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Sparprogramm mit Stellenabbau Swisscom streicht 300 Stellen mehr als geplant

Legende: Video «Der Markt bleibt hart umkämpft» abspielen. Laufzeit 0:58 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Swisscom will mehr Stellen abbauen als ursprünglich geplant.
  • Statt 700 wie vor einem Jahr angekündigt, sollen es jetzt insgesamt 1000 Stellen sein.
  • Die Gewerkschaft Transfair übt Kritik an der Unternehmenspolitik.
  • Swisscom präsentierte auch die Zahlen zum Geschäftsjahr 2016. Ergebnis: 1,6 Milliarden Franken Gewinn.

Nach einem Gewinnknick vor einem Jahr kündigte die Swisscom an, bis 2020 die jährlichen Kosten um 300 Millionen Franken gegenüber 2015 zu senken. Am Sparprogramm will das Unternehmen laut Medienmitteilung trotz positivem Jahresabschluss festhalten.

Gegenüber der damaligen Prognose erhöht die Swisscom jedoch die Zahl der Stellen, die abgebaut werden sollen. Anstatt wie damals angekündigt 700 Stellen, sollen dem Sparprogramm jetzt 1000 Stellen zum Opfer fallen. Bereits 2016 hat sich der Bestand der Vollzeitstellen beim Unternehmen um rund 600 auf 18'400 gesenkt. Ende 2017 sollen es noch 17'900 sein, heisst es im Communiqué.

Keine Erklärung – dafür Kritik

Swisscom begründet im Communiqué den weiteren Stellenabbau nicht. Mitte November 2016 hatte jedoch Swisscom-Finanzchef Mario Rossi in einem Interview angetönt, dass ein solcher Schritt möglich sei. Er begründete dies mit dem Preisdruck, den sinkenden Roamingeinnahmen und den höheren Kosten für die Gewinnung von Kunden.

Die Gewerkschaft Transfair bedauert die weitere Umstrukturierung. Obwohl das Unternehmen hervorragende Resultate erwirtschafte, setze es seine Rationalisierungspolitik weiter fort, heisst es in einer Mitteilung. Konkret fordert die Gewerkschaft, dass die Swisscom in Aus- und Weiterbildung der Angestellten investiert, um ihnen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen.

Satter Gewinn 2016

Ebenfalls in der Medienmittelung hat die Swisscom ihre Zahlen für 2016 präsentiert. Demnach hat das Telekommunikationsunternehmen einen Gewinn von 1,6 Milliarden Franken erzielt. Das sei das Ergebnis des Sparprogramms und von Erfolgen im Italiengeschäft. Analysten hatten mit 1,5 Milliarden Franken gerechnet.

Für 2016 sollen die Aktionäre wie angekündigt 22 Franken pro Titel erhalten. Unternehmenschef Urs Schaeppi erwartet für das laufenden Jahr ein Betriebsergebnis von rund 4,2 Milliarden Franken (2016: 4,29 Milliarden Franken) und einen unveränderten Umsatz von 11,6 Milliarden Franken. Bei Erreichen der Ziele sollen erneut 22 Franken an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Philip Meyer zum Jahresergebnis der Swisscom

In einem schwierigen Marktumfeld hat sich der Branchenleader Swisscom gut geschlagen. Denn im Mobilfunk sinken die Preise weiter. Gleichzeitig kann die Swisscom wegen des kleinen Schweizer Marktes nicht mehr wachsen.
Vor allem im günstigen Prepaid-Bereich drückt die Konkurrenz. Zwar hat die Swisscom im Geschäft mit den Grosskunden weiter zugelegt. Und Erfolg hat sie nach wie vor mit dem Fernsehangebot. Ob letzteres so bleiben wird, nachdem die Konkurrentin UPC die Eishockey-Rechte und deren Mutterfirma Liberty Global jene der Formel 1 kaufen konnten, wird sich aber erst zeigen.
So richtig gefährlich kann der Swisscom im Inland aber auch weiterhin niemand werden. Zu stark ist der Platzhirsch. Ausruhen können die Verantwortlichen dennoch nicht. Denn es fehlt eine Antwort auf die Frage, mit welchen Geschäftsbereichen der anhaltende Umsatzschwund langfristig aufgefangen werden kann. Denn gerade in zukunftsträchtigen Bereichen wie Plattform-Inhalten und Datendiensten drängen immer mehr internationale Mitspieler wie Netflix, Amazon oder Apple auf den Schweizer Markt.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Fetzer (wi)
    Na,na nur nicht neidisch werden! Wir armen Aktionäre erhalten nur 22.- pro Aktie! Wisst ihr Büetzer denn nicht wie teuer der Champagner und der Kaviar inzwischen geworden ist? Ich sage Euch, das können wir uns nicht mehr alle Tage leisten. Da müssen wir doch öfter darauf verzichten! Und auch die Mietpreise für unsere Villa ist enorm teuer, ganz zu schweigen vom Gärtner und Poolpfleger! Ihr habt einfach keine Ahnung, wie teuer das Leben geworden ist für uns!
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Das ist ganz normal: Wer hat, der lechzt nach noch mehr. So auch bei der gewinnverwöhnten Swisscom. Es ist ein Skandal, dass sie wegen einem Jahr Gewinneinbusse nun die Angestellten bluten lässt. Den Spareffekt merkt auch die Kundschaft. Bis vor wenigen Jahren konnte man Nummern ziehen und dann im Laden herumstöbern. Heute ist das nicht mehr möglich. Man muss oft recht lange Schlange stehen, bis man endlich, endlich, endlich, ENDLICH an die Reihe kommt.
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Falsch ist das mit den Boni. An einer Tagung hat der PersonalChef von Swisscom gesagt, die Mitarbeitenden wünschen sich zunehmend mehr Ferien. Die Swisscom prüfe zur Zeit, ob die Mitarbeiter sich mehr Ferien statt Boni kaufen können. Immer mehr Manager arbeiten lieber 50% für 200'000 Franken statt 100% für 50'000 Franken. Das ist jedoch nicht nur bei Swisscom so. Wir erhalten nur den Praxisbeweis, dass der Managerkapitalismus auf direktem Weg in die gleiche Ausbeutung führt wie der Kommunismus.
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