Zum Inhalt springen

Wirtschaft Swiss-Chef stellt Milliarden-Investitionen infrage

Emirates, Qatar Airways und Etihad heissen die Airlines, die Swiss-Chef Harry Hohmeister in die Enge treiben. Die Fluggesellschaften aus den Golfstaaten sind dank heimischer Unterstützung zur bedrohlichen Konkurrenz für die Swiss geworden.

Legende: Video Harry Hohmeister zu Standort-Voraussetzungen abspielen. Laufzeit 1:23 Minuten.
Vom 02.06.2014.

Für das letzte Jahr konnte die Swiss noch einen stolzen Gewinn verkünden. Doch jetzt steht sie an einem Wendepunkt. Vor allem die Rahmenbedingungen setzen die Fluggesellschaft unter Druck. «Wenn sich an nichts schrauben lässt, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass hier die Standort-Voraussetzungen für globalen Wettbewerb nicht mehr stimmen», sagt Swiss-Chef Harry Hohmeister im Interview mit «ECO».

Es sind Airlines aus dem Nahen Osten wie Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways, die ihm Sorgen bereiten. Sie bieten teilweise massiv günstigere Preise für dieselben Flugziele (s. Box) – häufig in Kombination mit mehr Service. So hat etwa jeder Business-Class-Sitzplatz einen Zugang zum Gang. In Teilen der Flotte sind Bars zu finden. Und in der 1. Klasse bietet Emirates etwa Duschen an.

Diese Airlines bauen ihre Heim-Destinationen wie Dubai und Abu Dhabi zu immensen Drehkreuzen aus. Sie sind Teil der wirtschaftlichen Gesamtstrategie der Vereinigten Arabischen Emirate. Ziel ist es, mithilfe solcher Dienstleistungen eine Zukunft nach dem Erdöl zu gestalten. Dafür tätigen diese Staaten massive Investitionen. Golf-Airlines profitieren von Steuervorteilen, tiefen Arbeitskosten und günstigem Zugang zu Treibstoff.

Steuervorteile dort, erhöhte Gebühren hier

Im Gegensatz dazu die Situation in der Schweiz. Nachtflugverbot, Flughafengebühren und Sicherheitskosten prägen hier die Diskussion. Die Rahmenbedingungen hemmen die Swiss: «Wir sehen heute schon, dass die Swiss in den letzten zwei Jahren praktisch nicht mehr gewachsen ist», sagt Swiss-CEO Harry Hohmeister. Man müsse «härter kämpfen, um noch erfolgreich zu sein.»

Swiss hat einen Bericht zuhanden des Bundesamts für Zivilluftfahrt erstellt. In diesem bezeichnet sie die Fluggesellschaften aus den Golfstaaten als Bedrohung für die Swiss und für das Luftverkehrssystem der Schweiz insgesamt.

Harry Hohmeister sagt: «Man darf hier in diesem Land nicht vergessen, dass die Swiss zwischen 2009 und 2019 in der Summe absehbar sechs Milliarden Franken investieren wird – in ein Unternehmen, das zu 90 Prozent Arbeitsplätze in der Schweiz schafft.» Und: «Das ist natürlich gefährdet; nicht nur die Investitionen, sondern mittelfristig auch die Arbeitsplätze.»

Es ist ein weiterer Appell des Swiss-Chefs an die Adresse der Schweizer Politik. Sie müsse die Rahmenbedingungen verbessern, damit Airlines hier erfolgreich geschäften könnten. Andernfalls könnte sich die Luftfahrt in der Schweiz komplett umwälzen. Andreas Wittmer vom Aviatik-Kompetenz-Center der Universität St. Gallen formuliert es gegenüber «ECO» drastisch: «Ein Szenario könnte sein, dass es die Swiss in zehn Jahren nicht mehr gibt.»

Günstigere Business-Class

Die Konkurrenz aus dem Nahen Osten spürt Swiss vor allem auf Flügen nach Asien. Wer einen Umsteigeflug in Kauf nimmt, spart viel bei Business-Class-Tickets. Beispiel Zürich–Bangkok, 2.–9. Juni (Cheaptickets, 30.5.14):

  • Etihad: 2792.- / 14h10 / 15h15
  • Qatar: 2978.- / 15h25 / 21h40
  • Emirates: 3506.- / 14h55 / 16h45
  • Swiss: 4139.- / 10h55 / 11h45 (Direktflug)

«ECO»-Serie: Kampf um Kunden

«ECO»-Serie: Kampf um Kunden

Zu Wasser, zu Lande, in der Luft – Wie die Schweizer Reisebranche ihre Kassen füllen will. Mehr

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von kari huber, surin
    Brauchen wir eine nationale Airline? Wahrscheinlich nicht. Wir können von Kloten aus auch mit den UAE-Airlines fliegen und erst noch billiger. Unsere Swiss-Piloten, die gratis ausgebildet wurden und dann das Salär eines Bankdirektors kassierten, müssen sich nach der Decke strecken und schauen, dass sie bei erfolgreichen Airlines unterkommen. In unserem Nachbardorf lebt ein kanadischer Captain, der die ganze Show mitgemacht und sich in Thailand niedergelassen hat. Ihm geht es finanziell blendend.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Markus Ernst, Hohenems
      Sehr geehrte Frau Huber. Gerne würde ich von Ihnen wissen, woher Sie die Information haben, dass "unsere SWISS Piloten" gratis ausgebildet wurden? Ich als "gratis" ausgebildeter Pilot auuf alle Fälle brauchte mehr als 5 Jahre um die Ausbildung abzubezahlen und wenn Sie die Lohntabellen im Internet recherchieren werden Sie feststellen, dass auch Ihr Vergleich mit einem Bankdirektor leider nicht standfest ist. Bitte Informieren Sie sich in Zukunft besser.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Waltensberg S., 4125 Riehen
    Das Fairness-Problem: Die genannten Airlines wollen mit unfairen Mitteln grosse Marktanteile gewinnen nicht nur in der Schweiz sondern auch in Europa. Die Frage sollte sein wie machen die das? Faire Löhne? Wollen wir Arbeitsplätze in der Schweiz schützen ja oder nein? Eine andere Frage? " Hat die SWISS einen Sheikh der bei drohendem Bankrott 8 Milliarden reinpumpen kann? Wenn die Politik nicht bald was unternimmt wird SWISS die Schweiz am Himmel nur noch mit Modellflugzeugen representieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Max Wohl, Jonen
      Der Bund wird sich hoffentlich hüten eine ausländische Airline zu unterstützen, nachdem er die inländische Swissair sterben liess. Schon vergesen????
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Kohler, Thurgau
    Ist ja schon lustig: Im Rahmen vom Submissionsgesetz dürfen wir keinen Heimatschutz betreiben und inländische Firmen bevorzugen. Aufgrund der bilateralen Verträge gehen so viele lukrative Aufträge ins Ausland (siehe Autostrassenbau, Rüstung und SBB Aufträge). Kauft dann eine ausländische Firma unsere nationale Airline, soll diese dann dann plötzlich mit Steuergeldern bevorzugt werden. Merksch öppis?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen