Abt Werlen plädiert für Wirtschaft mit «menschlichem Antlitz»

Turbulenzen an den Finanzmärkten, Krise in der EU und Topmanager, die immer mehr verdienen. Am SEF wird viel darüber diskutiert. Doch was hat ein Kirchenmann unter all den Wirtschaftkapitänen zu suchen? Für Abt Martin Werlen ist klar: Die Rückbesinnung auf den Menschen ist wichtig.

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Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln

4:13 min, vom 7.6.2013

Markt und Moral, passt das überhaupt zusammen? Für Abt Martin Werlen sehr wohl: «Das ist unser grösstes Problem im Moment. Wir haben den Eindruck: Das passt nicht.» Fakt sei aber: Markt und Moral müssten im Dienste des Menschen sein. Noch fehle der gemeinsame Nenner. «Ist der aber wieder gefunden, so ist es keine Frage mehr, ob Markt und Moral zusammenpassen», sagt der «CEO» des Klosters Einsiedeln, der zurzeit Gast am Swiss Economic Forum in Interlaken ist.

«Menschen, die Verantwortung haben, laufen Gefahr den Kontakt mit der Basis zu verlieren», sagt Werlen. Diese Gefahr bestehe sowohl in der Kirche als auch in der Wirtschaft.

Wo liegt momentan das grösste Problem der Wirtschaft? Für Abt Martin Werlen ist das grösste Problem, dass sich die vor allem Finanzwelt grösstenteils verselbständigt haben. «Kaum jemand hat noch den Überblick.» Es seien immer weniger, die immer mehr verdienen. «Daneben gibt es eine grosse Mehrheit mit grossen Problemen auf dieser Erde», mahnt Werlen. Für den Kirchenmann sind die Menschen zu sehr in Vergessenheit geraten. Er fordert deshalb eine Wirtschaft, die «ein menschliches Antlitz» hat.

«Für mich ist es wichtig, dieses Anliegen bei der Wirtschaftselite einzubringen.» Darum sei er dankbar für die Einladung zur Teilnahme am SEF.