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Energiebranche im Umbruch Strom im Überfluss zieht Erzeugern den Stecker

Mit Strom lässt sich derzeit kaum Geld verdienen. Wie, warum und weshalb, wird eines der Hauptthemen des heutigen Stromkongresses sein, dem wichtigsten Anlass der Schweizer Branche. Kurt Rohrbach, Verbandschef der Schweizer Elektrizitätsunternehmen, versucht sich schon vorab in Antworten.

Legende: Video Stromwirtschaft unter Druck abspielen. Laufzeit 2:12 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.01.2017.

SRF-News: Mit Strom lässt sich derzeit kaum Geld verdienen. Warum?

Kurt Rohrbach: Der Strom ist immer billiger geworden, weil es nahezu weltweit eine Überproduktion gibt. Hinzu kommt, dass wir die Netze nicht so ausbauen konnten, wie wir das gern getan hätten – oft wegen Verfahrensfragen.

Was läuft falsch in der Energiebranche?

Zum einen sind die Strompreise in der Schweiz sehr tief und zum anderen wurden die Gewinne an die Gemeinden und Kantone weitergegeben – und jetzt sieht man, dass die Welt etwas teurer wird und das muss an die Kunden weitergegeben werden.

Die Förderung der erneuerbaren Energien hat zwar sehr viel gekostet, aber ein Grossteil davon ist schon bezahlt.

Sollten sich die Stromerzeuger von nichtprofitablen Teilen trennen?

Ich halte nichts davon, unrentable Kraftwerke jetzt einfach so zu verscherbeln. Man sollte sich – wenn man die Substanz hat und nicht zu stark verschuldet ist – in Geduld üben. Denn ein Grossteil der Abschreibungen wurde schon gemacht und irgendwann werden diese Kraftwerke auch wieder rentabel.

Inwieweit wird der Ausstieg aus der Atomenergie die Preise belasten?

Das Problem sehe ich nicht. Die Förderung der erneuerbaren Energien hat zwar sehr viel gekostet, aber ein Grossteil davon ist schon bezahlt. Und der Ausstieg wird geregelt vonstattengehen, so dass sich die Kosten diesbezüglich in einem vernünftigen Rahmen bewegen werden.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy

Bundesrat Parmelin: Schweiz muss sich auf Blackout vorbereiten

«Das Risiko eines Blackouts ist real». Das sagte Bundesrat Guy Parmelin am Stromkongress in Bern. Langanhaltende Stromausfälle oder auch Stromengpässe würden nicht nur die Sicherheit gefährden, sondern hätten auch weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen. Die Kosten für einen Blackout beliefen sich laut dem Verteidigungsminister – der auch den Bevölkerungsschutz verantwortet – auf zwei bis vier Milliarden Franken pro Tag. Deshalb soll sich die Schweiz laut dem Verteidigungsminister für einen möglichen Energie-Blackout wappnen. Die Sicherheitsverbundsübung im Jahre 2014 habe laut Parmelin zwar gezeigt, dass Bund und Kantone gut vorbereitet seien, um eine solche Krise zu bewältigen. Allerdings könnten einzelne Interventionspläne noch verbessert werden. «Zentral bleibt, dass Dienstleister – ob Banken, Telekommunikationsfirmen oder Grossverteiler – die Risiken eines Blackouts in ihren Strategien einplanen.»

14 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ich für meinen Teil sehe sehr viel politische Imteressen in dem Stromgeschäft und frage mich auch ob die Schweiz da nicht sehr viel verschlafen hat. Gerade in Stromspeicherverfahren wäre etwas drin gelegen oder bin ich schlecht informiert.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Die ganze Stromwirtschaft steht vor einer gewaltigen Herausforderung mit der Energiewende. Da geht es nicht nur um die Stromproduktion alleine, sondern auch um die geeigneten Vertriebsnetze, die auf neue Herausforderungen hin ausgebaut werden müssen. Das braucht wahrscheinlich sehr viel mehr Zeit als man heute annimmt. Ob die Politik & die Grünen sich dessen bewusst sind, wage ich da mal zu bezweifeln. Der Zeitfaktor ist da wesentlich, gut geplant ist halb gewonnen. Zur Zeit sehe ich da nichts.
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  • Kommentar von Markus Feierabend (Quantenmechanik)
    Nun kann der Ausstieg aus der Atomenergie überlegt werden. Es ist ja genügend Energie alternativ zu erzeugen (bei entsprechendem Willen und Umverteilung der Mittel). Wussten Sie übrigens dass 1969 in Luciens (Schweiz) eine Kernschmelze stattgefunden hat?
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Ja, das wusste ich, war damals auch in den Medien.
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