Didier Burkhalter, können Sie die Schweiz noch regieren?

Bundespräsident, Aussenminister, OSZE-Präsident: Bundespräsident Didier Burkhalter tanzt seit einem halben Jahr auf verschiedenen Hochzeiten. Im Interview mit ECO-Moderator Reto Lipp nimmt er Stellung zu seinem Stress-Job.

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Reto Lipp im Gespräch mit Didier Burkhalter

8:46 min, vom 5.6.2014

Bundespräsident Didier Burkhalter durchlebt zurzeit die intensivste Zeit als Staatsoberhaupt. Er ist gleichzeitig als OSZE-Präsident Feuerwehrmann im Ukraine-Konflikt und muss als Bundespräsident die Schweiz beisammen halten.

Zeit für die Schweiz bleibt laut Burkhalter aber genug. «Schwierig ist nur, dass Ganze so zu machen, wie man möchte. Wir haben fast keine Zeit mehr für Vorbereitungen. Es muss alles während der Nacht gemacht werden.»

Als OSZE-Präsident knüpft Burkhalter Kontakte, die auch für die Schweiz nützlich sind. Der Neuenburger telefoniert fast täglich mit US-Aussenminister John Kerry und Russlands Präsident Wladimir Putin. «Ich würde gerne auch mit Barack Obama direkt sprechen. Aber das ist schwierig.»

Zeit für einen gesunden Schlaf bleibt bei diesem Mammutprogramm kaum mehr. «Ich schlafe wenig. Die Zeit reicht nicht dafür. Mit meinen Sorgen ist es schwierig, genug Schlaf zu finden.»

Burkhalter: «Es wird knallhart sein in den nächsten Jahren»

Auch bei der Eröffnungsrede von Bundespräsident Didier Burkhalter beim Swiss Economic Forum (SEF) dominierten die Zukunft der Bilateralen Verträge und die Ukraine-Krise.

Burkhalter forderte am SEF erneut die sofortige, bedingungslose Freilassung der in der Ostukraine gefangen gehaltenen und vermissten OSZE-Beobachter. Die Ukraine sei ein Beispiel dafür, wie schnell sich die Lage ändern könne, habe doch das Land noch 2012 zusammen mit Polen erfolgreich die Fussball-Europameisterschaft ausgetragen.

«Es wird knallhart sein in den nächsten Jahren», sagte Burkhalter vor dem Hintergrund der angenommenen Masseneinwanderungsinitiative. Dass die Personenfreizügigkeit für die EU absolut unverhandelbar ist, glaubt Burkhalter offenbar nicht: Man solle sich nicht von jedem Signal aus der Ruhe bringen lassen. «Am Ende des Spieles weiss man das Resultat, nicht am Anfang.»