Stellenabbau trifft zuerst Temporärangestellte

Der Frankenschock führt in vielen Branchen dazu, dass Stellen eingespart werden. Abgebaut werden die Festangestellten, aber nicht nur. Häufig sind es Temporärangestellte, die als Erste gehen müssen.

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Bildlegende: Temporärangestellte werden sich vermehrt auf der Arbeitsvermittlung melden müssen. Keystone

Gut 300'000 Menschen arbeiten in der Schweiz temporär. Sie werden von einem Personalvermittler für eine bestimmte, kurze Zeit an Unternehmen ausgeliehen. Doch die Branche erlebt Turbulenzen, seitdem die Schweizerische Nationalbank vor elf Monaten die Euro-Franken-Untergrenze aufgehoben hat. Firmen haben Temporärstellen gestrichen. Das ist sozusagen eine der ersten Massnahmen, um die Kosten zu senken.

Das ist auch den Gewerkschaften nicht entgangen, wie Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, erklärt: «Wir beobachten, dass die Zahl der Temporärangestellten in den Betrieben sinkt.» Nach dem Frankenschock Anfang Jahr waren Temporärangestellte kaum mehr gefragt, wie Zahlen von Swiss-Staffing, dem Verband der Personalvermittler, zeigen. Die Branche sackte zeitweise um fast 10 Prozent ab.

Wenig Buchungen aus der EU

Nach einer moderaten Erholung im Sommer ziehen am Horizont wieder dunkle Wolken auf. Im neusten Branchen-Barometer von Swiss-Staffing wird für den Monat Oktober ein Minus von über 6 Prozent ausgewiesen. Und der Blick in die Zukunft verheisse keine Besserung, sagt Marius Osterfeld, Ökonom von Swiss-Staffing.

«Es ist der erste Winter ohne nennenswerte Buchungen aus dem EU-Raum. Das wird die Entwicklung in der Tourismusindustrie belasten», sagt er. Das bedeutet, dass im Schweizer Tourismus, einer der wichtigen Branchen für Temporärarbeit, im nächsten Winter Angestellte auf Zeit wohl weniger gefragt sein werden als in früheren Jahren.

Schliesslich, heisst es beim Verband der Personalvermittler, werden wohl noch etliche Industriebetriebe auf temporäres Personal verzichten, etwa Firmen aus der Maschinen-, Elektro- und Metallbranche, die wegen der billigeren Konkurrenz im Ausland stärker unter Druck geraten.