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Stellenabbau in Genf ABB stellt Unia ein Ultimatum

Seit vier Tagen protestieren die Angestellten von ABB Sécheron in Meyrin (GE) gegen den Abbau von 150 Stellen, die nach Polen verlagert werden sollen. Remo Lütolf, CEO von ABB Schweiz, hat gegenüber «Schweiz aktuell» exklusiv Stellung genommen.

Legende: Video ABB stellt Unia Ultimatum abspielen. Laufzeit 04:18 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.11.2017.

SRF: Der Kanton Genf hat über 11 Millionen Franken in Produkte der ABB investiert. Jetzt, nachdem Sie die Technologien entwickelt haben, gehen Sie ins günstigere Ausland?

Remo Lütolf: Wir erhielten 15 Millionen Franken für die Lieferung von 13 Schnellladestationen und das Equipment von 12 Bussen, die wir der Firma Hess liefern. Ansonsten floss kein einziger Franken in die ABB, den man als Subventionierung oder Fördergeld bezeichnen könnte.

Sie wollen nicht direkt mit den Genfer Behörden über die Firmenrestrukturierung verhandeln. Weshalb?

Wir haben in unserem Gesamtarbeitsvertrag einen Lösungsprozess mit den Sozialpartnern definiert. Da ist festgehalten, wie solche Verhandlungen zu führen sind, und da ist weder eine Involvierung der Gewerkschaft noch eine der Regierung vorgesehen.

Sie stellen der Gewerkschaft Unia bis heute um Mitternacht ein Ultimatum, damit diese die Fabrik verlässt. Was, wenn das nicht passiert?

Protestierende Arbeiter mit einem Transparent.
Legende: Seit vier Tagen protestieren die Angestellten von ABB Sécheron in Genf gegen den Stellenabbau. SRF

Erstens haben wir Sicherheitsmassnahmen getroffen, haben die «Löcher» in dem ziemlich offenen Gelände geschlossen. Zweitens machen wir die Unia darauf aufmerksam, dass sie Hausfriedensbruch begeht.

Das ist ein offizielles Delikt, das wir allenfalls bei der Polizei anzeigen. Stellen Sie sich vor, irgendjemand von der Strasse kommt in Ihr Wohnzimmer, sitzt ab und sagt, jetzt will ich mit Ihnen diskutieren, bis eine Lösung da ist. Das geht einfach nicht.

Irritation bei der Unia

Alessandro Pelizzari.
Legende: Alessandro Pelizzari, Unia Genf. SRF

Die Unia und das Personal von ABB Sécheron begrüssten die konstruktiven Verhandlungen. Eine Delegation des Personals sowie der ABB-Direktion und einem Vertreter von Swissmem hätten sich zu Verhandlungen getroffen, teilte die Unia in einem Communiqué mit.

Mit dem Ultimatum von ABB-CEO Lütolf konfrontiert, zeigt sich der Genfer Unia-Sekretär Alessandro Pelizzari überrascht.

Er höre von diesem Ultimatum zum ersten Mal, sagte Pelizzari: «Wir sind einerseits in einem Konsultationsverfahren auf der Seite der Arbeitnehmer, was durchaus gesetzlich und gesamtarbeitsvertraglich geregelt ist. Andererseits haben wir heute den ganzen Morgen lang im Betrieb mit der ABB Verhandlungen geführt. Wir wurden von der ABB eingeladen, hier zu sein – deshalb verstehe ich nicht ganz, weshalb wir gleichzeitig drinnen verhandeln sollen, aber man uns draussen haben will.»

Das Gespräch führte Marc Meschenmoser.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    die ABB hat schon merhfach bewiesen, sie verhält sich nicht anders als es im genom von juristischen personen halt so ist, gewinnorientiert. mitarbeiterInnen sind jederzeit austauschbar. erfahrung, fähigkeiten und fertigkeiten. sind vorhanden. es könnte sinn machen 'neue wege' zu wagen. beispiel die belegschaft von modragon, wie sind die aus der sackgasse gekommen?
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    die ABB hat schon merhfach bewiesen, sie verhält sich nicht anders als es im genom von juristischen personen halt so ist, gewinnorientiert. liebe mitarbeiterInnen ihr seid jederzeit austauschbar. ihr habt erfahrung, fähigkeiten und fertigkeiten. schaut, dass ihr zum eigenen betrieb kommt. schaut, wie es die belegschaft von modragon et all. es gemacht haben. verliert nicht all zu viel zeit mit unverbindlichem geplänkel mit der konzernleitung.....
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    'Stellen Sie sich vor, irgendjemand von der Strasse kommt in Ihr Wohnzimmer' ich denke nicht, dass ein betrieb einem privaten haushalt gleichzusetzten ist. beim nächsten mal dran denken, liebe orte, bevor ihr steuergeschenke und sonstige kapriolen macht, um attraktiv zu sein: ein konzern gibt, ein konzern nimmt und zwar meistens um ein mehrfaches als er gegeben hat. denn globalisiert heisst nichts anderes, mal da mal dort, wie's grad rentiert.
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