Swiss Skills 2014: Nationales Schaulaufen der Berufe

Von A wie Automatiker bis Z wie Zimmermann – Bern steht vom 17. bis 21. September im Zeichen der Berufsbildung. An den Swiss Skills 2014 werden in 70 Berufen die Schweizer Meisterschaften durchgeführt. Und viele weitere Berufe präsentieren sich in der Ausstellung.

Der 19-jährige Basil Jung hat ein klares Ziel: An den Swiss Skills will er mindestens die Silbermedaille holen. Denn nur die Erst- und Zweitplatzierten haben die Möglichkeit, an den Berufs-Weltmeisterschaften teilzunehmen. Und diese sind nächstes Jahr. Aber nicht in Bern, sondern in Sao Paulo, Brasilien.

Andere sind allerdings schon froh, dass sie überhaupt an der nationalen Meisterschaft teilnehmen können. Denn bei den Automatikern haben sich 50 Lehrlinge und auch Ausgelernte für die Teilnahme an der Meisterschaft in Bern beworben.

Nicht jeder übersteht die Vorrunde

In zwei Vorrunden wurden die Bewerber aber ausgesiebt. Am Schluss blieben 12 übrig, unter ihnen Basil Jung. Er ist im vierten Lehrjahr als Automatiker bei der Firma Stadler Rail in Altenrhein (SG). Dort hat er jeden Tag mit Zügen zu tun. Momentan arbeitet die Belegschaft mit Hochdruck an einem Grossauftrag für eine Eisenbahngesellschaft in Russland.

Diese hat 20 top-moderne Doppelstock-Züge bestellt. Auch Basil Jung arbeitet mit. Als Automatiker ist er verantwortlich dafür, dass der Zug am Schluss einwandfrei verlegt. Viele Kilometer Kabel sind in jedem Wagen verlegt. Der Automatiker sorgt dafür, dass die Kabel im Schaltkasten richtig zusammenlaufen. Und er baut und programmiert Steuerungen, damit sich Türen automatisch öffnen und schliessen und damit die Klimaanlage nicht zu kurz, aber auch nicht zu lange läuft.

Auch wenn der Lokomotivführer den Rückspiegel automatisch verstellt, funktioniert das nur wegen der Vorarbeit des Automatikers. «An diesem Beruf gefällt mir, dass ich die Hände gebrauchen kann», erzählt Basil Jung. «Aber ich brauche auch den Kopf, wenn ich programmieren muss.»

Echter Workflow en miniature

Der junge Automatiker hat sich intensiv auf die Swiss Skills vorbereitet. Die Firma hat ihm dafür pro Woche einen Arbeitstag zur Verfügung gestellt. In dieser Zeit hat sich Basil Jung in einer ruhigen Ecke des Firmenareals eine Übungsumgebung aufgebaut.

Es ist eine Anlage – alles im Miniaturformat – die kleine Glasflaschen mit Wasser füllt und sie zu einem Automaten transportiert, der sie mit einem Deckel verschliesst. Basil Jung hat die Förderbänder zusammengebaut und steuert die Flaschen mit Lichtschranken und Sensoren. Der Deckel wird mit einem Vakuum-Greifer auf die Flasche gepresst.

Basil Jung hat keine Ahnung, was ihn am Wettkampf erwartet. Er weiss nur, dass er einen Bausatz erhalten wird mit Komponenten, die er für seine Übungsanlage verwendet hat. Was die im Wettkampf verlangte Anlage dann aber können muss, das weiss er nicht. Nach drei Tagen muss sie funktionieren. So lange dauert der Wettkampf.

Basil Jung hofft, dass es ihm nicht ergeht wie kürzlich einem Automatiker an den Berufsmeisterschaften in Deutschland. Der junge Mann war auf Goldkurs. Dann stolperte er über ein Kabel seiner soeben gebauten Anlage. Das Werk stürzte mit Getöse zusammen und der Automatiker wurde Letzter.

Schweizer Macher – junge Berufsleute an der Arbeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer an den Swiss Skills gewinnt, kann an den internationalen Meisterschaften in Brasilien teilnehmen.
  • Berufsmeisterschaften sind nichts Neues. Neu ist aber, dass die Meisterschaften alle zugleich am gleichen Ort stattfinden.
  • Erwartet werden über 200'000 Besucher, viele davon Schulklassen