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Stromhandel in Europa Das europäische Stromnetz ist eine Schönwetter-Konstruktion

Stromleitung.
Legende: 37 Länder: Das europäische Stromnetz ist grösser als die EU. Im Fall von Konflikten wird das zu einem Problem. Colourbox

Darum geht es. Backofenuhren und Digitalwecker laufen nicht mehr richtig, weil in der Region Kosovo-Serbien über sechs Wochen zu wenig Strom in das europäische Stromnetz eingespeist wurde. Eigentlich harmlos. Doch ein Vorfall, den es so noch nie gegeben hat.

So ist es dazu gekommen. Im Stromhandel zwischen Kosovo und Serbien kam es zu Streitigkeiten. Kosovo speiste zu wenig Strom in den Netzverbund ein. Serbien glich nicht aus. Die europäischen Netzbetreiber versuchten wochenlang vergebens, zwischen den Streitparteien zu vermitteln.

Das zeigt dieser Fall auf. Der europäische Netzverbund, dem auch die Schweiz angehört, ist eine Schönwetterkonstruktion. Die Zentrale der europäischen Übertragungsnetzbetreiber Entso-E hat keine Kompetenzen, fehlbare Netzbetreiber zu sanktionieren. Nur die Netzbetreiber der gleichen Regelzone können beschliessen, einen Betreiber vom europäischen Netzverbund zu trennen. Ein Verfahren, das langwierig ist und auch mit Risiken für unsere Versorgungssicherheit verbunden wäre.

Das sagt Swissgrid dazu. Swissgrid ist Mitglied der Entso-E und koordiniert den südeuropäischen Raum. Bei Regelverstössen hat Swissgrid nur ein Melderecht, keine Weisungsbefugnis. Im Falle von Serbien-Kosovo habe ihre Intervention nicht viel gebracht. Die Netzzeit konnte mit Gegenmassnahmen nicht voll ausgeglichen werden. Ein Abtrennen eines grösseren Landes vom Netzverbund könne die Stabilität des gesamten Netzes gefährden.

Das sagt die eidgenössische Elektrizitätskommission. Die Situation ist politisch brisant. Die eidgenössische Elektrizitätskommission Elcom wollte sich vor der Kamera nicht äussern. Schriftlich teilt die Elcom zum Fall Serbien-Kosovo mit, die zuständigen Stellen seien angehalten, den Sachverhalt zu klären und die notwendigen Massnahmen zu treffen.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Müller (Peter Müller-Gerster)
    Wenn man nun darauf dringt, dass die Schweiz unabhängig sein sollte, was die benötigten Ressourcen angeht, sollte man auch dringend die Regenmenge in Betracht ziehen. Die Schweiz mit ihren Seen ist nämlich auch auf lange Sicht nicht imstande, die benötigte Regenmenge für die Landwirtschaft aus ihren Seen verdunsten zu lassen und wird auch auf unabsehbare Zeit abhängig sein von ausländischen Verdunstungsflächen, ausser - wir verwandeln die Schweiz in einen Binnensee...
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  • Kommentar von Beatrice Fiechter (thea)
    Es passiert immer mal etwas, mit dem man nicht rechnet! Jetzt kann man darauf reagieren! Es lohnt sich,dass unser Weg in mehr Unabhängigkeit vom Ausland führen soll. Durch Atomenergie weiter ausbauen wären wir nich weniger abhängig!Wir alle sind gefordert,die Energieprobleme anzugehen: Durch weniger od. nur gezielten Konsum,durch sparsamere Geräte, durch bessere,dezentralisierte Verteilung, durch die Wissenschaft/Wirtschaft,die Modelle effizienter,umweltfreundlicher u. kostengünstig entwickeln.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Unsere Stromversorgung in der Schweiz stützt sich im Winterhalbjahr sehr stark auf Stromimporte ab. Die neuen erneuerbaren Energien bringen uns im Winterhalbjahr gemäss den neusten offiziellen Statistiken nur wenig. PV 1,3% (2016) und 1,5% (2017, noch zu bestätigen). Windkraft sogar nur 0,17% (2016). In electricitymap können wir jederzeit die massiven Stromimporte eindrücklich beobachten. Mit der kommenden Abschaltung unserer AKW zeichnetet sich im Winterhalbjahr ein kritischer Stromengpass ab.
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