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Wirtschaft Strafzölle sind schädlich für die Wirtschaft

Die EU und China steuern auf einen Handelskrieg zu: Brüssel erhebt auf chinesische Solarprodukte Strafzölle, China seinerseits droht mit Gegenmassnahmen auf europäischen Produkten. Wem bringt das etwas? Ein Experte gibt Auskunft.

Ein als Chinese erkennbarer Mann schenkt französischen Wein in einen Plastikbecher ein.
Legende: Nach den EU-Strafzöllen auf Solargerät hat China eine Dumping-Untersuchung gegen europäische Weine eröffnet. Keystone

SRF: Sind Strafzölle wirklich geeignet, um die eigene Wirtschaft vor Unheil zu bewahren?

Rolf Langhammer: Ganz klar Nein. Strafzölle schädigen den Verbraucher, den Weiterverarbeiter der betroffenen Produkte und im vorliegenden Fall auch die Produzenten des Rohstoffes Silizium in der EU. Ausserdem rufen Strafzölle Gegenmassnahmen der betroffenen Partner hervor und sie fördern Nachahmer-Verhalten. Andere Sektoren werden ebenfalls einen speziellen Schutz verlangen.

Ist dieser Zwist zwischen Europa und China ein Zeichen dafür, dass der Protektionismus – also die Abschottung der eigenen Wirtschaft – generell zunimmt?

Protektionismus ist sehr vielschichtig und er zeigt immer neue Facetten. Es geht dabei nicht nur um Zölle. Es geht auch um Exportbeschränkungen, technische Standards, Gesundheitsstandards, Verbraucherschutz oder Umweltfragen. Wenn wir all dies in Betracht ziehen, müssen wir sagen, dass der Protektionismus in den vergangenen Jahren leicht zugenommen hat.

Was sind die Gründe für diese Zunahme?

Dafür gibt es zyklische und strukturelle Gründe: Zyklisch betrachtet ist es so, dass die Weltwirtschaft zurzeit lahmt. In der EU geht die Nachfrage zurück und es gibt Sorgen um Arbeitsplätze. Die strukturellen Gründe sind: Wir haben eine alternde Gesellschaft, in der Schutzmassnahmen, Schutz vor Konkurrenz und auch ein bisschen Fremdenangst eine grosse Rolle spielen.

Was denken Sie: Wird der Protektionismus in den nächsten Jahren eher zunehmen oder wird sich der Freihandel vermehrt durchsetzen?

Freihandel haben wir nie gehabt. Es gab in den vergangenen Jahren immer ein Auf und Ab mit Tendenz hin zu freierem Handel. Dies war vor allem technologischen Veränderungen zu verdanken. So sind etwa die Transportkosten gesunken oder es wurde einfacher, sich auf den Finanzmärkten den Handel finanzieren zu lassen. Ich glaube, dass auf der einen Seite die technologische Entwicklung weitergeht. Das wird den Handel weiter beflügeln. Auf der anderen Seite werden wir immer wieder staatliche Massnahmen haben, die protektionistische Tendenzen und Gegenmassnahmen auslösen können. Insgesamt bin ich aber optimistisch, dass der technologisch bedingte freiere Handel obsiegen wird.

Protektionismus löst normalerweise eine Spirale von Massnahmen und Gegenmassnahmen aus. So befürchten Experten etwa, China könnte seine Bestellungen von Airbus-Flugzeugen stornieren. Wie lassen sich solche Spiralen wieder stoppen?

Wenn das Wirtschaftswachstum wieder zunimmt, sich die Weltwirtschaft erholt, werden die Staaten auch eher dazu bereit sein, von solchen Massnahmen abzusehen. Ich glaube aber, dass eine sehr wichtige Rolle der internationale Kapitalverkehr spielt: Wenn es mehr gegenseitige Investitionen in den Ländern gibt, ist dies der Türöffner für offene Märkte. Die Investoren wenden sich in diesem Fall auf beiden Seiten gegen Protektionismus. Freier Kapitalverkehr bei Direktinvestitionen ist eine Art Versicherung gegen Protektionismus.

Das Gespräch führte Christian Weisflog.

Prof. Dr. Rolf Langhammer

Rolf Langhammer ist Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Während 15 Jahren (1997 – 2012) war er Vizepräsident des Instituts. Langhammer untersucht die Auswirkungen protektionistischer Massnahmen von Staaten.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Sascha Freitag, Ermatingen
    Eine gesunde europäische Wirtschaft bräuchte gar keinen Handel mit China. Aber so lange für den Grossteil der Konsumenten nur der Geiz zählt und für die Wirtschaft nur der maximale Profit wird sich an der Hackordnung nichts ändern. Die EU wird auch ein Handelsabkommen treffen mit China und so zerstören wir uns noch schneller in Europa.
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  • Kommentar von Nin Guna, Zürich
    es wird direkt von Protektionismus gesprochen. Dass die Strafzölle auch einen Grund haben könnten, da wird nicht gefragt. Wenn ein Staat einen Industriezweig so stark subventioniert, dass die weltweite Konkurrenz keine Chance hat mitzuhalten, dann muss die Politik eingreifen. Und wenn reden nichts mehr nützt, müssen halt auch härtere Massnahmen getroffen werden. Schade, aber man kann ja nicht nur immer zusehen, wie sich die einen nicht an die Spielregeln halten...
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