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Wirtschaft Starker Tobak aus der Schweiz

2013 exportierten hiesige Hersteller Zigaretten für über eine halbe Milliarde Franken. Dies liege am Qualitäts-Label «Made in Switzerland», sagen die Firmen. Doch es steckt mehr dahinter: Das Gesetz erlaubt ihnen, stärkere Zigaretten zu produzieren als in der EU – ein Wettbewerbsvorteil.

Zigaretten in Nahaufnahme
Legende: 2013 exportierte die Schweiz Zigaretten im Wert von 520 Mio. Franken. Colourbox

Vergangenen Freitag nahm der internationale Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) in seiner Fabrik im jurassischen Boncourt an der Grenze zu Frankreich seine renovierte Produktionsstätte in Betrieb. Gleichzeitig wurde der 200. Jahrestag der Tabakproduktion in der Schweiz gefeiert: Es war 1814, als der französische Kaiser Napoleon das Tabakmonopol errichtete und daraufhin der Unternehmer Martin Burrus aus dem Elsass nach Boncourt floh. Dort legte er den Grundstein für ein Unternehmen, das sechs Generationen lang in Familienbesitz bleiben sollte.

Zielmärkte vor allem Mittlerer Osten und Asien

Was vielen nicht bewusst ist: Die Schweiz ist eine grosse Exporteurin von Zigaretten. Vergangenes Jahr betrug der Wert der exportierten Zigaretten 520 Mio. Franken. Zum Vergleich: Beim Käse waren es nur 50 Millionen Franken mehr. Die Ausfuhren gehen vor allem in Länder des Mittleren Ostens und nach Asien. BAT, mit 450 Beschäftigten wichtigster Arbeitgeber der Region, verweist auf die hohe Qualität der in der Schweiz produzierten Zigaretten. «Die Realität ist, dass wir sehr gute Produkte herstellen müssen für Konsumenten, die das ‹Made in Switzerland› lieben. Und das ist der Grund, weshalb wir hier sind», sagt Jean-Marc Lévy, Marketing-Chef des Konzerns gegenüber «ECO».

Doch das erklärt den Erfolg nur zum Teil. Dank weniger strenger gesetzlicher Auflagen dürfen die hiesigen Hersteller stärkere Zigaretten produzieren, was den Teer- , Nikotin- und Kohlenmonoxid-Gehalt betrifft, als die Europäische Union erlaubt. In den Verhandlungen über ein Gesundheitsabkommen mit der EU ist der Bundesrat vom Parlament ausdrücklich damit beauftragt worden, diesen Wettbewerbsvorteil zu erhalten. Sollte die Schweiz ihre höheren Grenzwerte der EU anpassen müssen, würde das die Schweizer Tabakbranche empfindlich treffen.

Staat zeigt zwei Gesichter in der Tabak-Politik

Der Staat verhält sich widersprüchlich: Einerseits unterstützt er die Tabakbranche, anderseits engagiert er sich in der Prävention. So alimentieren Raucher beim Kauf eines Päckchens Zigaretten gleichzeitig zwei Fonds: Der eine unterstützt Massnahmen gegen das Rauchen, der andere subventioniert Tabakbauern. Mit dem Hauptteil der Tabakbesteuerung werden AHV und IV finanziert: 2013 erhielten sie 2,3 Mrd. Franken.

Legende: Video Verena Diener zur Schweizer Zigaretten-Produktion abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Vom 26.05.2014.

Für die grünliberale Zürcher Ständerätin Verena Diener gehört diese Widersprüchlichkeit zum Konsum von Genussmitteln. Bezüglich der stärkeren Zigaretten, die die Schweiz produziert, schiebt sie im Interview mit «ECO» die Karte den Herstellern zu: «Die stärkeren Zigaretten sind einfach auch für die Gesundheit schädlicher. Da muss ich sagen: Die Tabak-Industrie nimmt ihre Verantwortung aus meiner Optik nicht wahr.» Sie hält es aber nicht für den richtigen Weg, hier von Schweizer Seite einzuschreiten. «Die Länder müssten für eine Gesetzgebung sorgen, mit der man solch starke Zigaretten gar nicht importieren kann.»

Widersprüchlichkeiten zeigt auch der Entwurf zum neuen Tabakproduktegesetz: So soll es Tabakfirmen verboten werden, Anlässe mit internationaler Ausstrahlung zu sponsern. Hingegen soll Sponsoring von Anlässen wie Open Airs weiterhin erlaubt sein. Letzte Woche hat der Bundesrat das neue Tabakproduktegesetz in die Vernehmlassung geschickt. Spätestens 2019 soll das Gesetz in Kraft gesetzt werden.

Wichtigste Zigaretten-Exportländer für die Schweiz (2013)

Menge (t)Anzahl Zigaretten (Mrd. Stück)Wert (Mio. Fr.)
Japan91009,3156
Bahrain31003,664
Libanon23002,743
Israel23002,535
Saudi-Arabien21002,458
Marokko12001,425
Vereinigte Arabische Emirate8000,920
GESAMTHANDEL26'40028,9520
Quelle: EZV

Interview: Katrin Freiburghaus

Zigaretten aus der Schweiz

In der Schweiz produzieren drei Konzerne Zigaretten: Philipp Morris (Marken Marlboro, L & M u. a.) und British American Tobacco aus den USA (Marken Lucky Strike, Parisienne u. a.) sowie das asiatische Unternehmen Japan Tobacco International (Marken Camel, Winston u. a.).

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6 Kommentare

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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Tja die Grünen wollen Hasch legalisieren und Fixerstübli eröffnen aber dann das Rauchen verbieten weil es "gesundheitsschädlich" ist. Sowas kann man doch nicht ernst nehmen
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    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Konnte man die Grünen, oder generell Politiker, jemals ernst nehmen...??
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  • Kommentar von Theodor Himmel, Chur
    Einfach nur traurig. Um so mehr trifft es mich, da gerade jemand aus meiner Familie (war leider Kettenraucher) an Lugenkrebs erkrankt ist. Wohl unheilbar. Lieber arbeitslos und sozialhilfeabhängig als in einem Berufsfeld arbeiten, wo man in erster Linie Tod oder Leid in die Welt bringt. Entschuldigung, aber kein Respekt vor Zuhältern, Drogendealern, Waffen- und Zigarettenherstellern. Schämt euch. Man muss nicht alles für Geld machen!
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    1. Antwort von C. F., Saanen
      Solche Diagnosen sind traurig und ein Schock, mein Beileid. Bitte verteufeln Sie aber nicht eine ganze Branche, welcher wir grossen Wohlstand zu verdanken haben in diesem Land. Wir verkaufen in unserer Familie selber bereits in der dritten Generation hochwertige Tabakwaren (Grossvater = starker Raucher = wurde 88 bei guter Gesundheit) Rauchen sollte als Genuss verstanden werden. Erst der erlesene Tropfen Wein, das gute Essen und eine feine Zigarre danach machen für mich ein Leben zum Genuss.
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    2. Antwort von R. Pöber, Basel
      ...schon merkwürdig. Die CH ist überall dort anzutreffen, wo es nicht so gut tut: Waffenindustrie/-Export, Bankenwesen mit suboptimal versteuerten Geldern von u.a. nicht so Netten (Herrschern) aus der ganzen Welt, Zigarettenindustrie/-Export etc. Merke aber: Die wenigsten Raucher sterben an Lungenkrebs, aber die meisten, die an Lungenkrebs sterben, haben geraucht!!!
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    3. Antwort von D King, Dublin
      @Theodor Himmel, Chur Ich verstehe Sie vollkommen,ich bin nichtraucher. Aber nicht die Zigarette toetet, sondern nur der Mensch, sich und andere durch uebergenuss: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“ ( Schweizer Arzt, Alchemist, Mystiker und Philosoph Paracelsus A.D.1493–1541).
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