Zum Inhalt springen

Wirtschaft Swiss-Chef plant gepäckabhängige Flugtickets

Wie alle Fluggesellschaften ist die Swiss unter Druck: Ihr Gewinn nimmt seit Jahren ab. Um mehr Geld in die Kassen zu bekommen, sucht die Airline neue Einkommensquellen. Gepäckabhängige Flugtarife gehören wohl bald dazu, wie Swiss-Chef Harry Hohmeister gegenüber «ECO» erklärt.

Bei den Billigairlines wie Easyjet gilt schon lange: Je mehr Gepäck ein Passagier mitnehmen will, desto mehr muss er für ein Flugticket bezahlen. Dieses Modell übernimmt nun im Kern wohl auch die Swiss. «Wir beschäftigen uns tatsächlich mit diesem Thema», bestätigt Swiss-CEO Harry Hohmeister im Live-Interview bei «ECO». «Wir überlegen uns, Tarife ohne Gepäck einzuführen, wenn jemand einfach schnell von A nach B fliegen will.»

Schnell von A nach B – damit sind Kurzstrecken gemeint. Details will Harry Hohmeister aber keine bekannt geben. Zu den gepäckabhängigen Tarifen dürften jedoch noch andere Preis-Differenzierungen kommen. «Wir wollen neue Service-Leistungen erfinden, für die wir zusätzlich kassieren können», erklärt der Swiss-Chef.

KLM und Air France bereits mit Gebühren

Was die Swiss plant, hat Air France bereits umgesetzt: Seit Juni bietet diese «Mini»-Tickets an, die günstiger als Normaltickets sind, dafür gibt es kein Freigepäck und vorgängig keine freie Sitzwahl – oder nur gegen einen Aufpreis. Und KLM, die Schwesterfirma von Air France, verlangt auf Kurzstrecken seit Mitte Mai ebenfalls neu eine Gebühr für Gepäck. Weitere Traditions-Airlines dürften diesen Beispielen folgen.

Gewinn 2013: rund 250 Millionen Franken

Mit kostenpflichtigen Leistungen ist es bei der Swiss aber nicht getan. Sie will auch die Kosten senken, wie Harry Hohmeister sagt. Sein Ziel: künftig rund 450 Millionen Franken Gewinn pro Jahr.

Grafik zu Betriebsgewinnen der Swiss
Legende: Seit 2010 abwärts: Betriebsgewinne der Swiss. SRF

2012 betrug der Betriebsgewinn aber nur 212 Millionen Franken, Tendenz stark sinkend. Im 1. Quartal 2013 resultierte gar ein Verlust. «Wir sind schwierig gestartet. Aber im 2. und 3. Quartal werden wir den Turnaround schaffen», sagt Hohmeister. Er hoffe auf ein besseres Ergebnis als 2012, der Betriebsgewinn dürfte aber «eher bei 250 Millionen Franken» liegen als bei 300 Millionen.

Trotz der grossen Aufgabe als Swiss-Chef ist Harry Hohmeister künftig weniger in der Schweiz anzutreffen: Ab 1. Juli sitzt er gleichzeitig auch noch in der Konzernleitung der Swiss-Mutter Lufthansa in Frankfurt. Dort ist er zuständig für die serbelnden Austrian und Brussels Airlines sowie die konzernweite Logistik und den Einkauf. Die Belastung werde so sicher zunehmen, sagt Hohmeister, «aber das ist meine persönliche Entscheidung und mir die Sache wert.» Zudem könne auch die Swiss von diesen Erfahrungen profitieren.

Hohmeister will bis 2016 Swiss-Chef bleiben

In der Lufthansa-Konzernleitung hat der frühere Swiss-Chef Christoph Franz das Sagen. Als dieser 2009 nach Frankfurt wechselte, löste ihn Harry Hohmeister an der Spitze der Swiss ab.

Ein erneute Nachfolge an der Spitze des Konzerns kann sich Hohmeister aber nicht vorstellen – und würde ihn laut eigener Angabe auch nicht reizen. «Mein Traum hat sich schon lange erfüllte», sagt Hohmeister in Anspielung auf den Swiss-Chefposten. Diesen will er bis 2016 behalten. Dann soll die erste von sechs Boenig 777 an die Swiss ausgeliefert werden – «und ich möchte, wenn ich das entscheiden darf, sehen, was ich bestellt habe.»

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Frei, Zürich
    Wenn schon gewichtsabhängige Tarife, dann aber mit Körpergewicht. Einfach mit Koffer, Handgepäck und Körper auf Waage, denn nur dann sind die Kosten verursachergerecht verteilt. Denn ich habe 62 kg, mein Sitznachbar 30 kg mehr. Warum muss ich die Kerosinkosten seiner 90 kg Körpergewicht mitzahlen? Die Zusatzkosten verursacht er nicht ich. Und dazu schwappt seine Fülle bzw. sein Arm ständig an meinen Körper, weil er diesen nirgends sonst verstauen kann, schlafen unmöglich, von mir mitfinanziert
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Tisserand, Schweiz
    Finde ich absolut richtig. Wie oft habe ich schon erlebt, wie Leute, neben dem erlaubten Handgepäck, noch 3 Taschen ins Flugzeug nehmen, so dass man über dem eigenen Sitz im Handgepäckfach keinen Platz mehr findet. Die Leute sollen das Zeug doch einfach bei der Post aufgeben, oder noch besser weniger Krempel mit um die halbe Erde bugsieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jeff Koch, Seuzach
      Genau. Habe mich auch schon über mich selbst geärgert, weil ich alles im Koffer verstaut habe und dafür $100 für Übergewicht bezahlt habe. In der Kabine hatte ich dann das Vergnügen eines Sitznachbarn/-nachbarin mit Laptoptasche + Sporttasche + überdimensioniertem Handgepäck + Schuhsack + Tennisschläger. Bei Damen natürlich auch den Mega-Beautycase. Sind die eigentlich blind beim Check-In?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Auf dem Heimflugl von Seoul nach Zürich: Meine Kollegin sass am Fenster, ich beim Gang. Dazwischen ein 2 Metermensch, der eine Ladung Bonsaipflanzen am Boden platziert hatte. Ich wusste kaum wohin mit den Beinen. Schlafen unmöglich, die Bestuhlung war sehr eng.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen