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Wirtschaft Stromkonzerne arrangieren sich mit Energiestrategie

Der Bundesrat hat seine Energiepläne präsentiert. Er setzt auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Das kann der Stromkonzern BKW offenbar akzeptieren. Doch er fordert von der Politik Verlässlichkeit.

Sollarkollektoren vor einer Windkraftanlage.
Legende: Sonne, Wind – und Wasser: Der Bundesrat setzt auf erneuerbare Energien. Keystone

Die Botschaft des Bundesrats zur Zukunft der Energie liegt auf dem Tisch: Eine definitive Meinung dazu hat man sich beim Berner Energiekonzern BKW noch nicht gemacht. Konzern-Chefin Suzanne Thoma sendet aber positive Signale aus: «Wir lesen dieses Dokument in erster Linie chancenorientiert.»

Bei den Energiekonzernen hat in den vergangen zwei Jahren ein Umdenken stattgefunden. Mittlerweile gibt es auch für sie eine Zukunft mit einer Energiewende. Doch damit diese Wende gelingt ist eines für Thoma unabdingbar: «Die Politik muss dringend Rahmenbedingungen schaffen, die belastbar sind und langfristig gelten. Diese müssen es attraktiv machen für Energieversorgungsunternehmen aber auch für andere Investoren wie Pensionskassen und Finanzfonds, in die Energieinfrastruktur zu investieren.»

Die BKW werde in den nächsten zehn Jahren Milliarden in den Netzausbau und die Stromproduktion investieren und verfüge bereits heute über mehr Produktionskapazität bei der Windenergie als mit dem Kernkraftwerk in Mühleberg, sagt Konzernchefin Thoma.

Politik soll verlässlich sein

Verlässlichkeit seitens der Politik – darauf sind die Schweizer Energieversorger angewiesen. Verlässlichkeit seitens der Politik sei unabdingbar, sagt auch der deutsche Volkswirtschaftsprofessor Christoph Schmidt, Vorsitzender des deutschen Sachverständigenrats für Wirtschaft – der oberste Wirtschaftsweise: «Verlässliche Pfade festlegen, deutliche Signale geben. Es gibt nicht nur kein zurück, sondern es gibt auch Wege, wie man gestalten kann.»

Das gilt sowohl für Deutschland als auch für die Schweiz. Vielmehr sogar für ganz Europa. «Eine Energiewende lässt sich nicht durch kleinteiliges, elementenweises Vorgehen erfolgreich gestalten, sondern nur als Gesamtpaket. Ein systemischer Blick wird gebraucht», sagt Schmidt.

Wasserkraft hat schweren Stand

Ein ideologie-geprägtes politisches Hickhack ist für Schmidt nicht zielführend, Gärtchendenken nicht angebracht. Es braucht internationale Kooperation. Das zeigt der Blick auf den Strommarkt: Weil aus Deutschland grosse Mengen an subventioniertem Solar- und Windstrom ins Stromnetz fliessen, sinken die Preise an der Strombörse. Die Konsequenz: Mit den erneuerbaren Energien kann preislich nur gerade die billige aber auch dreckige Braunkohle mithalten. Die saubere Wasserkraft wird aus dem Markt gedrängt.

Und Wasserkraft ist das zentrale Element der Schweizer Energiepolitik. Den grössten Einfluss auf die Schweizer Energiepolitik übt also derzeit nicht der Bundesrat mit der Energiestrategie aus, sondern die deutsche Energiepolitik.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Nin Guna, Zürich
    Verlässlichkeit der Politik. Da müssen die Konzerne zuerst auf einen gross angelegten Wechsel im Bundesrat warten.
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Die SNB hatte die Courage den Franken mit Erfolg zu stützen .... Jetzt kann unsere Regierung einmal zeigen wie sie die für die CH sehr wichtige Wasserkraft (einziger Rohstoff) stützen will. Ich denke eine Aufgabe dieses "sauberen" Energiesektors ist absolut auszuschliessen, also gilt hier nur die "Vorwärts-" Startegie..
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    1. Antwort von Hans Haller, Koelliken
      Der Bundesrat will die Wasserkraft eher an die EU verscherbeln, als stützen. Beachten Sie mal was Schneider Ammann mit dem Energiedossier effektiv vor hat.
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  • Kommentar von Tina Tunelli, Frutigen
    Naja, die Klein- und Kleinstwasserkraft wäre preislich konkurrenzfähig. Mit einer Lebensdauer von 50 Jahren produziert diese günstiger als die meisten anderen Energietechnologien. Erst recht, wenn man die externen Kosten mitberücksichtigt. Aber es wird ihr halt das Gegenteil unterstellt, und sie wird wegen politischen Kompromissen grad aus der Energiestrategie 2050 rausgemobbt...
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