Das Management müsse deshalb «schnell reagieren» können.

Konkreter wird Hohmeister erst, als er auf die unter starkem Druck stehenden Margen im Flugverkehr angesprochen wird:

  • Erstens könne man dem Druck mit neuen Technologien begegnen. Mit der «Triple Seven» etwa könne man über 20 Prozent günstiger fliegen, als mit der vorherigen Flugzeug-Generation.
  • Zweitens müsse das Produktlayout so produziert werden, wie es der Kunde wolle. Der Anspruch der Kunden steige stetig. Die Swiss will also in die Kundensegmente investieren, die für sie interessant sind.
  • Drittens müsse sich die Swiss dort anpassen, wo nur noch der Preis im Vordergrund steht – mit neuen Preis- und vielleicht auch neuen Servicekonzepten. Erst kürzlich hat die Swiss sogenannte «bundled fares» im Europa-Markt eingeführt. Nun gibt es Tickets, in denen nur noch das Handgepäck inbegriffen ist, die aber billiger sind (siehe «Verwandte Artikel»).

Der Heimmarkt «läuft»

Wie geht die Swiss damit um, dass sich die Dollar- und Euroeinnahmen im Verhältnis verringert haben, die Kosten in Schweizerfranken aber hoch geblieben sind? Gemäss Hohmeister will die Swiss ihre Kapazitäten stärker auf den Schweizer Markt steuern. Gleichzeitig müssten sie noch stärker auf die Kosten schauen – etwa bei den Tarifverhandlungen.

Kurz: man komme nicht zur Ruhe. Hohmeister ist dennoch optimistisch – auch trotz den Kursverlusten der Lufthansa-Gruppe in den letzten Monaten. Die Lufthansa-Gruppe sei, im Zentrum der Wirtschaft Europas, gut aufgestellt. «Die deutsche Lokomotive läuft», so Hohmeister. Die beiden anderen Heimmärkte der Lufthansa-Gruppe, die Schweiz und Österreich, würden ebenfalls laufen.

Bargeld für Piloten nach Griechenland?

Das Griechenland-Geschäft laufe «sehr, sehr gut». Die Swiss habe eine Taskforce gebildet, die nicht nur die Verkehrsströme, sondern auch die Zahlungsströme anschaue. Bis jetzt würden diese aber normal fliessen. Von Kapitalverkehrskontrollen sei die Swiss noch nicht betroffen, sagt Hohmeister.

Piloten mit Destination Griechenland müssten also noch kein Bargeld mitnehmen. Ein Pilot der «Edelweiss-Air» sagte am Mittwoch gegenüber «Blick am Abend» aus, dass er bei einem Flug nach Griechenland gut 10 000 Euro dabei haben müsse. Dies, um allenfalls Kerosin, Handling oder Landetaxen bezahlen zu können.

In der Regel seien solche Massnahmen eher für Fluggesellschaften nötig, die kleinere Destinationen anfliegen, etwa griechische Inseln, glaubt Hohmeister. Edelweiss fliegt die Inseln Santorini und Mykonos an.

Doch auch Swiss fliegt nebst Athen und der zweitgrössten griechischen Stadt Thessaloniki mit Kreta und Zakynthos Inseln an. Entscheidender mag deshalb das Argument sein, dass die Swiss innerhalb des grossen Lufthansa-Konzerns «noch in der Lage ist, das anders zu regeln», wie Hohmeister sagt.

Swiss-Chef Harry Hohmeister

Swiss-Chef Harry Hohmeister hinter Mikrofon
Legende: Keystone

Hohmeister ist seit 1. Juli 2009 CEO der Fluggesellschaft Swiss, bei der er bereits seit 2005 in der Geschäftsleitung tätig ist. Seit 2007 ist die Swiss ein 100prozentiges Tochterunternehmen der Deutschen Lufthansa.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Josef Schuler, Schwyz
    Leider ist die Swiss nicht mehr "SCHWEIZERISCH". Was einem noch an Service geboten wird ist nicht annähernd mehr "Schweizer Gastfreundschaft". Ecco und Business, egal. Nach dem Essen wird man nur noch Schnippisch gefragt: "Fertig?", Am telefonischen Kundendienst kann man nur noch Englisch, sie könne kein Deutsch. In der Swiss Lounge am Eingang wird man mit "Next" empfangen und drin sind Privatgespräche wichtiger als Abräumen. Freundliche und konstruktive gemeinte Mails werden nicht beantwortet.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die Swiss ist nicht mehr unsere Fluggesellschaft. Was soll uns das Ganze noch kümmern?
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    1. Antwort von Niklaus Bächler, zur Zeit in Afrika
      Werte M. Zelger, die Swiss hat noch unsere Flagge auf der Henkflosse & damit bin ich auch heute noch mit dieser Fluggesellschaft verbunden. Ich erinnere sie daran, dass unfähige Schweizer Manager den «Nationalstolz» ruiniert haben. Nur mit Hilfe von fähigen EU-Managern haben wir heute noch ein CH-Kreuz in der Luft! Wenn sie so denken müssen sie VIELE vermeintliche CH-Produkte abschreiben, da sie längst «globalisert» sind. Willkommen in der vernetzten Neuzeit, ist doch nicht so schlecht, oder?
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    2. Antwort von diego bartholi, winterthur
      frau zelger will eben ein goldenes sünneli auf grünem hintergrund sehen.
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    3. Antwort von P.Fetz, Zürich
      Ohne Schweizer Kreuz und den Namen Swiss hätte die Lufthansa diese Airline nicht gekauft! Ich bin nicht stolz dass immer mehr Schweizerfirmen verkauft werden, denn mit der Zeit schaadet das der Schweiz bei Swiss Made und Quallität!
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